Hören Sie noch auf Ihre Eltern?

Bei den Aufnahmen zu seinem Debütalbum bot ihm “Star Wars“-Prinzessin Carrie Fisher Obdach: James Blunt ist Experte für das musikalische Liebesleiden – und hat sein privates Glück gefunden.

Bei den Aufnahmen zu seinem Debütalbum bot ihm “Star Wars“-Prinzessin Carrie Fisher Obdach: James Blunt ist Experte für das musikalische Liebesleiden – und hat sein privates Glück gefunden.

Berlin. Drei Jahre nach “Moon Landing“ erscheint nun Ihr fünftes Album “The Afterlove“. Das fünfte Album , so heißt es immer, ist das schwierigste.

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Sagt man das so? Wieso denn gerade das Fünfte?

Weil man dann vom steten Studio-Tournee-Wechsel ausgebrannt ist, wirklich keine alten Songs mehr auf Vorrat hat und an Zweifeln leidet, ob das nun noch die Karriere ist oder schon das Comeback. Für manche ist das allerdings schon beim zweiten so.

Bei mir lief’s aber definitiv gut. Zwar war viel los, ich habe geheiratet, habe inzwischen auch ein Kind und war viel auf Reisen. Aber als es losging mit dem Songschreiben wurden es immer mehr Lieder. Statt der üblichen 25 waren am Ende 100 Songs da. Insofern war es natürlich in der Tat mehr Arbeit.

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Auf dem Cover sehen Sie zwar aus wie ein Mitglied von Kraftwerk im Freizeitmodus und man hörte auch, Sie seien “nervös“, ob die Fans den Soundwandel mitmachen würden. Aber alle Neuerungen sind moderat, für Fans kein Grund zur Sorge. Waren Ihre Bedenken sozusagen “Fake News“?

Nein, denn natürlich bist du immer nervös, wenn eine neue Platte veröffentlicht wird. Du hast hart gearbeitet, alles reingesteckt, bist stolz und zugleich total unsicher.

Ed Sheeran ist neu unter Ihren Ko-Songwritern. Er arbeitete an “Make Me Better“ mit, dem Song, in dem Sie ihr Ehe- und Vaterglück in die Welt hinaussingen. War das schwer, ihn in so einem intimen Song zuzulassen?

Nein, Ed war wichtig. Als Freund riet er mir, offener zu sein, mich in den neuen Songs nicht wieder hinter Andeutungen zu verstecken wie sonst. Und so habe ich in “Make Me Better“ geschrieben wie ich mich als Ehemann und Vater fühle. Jeder kann mein Glück hören. Und ich muss nicht in Interviews darüber reden.

In “Someone Singing Along“ geht es gegen Rassismus, kapitalistische Gier, und das Bauen von Mauern. Solche Töne gab es von Ihnen vorher nicht.

Das ist mein Statement zur Welt von heute, in der die Unterschiede betont werden, wo es doch so viel gibt, das uns Menschen vereint. Wir müssen dafür die Stimme erheben, für die Freiheit auf die Straße gehen, zusammen singen. Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam werden wir glücklicher.

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Springsteen sieht sich im “amerikanischen Widerstand“, Lady Gaga singt beim Super Bowl “This Land Is Your Land“ und Billy Bragg singt frei nach Dylan “The Times They are A-Changing Back“. Wäre der Protestsong auch ein Genre für Sie?

Wer weiß? Wir werden sehen, wohin die Reise geht. Wir leben in Zeiten, in denen die Musik gut daran tut, Trennendes zu überwinden.

Europa driftet auseinander. Wie sehen Sie das als Engländer, der auf Ibiza lebt?

Als Musiker bin ich viel unterwegs und ich liebe, was die einzelnen Länder und Völker ausmacht. Ich liebe das Spezielle an Deutschland, ich bin oft hier und Deutschland ist wunderbar auf so viele Arten. Und dann freue ich mich, wenn ich in Italien ankomme und es dort ganz anders zugeht. Ich feiere die unterschiedlichen Mentalitäten. Es ist schon wichtig, die Flagge des eigenes Landes wehen zu lassen, aber es ist auch wichtig, die Flagge des Nachbarn zu feiern.

Was heißt das: Ist Ihnen die Idee Europa bedeutsam oder ist der Brexit die Möglichkeit, sich wieder stärker auf die britische Identität zu fokussieren?

Nun, ich bin kein Politiker, aber wir sind doch stärker als Team. Ich war beim Militär, ich weiß das.

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Zur britischen Identität gehört offenbar immer noch ständische Abgrenzung. Der Labour-Abgeordnete Chris Bryant hat mehr Arbeiter- und weniger Bürgerkultur gefordert und bei letzterer auch auf Sie verwiesen.

