Druck auf den Kremlchef wächst

Wie realistisch ist eine Absetzung Putins?

Muss Wladimir Putin einen Putsch befürchten? Der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow sagt, die Wirtschaftselite plane den Umsturz des Kremlchefs.

Muss Wladimir Putin einen Putsch befürchten? Der Nawalny-Vertraute Leonid Wolkow sagt, die Wirtschaftselite plane den Umsturz des Kremlchefs.

Der russische Exil-Oppositionelle Leonid Wolkow rechnet damit, dass die Eliten des Landes angesichts der Konsequenzen des Kriegs gegen die Ukraine „über einen Regimewechsel, über einen Wechsel des Systems nachdenken werden“. Sie seien bereits „sehr unglücklich über die wirtschaftliche Verwüstung, die Opfer, die Restriktionen und Sanktionen“, sagte Wolkow in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Doch wie wahrscheinlich ist ein Sturz Putins?

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„Dass die Wirtschaftselite in Russland einen Umsturz plant, ist eher ein Wunschdenken“, meinte der Russland-Experte und Politikwissenschaftler Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Leonid Wolkow ist ein enger Vertrauter von Oppositionsführer Alexej Nawalny, der in Russland inhaftiert wurde. Erst vor etwa drei Wochen entschied ein russisches Gericht, dass Nawalny für weitere neun Jahre in Haft bleiben müsse.

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Es stimme zwar, dass ein Großteil dieser Eliten des Landes entsetzt sei, weil sie die Sanktionen und wirtschaftlichen Konsequenzen des Krieges spüren, so Politikwissenschaftler Mangott. „Aber sie haben nicht die politische Macht, einen Regimewechsel herbeizuführen.“ Im Gegenteil, erklärte der Experte: „Die Oligarchen müssen sich vor Putin fürchten und nicht andersherum.“ Denn der wirtschaftliche Erfolg russischer Oligarchen beruhe auf dem Vertrauen des Staates, der ihnen dieses Vertrauen jederzeit wieder entziehen könne.

Gerhard Mangott ist Politikwissenschaftler und Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck mit den Schwerpunkten Internationale Beziehungen und Sicherheit im postsowjetischen Raum.

Gerhard Mangott ist Politikwissenschaftler und Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck mit den Schwerpunkten Internationale Beziehungen und Sicherheit im postsowjetischen Raum.

Allerdings gebe es andere Personen im innersten Kreis, die den Druck auf Putin erhöhten könnten, weiß der Russland-Experte. „Druck auf Putin, sodass er zurücktritt, kann nur aus dem Lager der Geheimdienste und des Militärs erfolgen.“ Dies sei aber nur bei einer Kriegsniederlage Russlands zu erwarten, und die sei derzeit nicht in Sicht. „Es müsste jemanden im inneren Kreis geben, der Putin stürzt oder ihm zum Amtsverzicht rät.“ Doch die Wahrscheinlichkeit dafür schätzt Mangott als sehr gering ein. Schließlich sei der gesamte innere Kreis mitverantwortlich für den Krieg und würde daher „mit Putin zusammen stürzen“.

Sollten dennoch Personen aus dem innersten Kreis des Kremls die Seiten wechseln wollen, müsse der Westen ihnen Sicherheitsgarantien anbieten, meinte der Oppositionelle Wolkow. Doch ob westliche Staaten russische Bürger vor der Verfolgung schützen können, ist fraglich. „Einen hundertprozentigen Schutz vor dem russischen Geheimdienst gibt es nicht, wie zum Beispiel der Mord im Berliner Tiergarten an Selimchan Changoschwili gezeigt hat“, sagte der Geheimdienstexperte und Buchautor Christopher Nehring dem RND. „Der Westen müsste hohe Anstrengungen vornehmen, um Überläufer aus dem Kreml zu schützen.“

Im Kalten Krieg seien aber häufiger hochrangige KGB- und Stasi-Offiziere in Westdeutschland versteckt worden – mit Erfolg. Manche Überläufer habe man auch mit einer falschen Identität in die USA gebracht. Der Experte gab zu bedenken: „In der Öffentlichkeit werden immer nur Fälle bekannt, in denen ein Anschlag erfolgt ist.“ Aus alten KGB-Akten wisse man heute aber auch von vielen Fällen, die nie öffentlich wurden.

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