Deutsch-Polnisches Barometer

Umfrage: Drei Viertel der Deutschen und Polen fühlen sich durch Russland bedroht

Protest gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine am vergangenen Sonntag in der polnischen Stadt Krakau.

Berlin. Unter dem Eindruck des russischen Aggressionskrieges gegen die Ukraine nähern sich Polinnen, Polen und Deutsche in ihren außenpolitischen Sichten in Bezug auf Russland stark an. Während Polen traditionell schon immer Russland als massive Bedrohung angesehen hat, war das in Deutschland weniger der Fall.

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Jetzt fühlen sich drei Viertel der Deutschen und der Polinnen und Polen durch Russland militärisch bedroht. Das geht aus einer Sonderausgabe des Deutsch-Polnischen Barometers 2022 hervor, die sich speziell mit den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die deutsch-polnischen Beziehungen beschäftigt.

Demnach ist das Bedrohungsgefühl durch Russland in Deutschland von 55 Prozent im Februar 2022 auf 74 Prozent im März gestiegen und das der Polinnen und Polen von 69 auf 79 Prozent.

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Drei Zeitpunkte für Befragung

„Aufgrund unserer historischen Erfahrungen war das Bedrohungsgefühl der Polen gegenüber Russland immer groß“, sagt Agnieszka Łada-Konefał, Politikwissenschaftlerin am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt und Mitautorin des Barometers 2022. Die Deutschen hätten jetzt nachgezogen.

Für die jährliche Meinungsumfrage zu den deutsch-polnischen Beziehungen wurden unmittelbar vor Beginn des Kriegs in der Ukraine in beiden Ländern jeweils 1000 Menschen zwischen 18 und 75 Jahren befragt. Zu ausgewählten Punkten haben die Autoren der Studie dann nach Kriegsbeginn, Anfang März, die Teilnehmenden erneut befragt.

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Mehr deutsche Verteidigung nötig?

Nach den Märzerhebungen sind 87 Prozent der Polinnen und Polen der Auffassung, dass Russland ein Land ist, auf das man sich nicht verlassen kann und von dem man sich in Energiefragen unabhängig machen sollte. Inzwischen sehen das auch 67 Prozent der Deutschen so, wesentlich mehr als im Februar, wo es nur 51 Prozent waren.

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Auch beim Blick auf die deutsche Verteidigung nähern sich die Sichtweisen der Menschen in beiden Ländern weiter an: 58 Prozent der Polinnen und Polen und 55 Prozent der Deutschen stimmen zu, dass höhere deutsche Verteidigungsanstrengungen auch die Sicherheit Polens erhöhen wird.

Auf der Ebene der gegenseitigen Sympathie bewegen sich Polinnen, Polen und Deutsche ebenfalls aufeinander zu. Während in Polen 50 Prozent der Befragten Sympathie für die Deutschen hegen, sind es bei den Deutschen 43 Prozent.

Polen blicken eher positiv auf Deutschland

Die Werte der direkten Abneigung gegenüber dem jeweils anderen sind seit Jahren stabil auf niedrigem Niveau um die 10 bis 14 Prozent. Relativ groß bleibt die Kategorie „weder Sympathie noch Abneigung“, die zeigt, dass die Gefühle der Deutschen und der Polinnen und Polen oft eher neutral sind, wobei nach Beobachtung der Meinungsforschenden auf der deutschen Seite oft auch Unkenntnis eine Rolle spielt.

„Oft wissen die Menschen einfach nicht genug über ihr Nachbarland und sind dann mit ihrer Einschätzung vorsichtig“, sagt Politikwissenschaftlerin Łada-Konefał.

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Sie schätzt den harten „antideutschen“ Kern in der polnischen Gesellschaft auf lediglich 4 bis 5 Prozent. Ansonsten sehen die Polinnen und Polen laut Barometer eher positiv auf Deutschland: 74 Prozent der Befragten bewerten die deutsche Wirtschaft, 58 Prozent das Niveau der Demokratie und 57 Prozent die Bürgerrechte als positiv.

Die USA sind besonders beliebt in Polen

In einem Sympathieranking der mit Polen befreundeten Nationen rangiert Deutschland allerdings erst auf Platz fünf hinter den USA, Tschechien, Großbritannien und Frankreich. Während 67 Prozent der Polinnen und Polen die Amerikanerinnen und Amerikaner sympathisch finden, sagen das über die Deutschen nur 50 Prozent der Polinnen und Polen.

„Die USA liegen bei uns bei Umfragen immer weit vorn“, erläutert Politologin Łada-Konefał. Das hänge zum einen mit der Vorbildfunktion in Sachen Demokratie und Freiheit zusammen. Aber auch stark mit dem Thema Sicherheit.

Die Amerikaner waren immer unsere große Hoffnung, dass sie uns helfen würden, aus der Einflusssphäre der Sowjetunion beziehungsweise Russlands herauszukommen.

Agnieszka Łada-Konefał,

Politikwissenschaftlerin am Deutschen Polen-Institut in Darmstadt

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„Die Amerikaner waren immer unsere große Hoffnung, dass sie uns helfen würden, aus der Einflusssphäre der Sowjetunion beziehungsweise Russlands herauszukommen“, sagt Łada-Konefał. Und sie seien auch jetzt während des Kriegs in der Ukraine für die Polinnen und Polen der höchste Sicherheitsgarant vor Russland.

Das Deutsch-Polnische Barometer wird seit dem Jahr 2000 regelmäßig erstellt und seit ein paar Jahren gemeinsam von deutschen und polnischen Institutionen herausgegeben, dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt und dem Institut für öffentliche Angelegenheiten in Warschau, unterstützt von der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit .

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