„Ungerechteste COP aller Zeiten“? - Beim Klimagipfel in Glasgow können viele nicht dabei sein

Klimaaktivisten fürchten, der COP26 könnte viele Interessierte ausschließen und zum ungerechtesten aller Klimagipfel werden.

Klimaaktivisten fürchten, der COP26 könnte viele Interessierte ausschließen und zum ungerechtesten aller Klimagipfel werden.

Glasgow. Wenn der Klimagipfel COP26 in wenigen Tagen beginnt, passiert in Glasgow etwas, das man seit Beginn der Pandemie zu vermeiden versuchte: Zehntausende Menschen aus aller Welt kommen an einem Ort zusammen, sind körperlich präsent - und nicht nur virtuell verbunden wie zuletzt in unzähligen Zoom-Konferenzen. Das gilt zumindest für jene Verhandlerinnen und Verhandler, Delegierte und Aktivisten, die es nach Schottland geschafft und dort auch einen Platz zum Schlafen gefunden haben.

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Gerade für Beteiligte aus weit entfernten, ärmeren Ländern ist die Reise nach Schottland eine fast unmögliche Herausforderung. Viele werden in Glasgow fehlen. Zu ihnen zählen einige Pazifik-Staaten, die schon heute stark von der Klimakrise betroffen sind und die zu jenen zählen, die die zerstörerischen Folgen langfristig wohl am härtesten treffen werden - obwohl sie am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Es sind jene Vertreter, die die Industriestaaten am lautesten zum Handeln aufrufen wollen.

Klimaaktivisten machen Großbritannien Vorwürfe

„Großbritannien ist dabei, die ausschließendste und ungerechteste COP aller Zeiten zu veranstalten“, sagte die Klimaaktivistin Dipti Bhatnagar aus Mosambik, der Deutschen Presse-Agentur. Die Regierung bringe durch viele Hürden die Legitimität des Gipfels in Gefahr. „Die Ergebnisse der COP werden nicht fair und gerecht sein, wenn nicht alle, die bei den Verhandlungen und auf den Straßen dabei sein müssen, dort sind.“ Eine erneute Verschiebung - wie im letzten Jahr wegen der Pandemie - lehnte Großbritannien jedoch kategorisch ab. Man habe im Kampf gegen die Klimakrise keine Zeit zu verlieren, hieß es.

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Um doch live bei der COP dabei zu sein, nehmen einige größte Mühen auf sich. So muss der Verhandler Xavier Matsutaro aus dem pazifischen Inselstaat Palau über Hawaii, die USA und Frankfurt fliegen, um die COP zu erreichen, wie die „Financial Times“ berichtete. Viele Reiserouten sind durch Covid-Beschränkungen noch immer unterbrochen. Auch der Präsident von Fidschi, Frank Bainimarama, verlässt dem Bericht zufolge zum ersten Mal seit langer Zeit sein Land. „Das zeigt, wie wichtig die COP für uns ist“, sagte der Klima-Beauftragte des Landes, Aiyaz Sayed-Khaiyum, der Zeitung.

Nicht nur Reiserouten sind unterbrochen, auch die Betten in Glasgow für den Zeitraum der Konferenz sind seit Monaten knapp. Auf einschlägigen Buchungsportalen beginnen die Hotelzimmerpreise mittlerweile bei mehr als 1000 Pfund pro Nacht. Auf der Warteliste des COP26 Homestay Networks, in dem „Glaswegians“, wie die Einwohner der Stadt genannt werden, Schlafgelegenheiten anbieten können, stehen laut „Guardian“ rund 2500 Interessierte.

Strenge Quarantäneregeln

Hinzu kommt Aufwand für Visa und Kosten für einen PCR-Test nach der Einreise, den auch vollständig Geimpfte buchen müssen. Wer aus einem Land auf der sogenannten roten Liste einreist, muss sogar fünf Tage mehr einplanen und in einem Quarantäne-Hotel ausharren - immerhin bei entsprechendem Antrag auf Kosten Großbritanniens.

All dies soll das Risiko, dass die COP zum Superspreader-Event wird, reduzieren. „Eine Massenveranstaltung, mit vielen Leuten, die sich rein und raus bewegen, mit einem zirkulierenden infektiösen Virus wird einen Anstieg der Fälle nach sich ziehen“, ist sich die schottische Gesundheitsexpertin Devi Sridhar sicher.

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Briten helfen mit Impfstoff aus

Um die Zahl der Fälle möglichst niedrig zu halten, legte der britische Gastgeber allen Teilnehmern nahe, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Wo das im Herkunftsland nicht möglich ist, wollten die Briten in Kooperation mit den Vereinten Nationen mit Impfstoff aushelfen. Man habe Bewerbern aus mehr als 70 Ländern geholfen, sich vollständig impfen zu lassen, hieß es auf Anfrage von der britischen Regierung. Wie viele Menschen konkret im Rahmen des Programms geimpft wurden, blieb unbeantwortet. Zuvor gab es Berichte über logistische Probleme. Das Impfversprechen sei nicht rechtzeitig eingehalten worden, kritisierte auch die Klimaaktivistin Bhatnagar.

Die 600.000-Einwohner-Stadt Glasgow hat darüber hinaus noch weitere Sorgen: Mehrere Gewerkschaften haben während der COP zu Streiks aufgerufen, sowohl Zugführer als auch Müllabfuhren könnten ihre Arbeit niederlegen - mit chaotischen Folgen, schon jetzt gibt es Berichte über Müllberge und Ratten in den Straßen. Die Bürgermeisterin von Glasgow, Susan Aitken, fühlt sich dennoch bereit, US-Präsident Joe Biden und Vertreterinnen und Vertreter aus aller Welt in ihrer Stadt willkommen zu heißen. Es gebe „keinen Grund zur Panik“, sagte sie am Montag.

RND/dpa

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