Kiews Truppen in der Gegenoffensive

Kleine Fortschritte im Süden, neuer Druck im Osten: die Lage an den Fronten in der Ukraine

Ukrainische Soldaten sind an der Front im Gebiet Donezk.

Ukrainische Soldaten sind an der Front im Gebiet Donezk.

Seit der vergangenen Woche läuft die ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes. Das Gebiet Cherson liegt im Fokus der Truppen Kiews, um die russischen Einheiten zurückzudrängen, die es bereits seit März unter ihrer Kontrolle halten.

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Doch derzeit ist nur wenig über die Angriffe der Ukraine bekannt. Das liegt vor allem an der Informationssperre, die der ukrainische Generalstab über die Operation verhängt hat. Dennoch sickern immer wieder Informationen über Erfolge der Truppen der Ukraine durch: Alle Brücken über den Fluss Dnipro seien zerstört worden, ebenso wie einige russische Munitionsdepots, zudem habe man bereits einige Ortschaften zurückerobern können. Doch was ist dran an den Fortschritten und wie sehr beeinträchtigen sie die russische Kriegsführung?

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Nico Lange, Politikberater und langjähriger Leiter des Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Ukraine, schränkt zunächst ein: „Es handelt sich nicht um eine große Gegenoffensive, sondern um ein begrenztes Vorgehen, das vor allem opportunistisch Schwachstellen in den russischen Positionen auszunutzen sucht“, schreibt Lange auf Twitter. Dabei versuche die Ukraine, russische Truppenverbände auf dem südwestlichen Ufer des Flusses Dnipro von den anderen russischen Kräften im Süden der Ukraine und vom Nachschub abzutrennen – sie sollen „ausgehungert“ werden.

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Keine „schnellen Ergebnisse“ in der Südukraine

Seitdem die Ukraine alle Brücken über den Fluss zerstört hat, gehe sie weiter konsequent gegen provisorische Pontonbrücken und Versuche der Flussüberquerung durch russischen Kräfte vor. Dazu setze das ukrainische Militär erstmals auch westliche Mehrfachraketenwerfersysteme wie den US-amerikanischen Himars und von Deutschland gelieferte Mars II direkt gegen Ziele an der Front und nicht mehr nur gegen für Angriffe auf das Hinterland ein.

Lange erwartet jedoch keine „schnellen Ergebnisse“ der ukrainischen Bemühungen im Süden. Dafür hängt ihr Erfolg von zu vielen Faktoren ab. So gelinge es den Truppen Kiews zwar derzeit auch, einen Brückenkopf über den Fluss Inhulez zu schaffen, die „begrenzte Offensive“ berge aber dennoch große Risiken – die vor allem auf die mangelhafte Ausrüstung der Ukraine zurückzuführen sind, schreibt Lange.

Denn die offene Steppe im Süden des Landes erfordere eigentlich den Einsatz von mechanisierter Infanterie. Das Gebiet liege teilweise unter dem Meeresspiegel, sei sehr flach und von diversen Gewässern durchzogen. „Man kann sehr weit sehen, wodurch jede Bewegung von Infanterie extrem gefährlich wird“, so Lange. Die Ukraine benötige deshalb dringend mehr Schützenpanzer, gepanzerte Truppentransporter, aber auch Kampfpanzer.

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Im Donbass bleibt die Lage angespannt

Aber auch im Donbass in der Ostukraine gehen die Kämpfe weiter. Russland habe sein „offensives Momentum“ im Krieg gegen die Ukraine noch nicht verloren, warnt Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR) in einem Twitter-Beitrag. Angriffe auf den Ort Bachmut und die Umgebung würden weiter fortgeführt werden, schreibt Gressel. „Obwohl sie nur kleine Ergebnisse erzielt haben, wurden einige der ukrainischen Ressourcen verschlungen“, gibt der Militärexperte zu bedenken. Auch die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) warnt vor den russischen Angriffen im Donbass. An den Gefechten rund um Bachmut seien auch Söldnereinheiten der Wagner-Gruppe beteiligt, schreiben die Experten in ihrem täglichen Ukraine-Update vom 5. September.

