Katastrophale Saison

Wegen Schneemangel: Neuseelands berühmten Skigebieten droht die Pleite

Die Skipisten im Turoa-Skigebiet auf dem Mount Ruapehu sind fast schneefrei. Eine katastrophale Schneesaison hat zwei der größten Skigebiete Neuseelands an den Rand des Bankrotts gebracht, wobei der Klimawandel eine wichtige Rolle zu spielen scheint.

Die Skipisten im Turoa-Skigebiet auf dem Mount Ruapehu sind fast schneefrei. Eine katastrophale Schneesaison hat zwei der größten Skigebiete Neuseelands an den Rand des Bankrotts gebracht, wobei der Klimawandel eine wichtige Rolle zu spielen scheint.

Turoa-Skigebiet. Neuseelands Skigebiet Turoa ist um diese Zeit gewöhnlich ein weißes Wunderland, seine tiefe Schneedecke macht es zu einem berühmten Anziehungspunkt für Frühlingsskifahrer. Aber in diesem Jahr sieht die Gegend eher wie eine öde Mondlandschaft aus, nur kleine Flecken von Schnee unterbrechen die weiten Felder mit vulkanischen Felsbrocken. So ging die Skisaison jetzt vorzeitig zu Ende, das Gebiet schloss drei Wochen früher als geplant.

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Neuseeland erlebt wärmsten Winter aller Zeiten

Regen hat den Schnee wiederholt weggewaschen, und die etwa 50 Schneemaschinen in der Gegend standen angesichts der milden Temperaturen auf verlorenem Posten. Der Klimawandel spielt dabei offenbar eine bedeutende Rolle: Neuseeland hat den wärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt - und das schon das dritte Jahr hintereinander.

Dabei hatten sich an die diesjährige Skisaison besondere Hoffnungen geknüpft, nachdem die Corona-Pandemie 2021 und 2020 die Branche schwer geschädigt, Turoa und seine Schwester Whakapapa an den Rand des Bankrotts gebracht hatte. Die beiden Skigebiete befinden sich an den gegenüberliegenden Seiten des Ruapehu, zählen zu den größten in Neuseeland und sind im Besitz desselben Unternehmens. Sollten sie dauerhaft dichtmachen müssen, gäbe es auf der Nordinsel, wo mehr als drei Viertel der fünf Millionen Einwohner Neuseelands leben, keine größeren Skigebiete mehr.

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Im Turoa-Skigebiet auf dem Mount Ruapehu liegt fast kein Schnee mehr auf der Piste für Anfänger. Eine katastrophale Schneesaison hat zwei der größten Skigebiete Neuseelands an den Rand des Bankrotts gebracht.

Im Turoa-Skigebiet auf dem Mount Ruapehu liegt fast kein Schnee mehr auf der Piste für Anfänger. Eine katastrophale Schneesaison hat zwei der größten Skigebiete Neuseelands an den Rand des Bankrotts gebracht.

Sogar auf der kühleren Südinsel hat der Klimawandel die Zukunft des Snowboarding- und Skibetriebes in Frage gestellt. Die Sportarten haben Neuseeland seit langen Jahren wichtige Tourismus-Einnahmen beschert und sind ein Teil der Identität des Landes als ein Paradies für Outdoor-Erlebnisse.

In Turoa haben Arbeiter mit ihren Maschinen Tausende Stunden damit verbracht, das bisschen Schnee auf bestimmte Pisten zu schieben - aber nur erfahrene Skifahrer und Snowboarder konnten sie begrenzt benutzen. Für Anfänger und etwas Fortgeschrittene gab es kaum Angebote.

Kaffee ausschenken statt Skifahren unterrichten

Sam Yates landete dieses Jahr seinen Traumjob als Skilehrer in Turoa. Aber er schätzt, dass ihm zwischen den häufigen Berg-Schließungen gerade Mal ein Dutzend Tage blieben, um Leuten etwas beizubringen. Manchmal, wenn Turoa dichtmachte, wurde er in Whakapapa eingesetzt - zum Kaffee ausschenken in der Cafeteria. Mitte August wurde er entlassen, zusammen mit etwa 135 anderen Beschäftigten - rund einem Drittel des gesamten Mitarbeiterstabes in beiden Skigebieten.