Er hat es gut gemeint, aber die falschen Worte gewählt. Es ist äußerst wichtig, Leuten dabei zu helfen, dass sie Künstler werden können. Kunst darf nicht zur Sache des Vermögens werden. Aber um jemandem in die Krone des Kunstbaums zu helfen, sollte man ihm eine Leiter reichen und nicht Pfeil und Bogen.

Ihren größten Hit “You’re Beautiful“ von 2005 zitieren Sie auf “The Afterlove“ in den Songs “Love Me Better“ und “Paradise“ .

Ohne das Lied wäre ich nicht hier, würde nicht mit Ihnen sprechen, ginge ich nicht auf meine fünfte Welttour. Es ist verrissen worden, aber es ist ja auch immer einfach, alles runterzuschreiben. Immerhin ist es zig Millionen Mal ganz freiwillig von Leuten aufgelegt worden. Ich liebe dieses Lied, ich habe ihm sogar einen ganzen Song gewidmet: “2005“.

Ein Song für einen Song?

(lacht) Wir haben ihn nur auf die Extended Edition gepackt. Er soll eine Spezialität für die Hardcorefans sein.

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Der “Daily Telegraph“-Journalist Peter Hardy hat erzählt, er habe Ihr Debütalbum damals vorab mit Ihrer Mutter im Auto in der Auffahrt hören müssen. War Musik verpönt im Hause Blunt?

Das stimmt. Bei meinen Eltern im Haus gibt’s keine Stereoanlage. Als ich ein Kind war, hörten wir die Beach Boys und die Beatles im Auto. Nur Pink Floyds “Wish You Were Here“ nicht, obwohl ich dieses Album besonders liebte. Als ich ein Teenager war, kaufte ich mir dann aber eine Anlage für mein Zimmer, so eine mit richtig großen Boxen. Das war kein Problem.

Wie fanden es Ihre Eltern, als ihr Sohn, der Soziologe und Captain der Life Guards, Popstar werden wollte?

Meine Mutter ist musikalisch, mein Vater nicht so, er liebt das Landleben und ist die meiste Zeit draußen. Er hatte Vorbehalte. Musik war ihm zu unbeständig, um mit ihr seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber ich sagte ihm: Darum geht’s nicht. Wenn ich alt bin und mir dann sagen muss, ich wollte mal ein Musiker werden, hatte aber zu viel Angst, wäre das ein vergeudetes Leben gewesen. Und ich sagte ihm, dass Erfolg in der Musik nicht unbedingt in Geld zu messen ist. Es geht um das Lächeln auf deinem Gesicht.

Wie sieht er das heute?

Er ist mein größter Unterstützer. Überhaupt sind wir als Familie eng miteinander, ein gutes Team. Meine Schwestern waren als Backgroundsängerinnen mit auf Tourneen. Das sind die Leute, die dich am Boden halten, wenn du abhebst, die dir den Kopf waschen, die dir sagen, wenn du blöd und lächerlich bist.

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Hören Sie auf sie?

Klar. Mutters Meinung tut weh – aber sie hat immer recht.

Sie sind Pilot, seit sie 16 Jahre alt sind. Ist das eine Art positives Abheben für Sie?

Ich habe meinem Vater einen Flugzeugbausatz geschenkt. Er hat es anderthalb Jahre zusammengebastelt. Und jetzt fliegen wir in diesem wunderschönen Doppeldecker durch die Lüfte. Ja, ich bin gern in den Wolken oder auf einem Motorrad. Beides gibt mir das Gefühl von Freiheit.

Sie wären neulich auch fast Sir geworden. Beim Versuch eines Party-Ritterschlags von Prinzessin Beatrice wurde Ihr Freund Ed Sheeran dann an der Wange verletzt.

Was für eine Geschichte! Zu lächerlich, um wahr sein zu können, oder? Das kommt von Ed, das sollte ihm wohl helfen, mehr Platten zu verkaufen. Er verkauft ja angeblich nicht mehr so viele.

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Gehen Sie mit ihm deshalb jetzt auf Amerikatour – um seinen Verkauf anzukurbeln?

Oh, diese Tour ist doch noch gar nicht angekündigt. Was lernen wir daraus? Dass Ed Sheeran nichts für sich behalten kann. Sagen wir so: Wenn es eine solche Tour gäbe, wäre das eine Gelegenheit, die ich gern ergreifen würde. Das wäre schon ein großer Spaß.

Zehn Lieder sind auf “The Afterlove“, 13 auf der Extended Edition. Was machen Sie jetzt mit den übrigen 87?

Tja, wenn Sie ein Album aufnehmen wollen, könnte ich Ihnen durchaus behilflich sein.

Von Matthias Halbig

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