Nach dem Untergang des Flaggschiffs

Wo ist mein Sohn? Auf der Suche nach den Soldaten der „Moskwa“

Der russische Lenkwaffenkreuzer «Moskwa» fährt durch den Bosporus ins Mittelmeer (Archiv).

Der russische Lenkwaffenkreuzer «Moskwa» fährt durch den Bosporus ins Mittelmeer (Archiv).

Moskau/Kiew. Als die Nachrichten vom Feuer auf der „Moskwa“ und dem Untergang des Kriegsschiffs die Runde machten, war die Mutter noch zuversichtlich. Schließlich versicherte das russische Verteidigungsministerium, dass alle Soldaten gerettet worden seien - also auch ihr Sohn, der auf dem Raketenkreuzer im Schwarzen Meer im Einsatz war. Dann folgte Schweigen, und die Angst der Mutter wuchs.

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Ihren Namen will die Frau nicht nennen, weil sie um die Sicherheit ihres Sohnes fürchtet, sollte er noch am Leben sein. Seit einigen Monaten sei der junge Mann auf der „Moskwa“ stationiert gewesen, bevor er ihr Anfang Februar gesagt habe, dass das Kriegsschiff in ein Manöver ziehe, berichtet sie.

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Als dann Ende Februar die russische „Spezial-Militäroperation“ in der Ukraine bekannt wurde, wie der Angriffskrieg dort heißt, habe ihr das große Sorgen bereitet. Sie habe täglich die Nachrichten im Netz und in Sozialen Medien verfolgt, sagt die Mutter. Mitte März habe sie das letzte Mal mit ihrem Sohn gesprochen. Er sei auf dem Schiff gewesen, habe ihr aber nicht gesagt, wo die „Moskwa“ war.

„Moskwa“ schwer beschädigt: Explosion auf russischem Schwarzmeer-Flaggschiff

Ein ukrainischer Beamter hatte zuvor erklärt, das Schiff sei von zwei ukrainischen Raketen getroffen worden.

Unklare Angaben zum Geschehen

Nach den Berichten über den Untergang des Kreuzers am 14. April verließ sich die Mutter auf die Ministeriumserklärung, dass alle Besatzungsmitglieder evakuiert worden seien. Während die Ukraine meldete, die „Moskwa“ sei von Raketen getroffen worden und gesunken, sprach Russland von einem Brand an Bord und betonte, das Schiff sei weiter seetüchtig und werde zur Reparatur in einen Hafen gebracht. Erst später räumte Moskau ein, der Kreuzer sei gesunken – und zwar in einem Sturm.

Die Angehörigen der Seeleute warteten auf weitere Nachrichten. Niemand habe angerufen oder sie angeschrieben, sagt die Mutter. Ihre eigenen Anrufe seien unbeantwortet geblieben, aber sie habe nicht aufgegeben. Auf dem Weg zum Einkaufen sei sie schließlich durchgekommen und habe die schreckliche Information erhalten, dass ihr Sohn vermisst werde und es kaum Überlebenschancen in dem kalten Wasser gebe. „Ich sagte: "Aber Sie sagten doch, Sie hätten alle gerettet"“, berichtet die Frau. „Er sagte: "Ich habe nur die Listen." Ich schrie: "Was machen Sie denn jetzt?".“ Sie sei hysterisch geworden, mitten auf der Straße an der Bushaltestelle. „Ich hatte das Gefühl, der Boden unter meinen Füßen gibt nach. Ich schwankte.“

Mehr als eine Woche nach dem Untergang der „Moskwa“ teilte das russische Verteidigungsministerium am Freitag schließlich mit, dass ein Besatzungsmitglied ums Leben gekommen sei und 27 vermisst würden. 396 seien evakuiert worden. Eine Erklärung zu den widersprüchlichen vorherigen Angaben folgte nicht.

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Mindestens 13 vermisste junge Männer

Die Streitkräfte hätten behauptet, alle seien gerettet worden, empörte sich ein Vater schon drei Tage nach dem Verschwinden der „Moskwa“. „Das ist eine Lüge! Eine unverfrorene und zynische Lüge!“, schrieb Dmitri Schkrebez auf der russischen Social-Media-Plattform VK. Von Kommandeuren des Schiffes habe er erfahren, dass sein Sohn auf die Vermisstenliste gesetzt worden sei.

Ähnliche verzweifelte Postings weiterer Angehöriger folgten. In den Sozialen Medien fand die AP mindestens 13 Suchen nach jungen Männern, die auf der „Moskwa“ im Einsatz gewesen sein sollen und deren Spur sich verlor.

Die Regierung hilft bei der Suche nicht weiter

Die Erklärungen aus dem Kreml zum Verlust des Schiffes und zum Schicksal der Soldaten folgen einem bekannten Muster, mit dem Moskau schlechten Nachrichten mit Schweigen, Dementis oder niedrigen Opferzahlen begegnet. Beispiele dafür sind die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986, der Untergang des Atom-U-Boots „Kursk“ in der Barentssee im Jahr 2000 oder auch der Tschetschenien-Krieg von 1994 bis 1996.

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Die Berichte und Anschuldigungen der Familien im Fall der „Moskwa“ haben die russischen Behörden weitgehend unwidersprochen stehenlassen. Von Journalisten angesprochen verwies Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf das Verteidigungsministerium. Von dort kam dann am Freitag die Erklärung zu einem Toten und rund zwei Dutzend Vermissten. Für viele Angehörige geht die Suche nach den Söhnen und nach der Wahrheit weiter.

RND/AP

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