Schauspielerin im Interview

Collien Ulmen-Fernandes: „Von einer gleichberechtigten Gesellschaft sind wir meilenweit entfernt“

Collien Ulmen-Fernandes – Moderatorin, Schauspielerin, Autorin und Model

Collien Ulmen-Fernandes hat mit Schauspieler Christian Ulmen eine Tochter.

Collien Ulmen-Fernandes ist längst nicht nur eine Größe als Moderatorin und Schauspielerin, sondern setzt sich auch mit großem Engagement für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein. Für die zweiteilige Doku „Rabenväter oder Super Dads?“ hat die 40-Jährige nun fünf Väter und deren Familien besucht (24. März 2022, 20.15 Uhr, zdfneo). Im Interview mit dem RND spricht die Ehefrau und Mutter über die nach wie vor bestehende Ungleichbehandlung von Mann und Frau, über die Rollenverteilung im Hause Ulmen-Fernandes und über den Berufswunsch ihrer Tochter.

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Frau Ulmen-Fernandes, was ist eigentlich ein „Social Factual“?

Für die Etikettierung des Formats bin ich nicht zuständig. (lacht) Da fragen Sie besser die Herrschaften von ZDF neo. Ich drehe und ich liefere ab, und die kleben dann ein Etikett drauf. Ich denke, mit „Social Factual“ ist gemeint, dass wir dokumentarisch echte Menschen begleiten, dazu gibt es Experimente. Ich würde das Ganze als Mischung aus Dokumentation und Sozialexperiment beschreiben.

Bei „Rabenväter oder Super Dads“ befassen Sie sich nicht das erste Mal mit den Rollenbildern in unserer Gesellschaft. Ist das für Sie mehr als nur ein Moderationsjob?

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Absolut. Wenn man sich die Zahlen anschaut, sieht man, dass in nur einem Prozent aller Familien die Mutter die Familienernährerin ist, und dass nur 16 Prozent der Väter in die Kategorie des modernen, aktiven Vaters fallen. Von einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft sind wir also noch meilenweit entfernt. Darauf muss man hinweisen und ich nutze dafür eben die Sprache der Dokumentation oder eben des „Social Factuals“.

Definieren Sie doch mal, was den Dad super macht, und was die Mutter zum Raben werden lässt?

Interessant ist doch, wie die Begriffe je nach Geschlecht unterschiedlich besetzt sind. Ein Vater, der viel arbeitet, ist ein ganz normaler Vater, während eine Mutter, die genauso viel arbeitet, als Rabenmutter gilt. Ich erlebe das ja selbst, da ich beruflich gerade sehr eingespannt und öfter unterwegs bin. Und genau das finden die Leute problematisch. Als mein Mann noch drei Kinofilme im Jahr gedreht hat und kaum zu Hause war, hieß es ‚Klar, ein Mann muss ja schließlich Geld verdienen‘. Genauso der Begriff „Super Dad“. Als er unsere Tochter damals einen Tag pro Woche mit in seine Produktionsfirma genommen hat, weil ich immer mittwochs moderierte, wurde er mit Jubelstürmen empfangen und als Super-Dad abgefeiert, während es bei Frauen natürlich als absolute Selbstverständlichkeit gesehen wird.

Ist Christian Ulmen ein Super-Dad?

Weil ich zurzeit sehr viel drehe, kümmert sich mein Mann in der Tat vermehrt um das Kind, fährt es zur Schule und holt es auch wieder ab. So betrachtet ist er also ein Super-Dad. Allerdings tue ich mich mit dieser Begrifflichkeit schwer. Ich denke, dass wir dem generell mit weniger Euphorie und mehr Selbstverständlichkeit begegnen sollten, wenn Männer sich auch um ihre eigenen Kinder kümmern.

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Mit ‚mal‘ dürfte es im Hause Ulmen-Fernandes nicht getan sein, oder täuscht der Eindruck, dass sich der TV-Zuschauer zurzeit vor Ihnen kaum retten kann?

(lacht) Na ja, wenn Sie oder andere das so sehen, dann ist das tatsächlich auch irgendwie problematisch für mich. Denn bei einer Frau ist das schlechte Gewissen der ständige Begleiter, wenn man ein Angebot angenommen hat. Ein Beispiel: Im kommenden Herbst darf ich ein Primetimeformat moderieren, worüber ich mich eigentlich wahnsinnig freue. Im Verwandten‑ und Bekanntenkreis aber gibt es schon jetzt Fragen und Bemerkungen wie ‚Musst du das denn auch noch machen?‘ In der Zeit, in der mein Mann noch viel drehte, kam diese Frage tatsächlich nie.

Hat es die Digitalisierung in mancherlei Hinsicht noch schwieriger gemacht, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen; Stichwort: Shitstorm?

Ich empfinde die Digitalisierung hinsichtlich der Vereinbarkeit von Kind und Karriere eigentlich eher als etwas Gutes, weil ich mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten, wie Skype oder FaceTime, intensiven Kontakt mit meinem Kind halten kann. Und gleichzeitig kann ich das Netz und die sozialen Netzwerke nutzen, um meine Dokumentationen zu promoten.

Ich frage bewusst provokant: Wären diese Kritiker nachsichtiger, wenn Sie etwas ‚Vernünftiges‘ gelernt hätten, statt mit dem ZDF-„Traumschiff“ über die sieben Weltmeere zu schippern?

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Bei jedem Job kann es doch passieren, dass man, quasi aus Versehen, Karriere macht und folglich viel unterwegs ist. Aber bei Frauen wird das nun mal nicht so gerne gesehen. Bei den männlichen Schauspielern und Crewmitgliedern auf dem Traumschiff stört sich ja auch niemand daran.

Augen auf bei der Berufswahl: Sie haben kürzlich erzählt, Ihre Tochter wolle Influencerin werden. Was macht diese Vorstellung mit Ihnen?

Ehrlich gesagt, erschließt sich mir der Beruf der Influencerin nicht so ganz. Ich sehe immer nur Frauen, die mit der neuesten It-Bag irgendwohin unterwegs sind. Wohin und warum, das erfährt man nicht. Okay, du hast eine tolle Designertasche und schöne neue Schuhe, aber ist es nicht viel relevanter, wohin du damit gehst? Das sollte doch der Aspekt sein, um den es geht, nicht das ganze Drumherum. Überhaupt stört mich die Inhaltslosigkeit in den sozialen Netzwerken, gerade bei vielen weiblichen Role Models. Für meine Tochter wünsche ich mir, dass sie sich mehr mit Inhalten befasst statt damit, was sie trägt. Klar, das kann auch irgendwie interessant sein. Letztlich sollte es aber doch ein Nebenaspekt bleiben.

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