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Laut Einschätzung des ISW soll das vor allem die Kampfmoral anheben und die weitere Mobilisierung von Truppen aus den Gebieten erleichtern. Zudem versuche Putin damit, den Fokus der Medien von den Kämpfen im Süden der Ukraine abzulenken. Nicht zuletzt stütze der Kremlchef damit das Narrativ des Kreml, zum „Schutze“ der Bevölkerung von Luhansk und Donezk in die Ukraine einmarschiert zu sein, schreibt das ISW.

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Deutsche Waffenlieferungen könnten Lücken im ukrainischen Luftraum schließen

Neben der Südukraine sowie den Gebieten Donezk und Luhansk steht auch die Region um Charkiw weiterhin im Fokus der russischen Angriffe – wohl um ukrainische Truppen im Nordosten des Landes zu binden, wie Nico Lange meint. Zudem würden Infrastruktur und zivile Einrichtungen im ganzen Land immer wieder zum Ziel russischer Raketen.

Dabei scheint es einen Lichtblick zu geben: „Die ukrainische Luftverteidigung schießt (...) mittlerweile einen hohen Anteil dieser Raketen und Kalibr-Marschflugkörper ab“, schreibt Lange. Die schrittweisen Lieferungen des NASAMS-Luftabwehrsystems aus den USA sowie deutscher Luft-Luft-Lenkraketen vom Typ Iris-T könnten die letzten Lücken im ukrainischen Luftraum schließen, so Lange.

Zivile Drohnen sind für die Ukraine und Russland essentiell

Zudem aber brauche die Ukraine mehr zivile Drohnen genauso wie sogenannte Drohnenjammer, also Geräte, die zur Zerstörung der Luftfahrzeuge eingesetzt werden, fordert Lange. Zivile Drohnen würden vermehrt zur Luftaufklärung genutzt – aber auch Russland setze solche Geräte ein. Westliche Partner sollten deshalb baldmöglichst weltweit ganze Bestände aufkaufen, damit Russland keinen Zugriff darauf habe.

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Dies ist eine Einschätzung, die auch vom britischen Militärgeheimdienst geteilt wird. Angesichts größerer Verluste an solchen Drohnen dürfte das russische Arsenal bereits stark dezimiert sein. Und westliche Sanktionen erschwerten es dem Land, Ersatzteile aufzutreiben. Das unterlaufe die taktische Wahrnehmung der russischen Kommandeure und erschwere zunehmend die Operationen der Truppen Moskaus, schreibt das britische Verteidigungsministerium im Geheimdienstupdate vom 6. September.

Die Sehnsucht nach Frieden eint die meisten kirchlichen Gemeinden, ob in Deutschland, der Ukraine oder Russland.

Den Krieg einfrieren, wieder mit Russland verhandeln: Wie realistisch sind diese Forderungen?

In offenen Briefen und TV-Sendungen sprechen sich Politiker, Künstler und Intellektuelle gegen Waffenlieferungen an die Ukraine und für Friedensverhandlungen aus – zuletzt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Wir haben seine zentralen Thesen mit drei Experten aus verschiedenster Perspektive auf Umsetzbarkeit und Stichhaltigkeit geprüft.

„Der Ausgang der begrenzten Offensive der Ukraine im Süden muss derzeit als offen bezeichnet werden. Wieder höherer russischer Druck im Donbass zeichnet sich gleichzeitig ab“, resümiert Nico Lange auf Twitter.

Ob die Ukraine bald größere Erfolge vorweisen kann, hängt angesichts dessen wohl erneut stark von westlichen Bemühungen ab, schnell angekündigte Waffenlieferungen umzusetzen.

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