Nach elf Jahren Liebe

Julian Assange und seine Stella: Hochzeit hinter Mauern

Stella Moris (Mitte), Verlobte des Wikileaks-Gründers Assange, trifft vor ihrer Hochzeitszeremonie im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh ein, wo Assange seit drei Jahren inhaftiert ist, während Unterstützer von Assange ein Plakat mit der Aufschrift „Befreit Assange“ hochhalten.

Stella Moris (Mitte), Verlobte des Wikileaks-Gründers Assange, trifft vor ihrer Hochzeitszeremonie im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh ein, wo Assange seit drei Jahren inhaftiert ist, während Unterstützer von Assange ein Plakat mit der Aufschrift „Befreit Assange“ hochhalten.

Immerhin das Wetter stimmte, als sich Julian Assange und Stella Moris gestern das Jawort gaben. Knapp 20 Grad und Sonnenschein. Ansonsten jedoch war die Hochzeit wie keine andere. Denn die beiden heirateten hinter dicken Mauern, im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh.

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Kurz vor 13 Uhr traf die Braut in einem weißen Kleid nach dem Entwurf der Modedesignerin Vivienne Westwood ein, um sich vor dem Weg zur Hochzeit fotografieren zu lassen. Mit auf dem Weg zur Trauung waren nur wenige Gäste: Moris‘ Mutter Teresa Devant, ihr Bruder Adrian Devant, Assanges Vater Richard Assange, sein Bruder Gabriel Shipton sowie die beiden Söhne. Unterstützer wurden eingeladen, vor dem Gefängnis mitzufeiern.

 Eine Hochzeitstorte für das Brautpaar steht vor dem Gefängnis auf einem Tisch.

Eine Hochzeitstorte für das Brautpaar steht vor dem Gefängnis auf einem Tisch.

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Für die Braut Stella Moris war es ein Tag mit vielen Zugeständnissen. So empörte sie sich darüber, dass kein Fotograf und überdies keine Presse anwesend sein durften. Alles Dinge, die man anderen Gefangenen durchaus schon erlaubt habe, betonte Moris gestern. „Aber für Julian, der noch nicht einmal eine Strafe verbüßt, scheinen andere Regeln zu gelten.“ Sie ist davon überzeugt, dass man fürchtet, dass die Leute Assange als Menschen sehen könnten. „Nicht nur als einen Namen, sondern als eine Person.“

Assange drohen in den USA viele Jahre Haft

Die Feierlichkeiten wurden zusätzlich von der Ablehnung eines Berufungsantrags gegen die Auslieferung des gebürtigen Australiers an die USA durch den britischen Supreme Court überschattet. Seit vergangener Woche liegt die Entscheidung über die Zukunft von Assange und seiner Familie damit bei der britischen Innenministerin Priti Patel, einer konservativen Politikerin, die in Großbritannien als hart, wenig empathisch und unnachgiebig gilt.

Wikileaks-Gründer Assange heiratet im Gefängnis

Wikileaks-Gründer Julian Assange und seine Verlobte Stella Moris wollen sich im Gefängnis das Jawort geben.

Washington begründet die Forderung nach der Auslieferung des 50-Jährigen mit dem US-Spionagegesetz. Der Vorwurf: Assange habe gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheime Informationen zu Militäraktionen im Irak und Afghanistan veröffentlicht, darunter das Video mit dem Titel „Collateral Murder“. Es zeigt die Soldaten eines Kampfhubschraubers, die während eines Einsatzes in Bagdad Zivilisten töteten. Diese Veröffentlichungen auf der Wikileaks-Plattform machten Assange 2010 schlagartig berühmt. Denn es waren hochsensible Informationen, die ein anderes Licht auf das Gebaren der USA warfen. Sie sind aber auch dafür verantwortlich, dass Assange im Fall einer Auslieferung in die USA bis zu 175 Jahre Haft drohen.

Das Paar lernte sich 2011 kennen

Zuflucht vor einer Auslieferung fand der Australier zunächst in der ecuadorianischen Botschaft im Zentrum Londons. Dort lernten er und die Anwältin sich laut eigenen Angaben im Jahr 2011 kennen und nach und nach lieben. „Sie fanden Liebe an einem hoffnungslosen Ort“, ist auf der Homepage, die anlässlich ihrer Hochzeit eingerichtet wurde, zu lesen. Sechs Jahre später beschloss das Paar zu heiraten. Offiziell wurde die Beziehung jedoch erst 2020, nachdem der Wikileaks-Gründer wegen eines Machtwechsels in dem südamerikanischen Staat aus der Botschaft verwiesen wurde. Die Bilder von Polizisten, die ihn im Jahr 2019 festnahmen und aus dem Gebäude trugen, gingen damals um die Welt.

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Seit über zwei Jahren ist Assange nun in dem Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh im Südosten der Hauptstadt untergebracht, dort wo die beiden sich gestern das Jawort gaben. Während der Trauung harrten Freunde und Unterstützer aus, skandierten und warteten. Es gab kühlen Sekt, eine Torte und Livemusik. Am späten Nachmittag trat Stella Moris dann noch einmal vor das Gefängnis, um ein Statement abzugeben. Statt die für sie vorbereitete Torte anzuschneiden, sprach sie, um Fassung ringend, jedoch nur einige wenige Sätze: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Julian sollte hier sein. Er fehlt.“

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