Obwohl sie umweltfreundlicher reisen

Neuseelands Tourismusminister wettert gegen Backpacker

Eine Wanderin im Fiordland National Park in Neuseeland.

Eine Wanderin im Fiordland National Park in Neuseeland.

Helikopterflüge, Sterne-Essen, Luxushotels: Neuseeland hat sich erneut klar positioniert, wenn es um die Art von Tourismus geht, die das Land fördern möchte. „Was die Ausrichtung unseres Marketings angeht, so werden wir uns ohne Umschweife auf wohlhabende Touristen konzentrieren“, sagte Tourismusminister Stuart Nash laut „The Guardian“ im Zuge der generellen Wiedereröffnung des Landes nach dem Corona-Einreise-Stopp in der vergangenen Woche.

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Er wetterte direkt gegen Billigreisende, sagte, man werde Backpackerinnen und Backpacker zwar willkommen heißen, aber „wir werden nicht auf die Leute abzielen, die auf Facebook schreiben, wie sie mit 10 Dollar am Tag durch unser Land reisen und Instant-Nudeln essen können.“

Luxusreisende sind klimaschädlicher unterwegs als Backpacker

Schon vor zwei Jahren hatte Nash mit ähnlichen Aussagen für Aufsehen gesorgt, damals sagte er, um Menschen werben zu wollen die „Business Class oder Premium Economy fliegen, einen Hubschrauber mieten, eine Tour um Franz Josef machen und dann in einem Spitzenrestaurant essen“. Während die Kritik damals war, dass die Aussagen weltfremd und elitär seien, kommt Gegenwind nun aus einer anderen Richtung: In Sachen Klimaschutz sind Luxusreisende nämlich häufig die schlimmsten Umweltsünder.

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Luxustouristinnen und -touristen bringen zwar viel Geld ins Land, bleiben in der Regel aber deutlich kürzer vor Ort und unternehmen umweltschädlichere Dinge – weshalb sie einen deutlich schlechteren ökologischen Fußabdruck haben als Backpackerinnen und Backpacker. James Higham, Professor für Tourismus an der neuseeländischen Universität Otago, widerspricht dem Minister daher im „Guardian“ – diese Reisenden seien „nicht besonders vorteilhaft“ für Neuseeland, ließ er verlauten.

Luxusreisende geben am Zielort weniger Geld aus als Backpacker

Studien würden zeigen, dass „sehr reiche Menschen den Planeten zerstören“ und häufig „nicht so viel zu den Reisezielen beitragen, wie wir es vielleicht erwartet oder erhofft haben“. Vor der Pandemie habe man gesehen, dass die Menschen weiter und schneller reisten und kürzer an einem Reiseziel blieben – wodurch sie mehr CO₂ produzierten.

Außerdem war zu verfolgen, dass die zusätzlichen Ausgaben am Zielort zurückgingen. Als Referenz nutzte er Passagierinnen und Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, die als wohlhabend eingestuft werden. Während sie für 9 Prozent des Touristenaufkommens in Neuseeland verantwortlich zeichnen, tragen sie aber nur mit 3 Prozent zu den Ausgaben am Zielort bei. „Der wirtschaftliche Beitrag von Kreuzfahrtpassagieren ist im Vergleich zu Studenten, die zum Studieren hierher kommen, verschwindend gering“, sagte er.

Mehr Einnahmen und weniger Belastung durch Luxustourismus – ein Irrglaube

Stattdessen würden Rucksackreisende sowie ausländische Studierende länger im Land bleiben – und so die Wirtschaft stärken. Rund 5 Milliarden Euro nahm Neuseeland durch ausländische Studierende vor Corona ein – pro Jahr. Zudem zeichnet sich laut Higham der Trend ab, dass Backpackerinnen und Backpacker nicht nur einmal nach Neuseeland reisen – sie würden häufig zurückkommen, um andere Ecken kennenzulernen oder Work and Travel zu machen.

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Nicht nur Neuseeland, auch andere Länder gaben während der Pandemie bekannt, mehr auf Luxustourismus setzen zu wollen, etwa der Deutschen liebste Urlaubsinsel Mallorca. Die Hoffnung war, dass weniger Touristinnen und Touristen ins Land kommen, dafür aber mehr Geld vor Ort ausgeben würden. Dafür, dass sich dieses Modell rechnet, gebe es bislang keine Belege, sagte Higham.

RND/msk

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