Russischer Großangriff wird erwartet

Warum die ukrainischen Kriegserfolge in der Ostukraine ein Ende finden könnten

Ein ukrainischer Soldat steht in einem Schützengraben im Osten der Ukraine.

Ein ukrainischer Soldat steht in einem Schützengraben im Osten der Ukraine.

Die Angriffe Russlands in der Ukraine konzentrieren sich immer mehr auf den Osten des Landes. „In der Ostukraine laufen schon Angriffe, aber das sehe ich derzeit noch als Austesten der ukrainischen Verteidigungslinien und nicht als großen Angriff“, erklärte Osteuropaexperte Gustav Gressel gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Maßgeblich sind für Gressel die weiteren Geschehnisse in Mariupol. „Die Stadt wird sehr heftig angegriffen, da wollen die Russen eine Entscheidung herbeiführen, damit Mariupol fällt.“ Denn dann könnten die russischen Soldaten in anderen Teilen des Ostens weiterkämpfen. „In Mariupol sieht es aber wirklich bitter aus. Ich denke, dass die Stadt Ende der Woche fallen und größere Angriffe beginnen könnten“, so Gressel.

Der Leiter der regionalen Militärverwaltung von Donezk, Pavlo Kyrylenko, sprach in der Nacht auf Mittwoch bei CNN von 20.000 bis 22.000 Toten in Mariupol. Bisher waren ukrainische Behörden von etwa 10.000 Toten in Mariupol ausgegangen. Auch am Dienstag gab es nach ukrainischen Angaben erneute Luftangriffe auf die weitgehend zerstörte Hafenstadt in der Südukraine. Der Hafen der Stadt und das Stahlwerk Asowstal standen unter Beschuss. Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

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Nach dem weitestgehenden Abzug der Truppen aus der Region Kiew sammeln sich derzeit die russischen Soldaten im Osten des Landes. „Die Bereitstellung der russischen Kräfte für den Angriff auf die Ostukraine erfolgt in erster Linie im Norden von Charkiw, unter anderem in Raum Kursk“, berichtet der österreichische Oberst Berthold Sandtner des österreichischen Bundesheers im Gespräch mit dem RND. Die bereitgestellten Kräfte seien neu formiert und mit Gerät sowie Munition ausgestattet worden. „Außerdem wurden die Bahnverbindungen für den Transport der Truppen in den Einsatzraum verbessert“, so Sandtner.

Putins Truppen hatten zuletzt im Norden der Ukraine immer wieder mit schweren logistischen Problemen zu kämpfen. Es kursierten Bilder von Truppen, die ihre Fahrzeuge mangels Treibstoff zurücklassen mussten. Und auch bei der Versorgung mit Lebensmitteln und sogar der Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten kam es teilweise zu Engpässen. Diese Probleme könnten nun in den Hintergrund rücken. Neue Satellitenbilder zeigen, wie russische Streitkräfte weiter in die Ostukraine vorrücken. Mehrere Konvois mit militärischer Ausrüstung seien in den Osten der Ukraine gefahren. Es soll sich um mehr als 200 Fahrzeuge handeln, darunter Panzer, gepanzerte Truppentransporter, Artillerie und Logistikunterstützung.

Nach Angaben des österreichischen Experten Sandtner habe die Offensive im Osten der Ukraine aber eigentlich längst begonnen, es seien ständig Gefechte zu beobachten. „Ein Einkesselungsangriff ist in seinen Ansätzen speziell im Nordosten durchaus schon zu erkennen“, so der Experte. Die zu erwartende Zangenbewegung auch aus dem Süden sei aber noch nicht erkennbar, da die Russen den Süden und Mariupol eben noch nicht unter ausreichender Kontrolle hätten.

Die Situation in der Ostukraine sei jetzt laut den Experten ganz anders als im bisherigen Krieg. „Die Versorgungslage für die Menschen aber auch für die dort eingesetzten ukrainischen Kräfte vor Ort ist schlecht“, erklärt Sandtner. Die Soldaten seien dort schon lange im Gefecht und stark strapaziert. „Für die Ukrainer wird es sehr schwierig werden, sich gegen die geballte russische Macht durchzusetzen“, so seine Einschätzung.

Waffenlieferungen an die Ukraine kommen zu spät

Als aussichtslos betrachtet Militärexperte Gressel die ukrainischen Verteidigungsmühen aber nicht. „Es gibt die Chance, die Ostukraine zu halten, weil auch die Ukraine in Kiew nach dem Abzug der Soldaten Kräfte freibekommen hat.“ Um die Ukrainerinnen und Ukrainer in der aktuellen Situation zu unterstützen, hätten Waffenlieferungen laut des Experten aber schon deutlich früher angesetzt werden müssen. Sogar noch bevor die Ukraine überhaupt im Krieg war. „Das rächt sich jetzt. Die Hilfen, die jetzt kommen, wären langfristiger zu sehen“, so Gressel.

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„Russland ist nicht vom Ziel, die gesamte Ukraine zu unterwerfen, abgerückt“

Gustav Gressel,

Militärexperte, glaubt nicht an ein schnelles Ende des Kriegs

Der Osteuropaexperte glaubt nicht an ein schnelles Ende des Kriegs. „Russland ist nicht vom Ziel, die gesamte Ukraine zu unterwerfen, abgerückt“, ist sich Gressel sicher. Der Kreml verfolge die Ziele nun nicht mehr parallel, sondern nacheinander. Sprich: Erst die Ostukraine, dann der Rest des Landes. Nach der Schlacht im Donbass werde der Krieg daher weitergehen. Daher könnten Waffenlieferungen auf mittel- oder langfristige Sicht durchaus hilfreich sein. Für einen möglichen Großangriff in der Ostukraine kämen sie aber wohl zu spät.

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