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Harrys und Meghans Namenswahl: Versöhnungsgeste oder Doppelmoral?

Prinz Harry, Queen Elizabeth und Herzogin Meghan. (Archivfoto)

Prinz Harry, Queen Elizabeth und Herzogin Meghan. (Archivfoto)

London. „Willkommen Lilibet von Kalifornien“, begrüßte am Montag die Zeitung „The Times“ den jüngsten Nachwuchs im britischen Königshaus. Zwar wurde Lilibet „Lili“ Diana Mountbatten-Windsor bereits am Freitag geboren, Prinz Harry und Herzogin Meghan verkündeten jedoch entgegen der höfischen Tradition erst am Sonntagnachmittag europäischer Zeit die freudigen Nachrichten. Eine beim Zeitpunkt der Bekanntgabe mitschwingende Botschaft: Seit ihrer Flucht ins ferne Kalifornien sind sie befreit von den Fesseln des starren höfischen Protokolls.

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In den Medien auf der Insel ging es jedoch nach den ersten Glückwünschen sofort nur um eine Frage: Kann der jüngste Nachwuchs die Zerwürfnisse im Hause Windsor kitten? So verstanden einige Beobachter die Wahl des symbolträchtigen Namens als Friedensangebot an die Verwandtschaft in London, von der sich die beiden eigentlich abgewandt haben. Immerhin ist der Zweitname nicht nur eine Hommage an Harrys Mutter, Prinzessin Diana. Die Sussexes zollen vor allem Königin Elizabeth II. Tribut, die im Familienkreis nur Lilibet genannt wird. Den Spitznamen gab ihr als Kind ihr Großvater, König George V., weil die Prinzessin ihren vollen Namen nicht aussprechen konnte.

Geburt von „Lili“ soll Royals überrascht haben

Nun also die Ehrbezeugung gegenüber der Monarchin von Seiten des Herzogs und der Herzogin. Der Großteil der royalen Fangemeinde zeigte sich entsprechend „delighted“, entzückt. Genauso wie die Familienmitglieder, die laut Statement „hocherfreut“ über die Geburt sind. So weit so gut also? Natürlich nicht. Denn angeblich hat die Nachricht aus den USA sogar den Palast überrascht, viel Zeit für das Aufsetzen der Glückwünsche blieb laut Insidern deshalb nicht.

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Umso mehr wurde darüber spekuliert, ob das abtrünnige Paar, das sich Anfang 2020 aus der ersten Reihe der Royals verabschiedet hat, tatsächlich auf Versöhnung setzt. War der Konflikt anfangs zwar offensichtlich, aber weniger öffentlich, sorgte das Interview von Prinz Harry und Herzogin Meghan im März mit der US-Talkmasterin Oprah Winfrey für einen Skandal. Die beiden klagten in einem außergewöhnlichen Rundumschlag über fehlende Unterstützung trotz psychischer Probleme und Suizidgedanken bei Meghan, über Falschnachrichten, die sogar vom Palast befeuert wurden, über das Gefühl des Gefangensein im goldenen Käfig, über die schonungslose Boulevardpresse – und am schlimmsten: Sie warfen den Royals Rassismus vor. So habe ein Mitglied der Familie in Gesprächen mit Harry Bedenken über die Hautfarbe seines zu diesem Zeitpunkt noch ungeborenen Sohnes geäußert. Archie ist mittlerweile zwei Jahre alt.

Kritik in Sozialen Medien

Die Gräben scheinen tief. Und mittlerweile haben sich auch in der Fangemeinde Lager gebildet. So dauerte es nicht lange, bis in den sozialen Medien Empörung über die Namenswahl herrschte. Als „ironisch“ bezeichnete es der prominente Kommentator Piers Morgan, dass die Sussexes wochenlang damit verbracht hätten, „über die royale Familie und Monarchie herzuziehen“, um am Ende der Tochter den Namen Lilibet „Lili“ zu geben. Die Queen steht an der Spitze der altehrwürdigen Institution.

Der Tenor der Kritiker auf Facebook und Twitter klang ähnlich. „Die Queen und die Institution, die sie verkörpert und für die sie ihr ganzes Leben lebt, schlecht zu machen, und dann die Tochter nach ihr zu benennen“, das sei an Doppelmoral kaum zu überbieten, echauffierte sich eine Nutzerin. „Zu kitschig“, „zu einschleimend“, „zu kalkuliert“ – es prasselte wieder einmal harsche Kritik auf die frischgebackenen Eltern ein. Einige warfen ihnen gar vor, mit dem Namen Lilibet und der damit verbundenen Aufmerksamkeit ihre eigene Marke Sussex weiter vermarkten zu wollen.

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Harry hat laut Berichten seine Großmutter vorab eingeweiht, dass ihre jüngste Urenkelin im Kreis der nun elf Urenkel nach ihr benannt werden würde. Wie sie reagiert hat, ist zwar nicht überliefert. Doch am Montag meldete sich die Königshausexpertin Angela Levin zu Wort, die behauptete zu wissen, dass die Queen „äußerst unglücklich“ darüber sei, dass Meghan und Harry ihren „sehr privaten“ und „besonderen“ Spitznamen ausgewählt haben. „Es ist nicht richtig, es ist unhöflich“, so Levin. Prinz Philip, ihr im April verstorbener Mann, hatte seine Frau stets so angesprochen.

Was auch immer hinter den dicken Palastmauern vorgehen mag, die von den Sussexes viel gescholtene britische Boulevardpresse arbeitet sich abermals an jeder Spekulation mit größtem Genuss ab.

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