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Kommentar

Venedig nimmt Eintrittsgeld: Lagunenstadt wird endgültig zu „Veniceland“

Venedig ist bei Touristinnen und Touristen beliebt. Besonders an den beliebten Monumenten der Stadt kommt es daher oft zu Staus.

Venedig ist bei Touristinnen und Touristen beliebt. Besonders an den beliebten Monumenten der Stadt kommt es daher oft zu Staus. Jetzt führt die Stadt ein Ticket für Tagestouristen ein.

Wer vom Festland in die historische Altstadt von Venedig will, muss bald zahlen. Da drängt sich der Vergleich mit Disneyland förmlich auf: Wer von der realen Welt kurzzeitig in das Märchen­wunderland wechseln will, der zahlt für diesen Spaß eben Eintritt. Doch dem eigentlichen Problem des Overtourism setzt Venedig nichts entgegen – und degradiert sich mit der Ticketaktion stattdessen selbst zum „Veniceland“.

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Mit dem Unterschied, dass in Disneyland keine echten Menschen leben. In Venedig schon, doch wie lange noch, ist ungewiss. 30 Millionen Reisenden jährlich auf dem berühmten Markusplatz, am Canal Grande und auf der Rialtobrücke stehen nur noch 50.000 Einheimische gegenüber. Deren Zahl wird immer kleiner, vor fünf Jahren waren es noch 10 Prozent mehr. Kein Wunder: Das Leben in Venedig ist teuer, und die vielen Touristen und Touristinnen, die durchs Wohnzimmer­fenster gaffen, nerven. Wenn sie die echten Venezianerinnen und Venezianer irgendwann wirklich komplett aus der Altstadt vertreiben, gibt es in Venedig ein trauriges Problem.

Venedig droht zur leblosen Hülle zu werden

In diesem Fall würde „Veniceland“ endgültig Realität – dann würden Reisende in der Lagunenstadt nur noch tote Prachtbauten finden. Statt bunter Fassaden leere, leblose Hüllen ohne Bewohner und Bewohnerinnen. Die wunderschönen Palazzi könnten dann höchstens noch davon zeugen, wie lebenswert die Stadt einst war. Wie ein Freizeitpark, der Erinnerungen an früher weckt. Dann würden auch keine Touristinnen und Touristen mehr kommen, denn jegliche Authentizität würde fehlen. Vom Overtourism zum menschenleeren Nichts.

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Damit das nicht passiert, muss Venedig ein Gleichgewicht herstellen: mäßigere Touristenströme, mehr Möglichkeiten für Einheimische. Mit strengeren Regeln bei der Vermietung von Ferienwohnungen würde Wohnraum bezahlbarer werden. Indem man keine Kreuzfahrtschiffe mehr anlegen ließe, könnte aus der riesigen Touristenmasse eine überschaubarere Anzahl werden.

Venedig: Boote fahren auf dem Canal Grande.

Venedig: Boote fahren auf dem Canal Grande.

Funktionieren wird das aber nicht mit der Einführung eines Tagestickets, das im Vergleich mit Disneyland sogar noch zum Schnäppchenpreis daherkommt: Bis zu 10 Euro soll das Ticket am Tag kosten.

So wirkt die Einführung des Venedig-Tickets eher wie ein lascher Versuch, noch ein paar Euros abzugreifen, anstatt wirklich gegen den Overtourism vorzugehen. Laut „Guardian“ sollen bis zu 50.000 Tagestickets pro 24 Stunden herausgegeben werden, macht insgesamt also maximal rund 18 Millionen Tagesbesucher und -besucherinnen im Jahr. Gemeinsam mit Übernachtungs­gästen weiterhin eine enorme Zahl, die am Ende niemanden glücklich macht.

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