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„Es bricht einem das Herz, wenn man das Wetter sieht“, sagt der 21-Jährige. „Du ziehst hierhin und opferst sechs Monate deines Lebens, um dich dem Skifahren zu widmen. Wenn du das tust und nicht Skifahren kannst, ist das ziemlich entmutigend und, ja, herzzerreißend.“

Johan Bergman, der Manager des Skigebiets Turoa, spricht ebenfalls von einer „schwierigen Saison“. Aber er glaubt, dass neben dem Klimawandel auch andere Wetterfaktoren eine Rolle spielten. Es sei zu einem großen Teil einfach Pech gewesen, so Bergman, und so will er sich auch nicht dem Pessimismus hingeben: „Ich kann mir immer Skifahren hier auf der Nordinsel von Neuseeland vorstellen.“

Doch die klägliche Saison hat Ruapehu Alpine Skilifts, den Eigentümer beider Skigebiete, finanziell ernstlich unter Druck gebracht. Die Firma wurde vor 70 Jahren von Ski-Enthusiasten gegründet und operiert als gemeinnützige Einrichtung. Sie muss keine Unternehmenssteuern zahlen und ist verpflichtet, sämtliche Profite für den Unterhalt und Aufbesserungen der Gebiete zu verwenden.

Aber da sind keine Profite. Im vergangenen Jahr hat die Firma fast sechs Millionen Neuseeland-Dollar (rund 3,5 Millionen Euro) verloren, und die Gesamtschulden stiegen auf über 30 Millionen Neuseeland-Dollar an. Das Unternehmen sucht nach einem größeren neuen Kapitalgeber, aber bislang ohne Erfolg.

Mountainbiker bringen zusätzliche Einnahmen

Manche sagen, dass die Firma anscheinend die Bedrohung durch die Klimaerwärmung unterschätzt habe, sie kommt in ihrem jüngsten Jahresbericht jedenfalls nicht vor. Stattdessen werden mögliche weitere Belastungen durch Covid-19 und Kreditrestriktionen als  Bedrohungen für das Unternehmen angeführt.

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Dem Nationalen Institut für Wasser und Atmosphärische Forschung zufolge haben Neuseelands durchschnittliche Wintertemperaturen dieses Jahr mit fast zehn Grad Celsius eine neue Rekordhöhe erreicht. Und es war zugleich der bisher regenreichste Winter. Die Behörde führt Beides zum großen Teil auf den Klimawandel zurück.

In manchen Ländern können Sessellifte in Skigebieten im Sommer von Mountainbikern benutzt werden, das bringt Betreibern zusätzliche Einkünfte und kann Winterverluste abmildern. Aber in den Skigebieten am Ruapehu geht das nicht, weil sie in einem Nationalpark liegen und keine entsprechende Erlaubnis haben.

Inselbewohner gewinnen Klimaklage gegen Australien

Laut dem UN-Ausschuss für Menschenrechte hat Australien die Bewohner der Torres-Strait-Inseln nicht ausreichend vor den Folgen des Klimawandels geschützt.

Der Berg ist atemberaubend, ein aktiver Vulkan, den Regisseur Peter Jackson als Kulisse in seiner „Herr der Ringe“-Filmserie benutzt hat. Der fruchtbare vulkanische Boden ermöglicht einen reichhaltigen gewerbsmäßigen Gemüseanbau, so im Dorf Ohakune, das als Karottenhauptstadt Neuseelands bekannt ist.

Aber Ohakune stützt sich auch auf den Skibetrieb. Phil Jackson, der vor 40 Jahren im Dorf ein Motel gebaut hat, spricht von der schlechtesten Skisaison seit 1983, als der Berg mit Eis bedeckt war. So sei auch das Geschäft in seinem Gästehaus schrecklich gewesen. „Schauerhaft“, sagt er. „Zwei Jahre von Covid und jetzt eine weitere katastrophale Skisaison. Wir werden überleben, aber es wird Leute geben, die nicht überleben können.“

RND/AP

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