Die Rekord-EM

Vom Hype zum Boom: Schafft das Spiel den nächsten Schritt?

Alexandra Popp führt die DFB-Frauen ins EM-Finale.

Alexandra Popp führt die DFB-Frauen ins EM-Finale.

Das Bild ist legendär und hängt bis heute in den Wohnzimmern hoch bezahlter Weltstars wie Bastian Schweinsteiger oder Manuel Neuer: 2014, Maracanã-Stadion, Rio de Janeiro. Angela Merkel steht freudestrahlend im roten Sakko inmitten eines Haufens verschwitzter Männer, die Bierflaschen in der Hand haben und grölen. Die Bundeskanzlerin streichelt zärtlich den WM-Pokal, den sich die Mannschaft von Joachim Löw zuvor mit dem 1:0-Sieg über Argentinien zum vierten Mal gesichert hatte. Ein geradezu episches Bild.

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Am Sonntag könnte es zu einem ähnlich eindrücklichen Foto kommen, an einem ähnlich historischen Ort. Im Londoner Wembley-Stadion treffen bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen Gastgeber England und Deutschland aufeinander. Kanzler Olaf Scholz wird sich auf die Reise machen und im Anschluss – hoffentlich – mit den Damen und der Trophäe in der Umkleidekabine posieren.

Nach fulminantem Frankreich-Sieg: Deutschland im Finale der Fussball-EM

Am kommenden Sonntag tritt die deutsche Mannschaft im Finalspiel gegen die englischen Gastgeberinnen an.

Es ist bereits das neunte EM-Endspiel für die DFB-Heldinnen, bislang wurden alle acht gewonnen. Einen Wandel samt höherer Aufmerksamkeit oder mehr Wertschätzung gab es trotz der Erfolge allerdings nicht. Doch diesmal scheint alles anders. Und diesmal soll – unabhängig vom Ausgang des Finals – auch alles anders werden.

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Die Forderung nach Equal Pay

Der Kanzler persönlich hat kürzlich die Debatte angestoßen, dass die deutschen Frauen künftig doch bitteschön genauso belohnt werden müssten wie die Männer – zur Einordnung: Sollte die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg den Titel holen, kassieren die Spielerinnen 60.000 Euro, die Herren hätten im vergangenen Jahr 400.000 Euro bekommen. Scholz lief nach seinem Tweet zu Recht in einen verbalen Konter von DFB-Direktor Oliver Bierhoff, denn auch diese Einordnung ist ein Teil der Wahrheit: Die Uefa verteilt bei der aktuellen Frauen-EM 16 Millionen Euro an Prämien, 2021 waren es bei den Männern 331 Millionen Euro.

Daher ist die Forderung nach Equal Pay, also gleicher Bezahlung, wohl unrealistisch und geht zudem an der viel wichtigeren Debatte ums „Equal Play“ vorbei. Sprich: Die Frauen brauchen endlich die gleichen Bedingungen – im Training, aber auch bei Anstoßzeiten, TV-Anteilen und in der Vermarktung.

Das Turnier bricht alle Rekorde

Welches Potenzial es gibt, was tatsächlich möglich ist, hat die aktuelle Endrunde bereits vor dem Highlight im ausverkauften Londoner Fußballtempel gezeigt. 90.000 Fans werden im Stadion mitfiebern, das Turnier bricht längst alle Rekorde – und das hat viele Gründe.

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In den letzten Jahren hat sich (nicht nur sportlich) unheimlich viel getan, in Europa, aber vor allem auf der Insel. Das Event läuft in der Primetime, die Experten und Expertinnen tun nicht nur so, als ob sie der Kick auch wirklich interessiert, die gesamte Verpackung passt. Ein Vorbild für Deutschland? Beim Halbfinalsieg saßen hierzulande schließlich mehr als 12 Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen vor den TV-Bildschirmen und fieberten mit der coolen Truppe von „MVT“, wie die Bundestrainerin gerufen wird. Das grundsätzliche Interesse ist also da.

Dass aus einem Hype ein regelrechter Boom werden kann, hat die Vergangenheit schon häufig gezeigt. Stichwort: Boris Becker und Steffi Graf, Michael Schumacher und Jan Ullrich. Als Vorbilder taugen die DFB-Damen schon längst. Es wäre ihnen von Herzen zu gönnen, wenn sich all ihre Mühen, ihr Einsatz und ihr sympathisches und authentisches Auftreten endlich auch mal nachhaltig lohnen würden – und zwar nicht nur finanziell.

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