Handball-Bundesliga

Siegtreffer bringt Arena zum Beben: SC DHfK gewinnt in der Schlusssekunde gegen Flensburg

Grenzenloser Jubel: Leipzigs Viggo Kristjansson (Mitte) hat für den SC DHfK den entscheidenden Treffer erzielt.

Grenzenloser Jubel: Leipzigs Viggo Kristjansson (Mitte) hat für den SC DHfK den entscheidenden Treffer erzielt.

Leipzig. Alles war angerichtet für ein Top-Spiel, für einen packendes Handball-Duell auf Augenhöhe. Einer der Favoriten auf die Meisterschaft stellte am Sonntag die Siegesserie des SC DHfK Leipzig auf die Probe. Doch selbst für die SG Flensburg-Handewitt sollten die Sachsen zu einer Kraftprobe werden, denn seit Trainer Rúnar Sigtryggsson bei den Grün-Weißen am Spielfeldrand steht, ging noch kein Spiel verloren. 4531 Fans sahen das erhoffte Spektakel, inklusive dramatischer Aufholjagd der Gäste und einer nervenaufreibenden Schlussphase. Erst in der letzten Sekunde gelang Viggo Kristjansson der entscheidende Treffer zum 31:30-Heimsieg.

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Selbst Sky-Experte Stefan Kretzschmar wollte sich vor dieser Partie nicht festlegen, musste nach der jüngsten Siegesserie der Sachsen anerkennen: „Das ist ein ganz offenes Spiel.“ Das ahnten wohl auch die beiden Teams, setzten von Beginn an auf viel Tempo und jede Menge Physis. Gleich zwei Zeitstrafen innerhalb der ersten zehn Minuten waren die ärgerliche Konsequenz für die Gastgeber, doch auch in Überzahl fiel es der SG schwer, an der kompakten Leipziger Deckung vorbeizukommen. Erst eine Unterzahl der Machulla-Truppe sollte den offenen Schlagabtausch kippen. So musste Kapitän Johannes Golla in der 13. Minute (6:6) runter, sah sein Team erst zwei Minuten später beim 9:6 auf der Platte wieder.

Die Leipziger taten sich im Positionsangriff schwer und ließen die Gäste wieder auf einen Treffer herankommen. Drehen konnten die Flensburger die Partie aber nicht, denn immer wieder schlichen sich im Spielaufbau Fehler ein – die Sime Ivic erahnte, Pässe abfing und seinem Team Konter ermöglichte. Vielleicht wäre das dem Küsten-Klub mit Spielführer Jim Gottfridsson nicht passiert, doch der Schwede musste kurzfristig wegen eines Magen-Darm-Infekts passen. Und so bauten die Grün-Weißen kurz vor dem Pausenpfiff ihre Führung noch einmal aus, gingen mit 17:13 in die Kabine.

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Spannung bis zum Schluss

Pässe abzufangen und mit reichlich Tempo zu kontern, war auch im zweiten Durchgang das Erfolgsrezept der Sigytryggsson-Sieben, die schnell auf 19:13 stellte. Lediglich vier Minuten war Coach Machulla bereit, sich die Ratlosigkeit seines Teams anzusehen, bevor er in einer Auszeit versuchte, die Seinen auf die richtige Bahn zu lenken – mit Erfolg. Innerhalb von fünf Minuten kämpften sich Golla und Co. auf drei Treffer (20:17) heran. An der Aufholjagd sollte auch eine Unterbrechung durch den DHfK-Trainer zunächst nichts ändern. Der Weckruf für die Leipziger war wohl erst der Anschlusstreffer (20:19), der den Gastgebern endlich das Gefühl vermittelte, auch in den letzten 15 Minuten der Partie vollen Einsatz zeigen zu müssen.

Ganz offensichtlich konnten sie diesem Kontrahenten nicht einfach davonlaufen, so wie es gegen Melsungen gelungen war. Denn die SG hielt beim hohen Tempo mit, blieb auf zwei Treffern an den Grün-Weißen dran. In der 56. Minute (29:27) sollte eine Schiedsrichterentscheidung fast die Entscheidung bringen. SG-Keeper Benjamin Buric vergriff sich vom Spielfeldrand aus wohl im Ton, kassierte eine Zeitstrafe gegen die Bank. Doch die Überzahl wussten die DHfK-Profis nicht zu nutzten, kassierten stattdessen zwei Gegentore. Beim 29:29 nahm Sigtryggsson seine letzte Auszeit, wollte gut zwei Minuten vor dem Abpfiff einen letzten Impuls setzen, um die zwei Punkte in der Messestadt zu behalten.

Mit einer Minute auf der Uhr stellte Lukas Binder auf die 30:29-Führung, die Johan Hansen jedoch direkt ausglich. Es blieben 45 Sekunden für den Siegtreffer, 45 Sekunden, um die Siegesserie unter Sigtryggsson noch einmal auszubauen. Eine Sekunde vor dem Abpfiff schmetterte Viggo Kristjansson den Ball aus der Distanz in die Maschen, stellte die Anzeigetafel auf 31:30, versetzte seine Kollegen in Ekstase und brachte die Arena zum Beben.

Statistik

Tore SC DHfK Leipzig: V. Kristjansson 9/2, Ivić 4, Sunnefeldt 4, Witzke 4, M. Gebala 3, Wiesmach 3, Ernst 2, Binder 1, Krzikalla 1

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Tore SG Flensburg-Handewitt: L. K. Möller 8, J. Hansen 4, E. M. Jakobsen 4/2, Röd 3, Semper 3, Hald 2, Johannessen 2, Lindskog 2, Golla 1, Larsen 1

Stimmen zum Spiel

Maciej Gebala: "Es ist richtig geil, wieder dabei zu sein. Ich hatte befürchtet, mehr Probleme mit der Kondition zu haben. Aber ich habe 30 Minuten gespielt und das hat sich alles richtig gut angefühlt. Vor fast 5000 Leuten gegen Flensburg in der eigenen Halle zu gewinnen, das Gefühl kann man kaum beschreiben. Es war in der Schlussphase so spannend, dann hatten wir etwas Glück – aber am Ende zählen die zwei Punkte. Es läuft wieder richtig gut bei uns, es wird sehr schwer uns zu stoppen."

Oskar Sunnefeldt:

„Das war einfach der Wahnsinn. Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt, fast alles hat geklappt. Ich weiß nicht genau, was in der zweiten Halbzeit passiert ist – wir haben einige technische Fehler gemacht, sahen in der zweiten Welle nicht gut aus. Aber wir haben am Ende eine tolle Moral gezeigt, haben diese krasse Unterstützung aus der Halle. Wie wir unter Rúnar spielen, liegt mir einfach. Ich lerne in jeder Einheit etwas dazu.“

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Rúnar Sigtryggsson: "Wir haben eine sehr starke erste Halbzeit gespielt und auch am Anfang der zweiten Halbzeit das Spiel dominiert. Wir haben diese tollen Phasen aber nicht konsequent genug ausgenutzt und Flensburg dann eingeladen, wieder ins Spiel zurückzukommen. Wenn du so einer Mannschaft den kleinen Finger gibst, nehmen sie die ganze Hand. Am Ende ist es glücklich, dass wir gewonnen haben. Die Angriffseffektivität von Flensburg war in den letzten 15 Minuten sicherlich 80 Prozent, sie waren souverän und sicher. Dieser Sieg tut gut, aber wir hätten es besser machen können."

Maik Machulla: "Die zwei Punkte für Leipzig waren heute durch den letzten Wurf sicherlich auch ein Stück weit glücklich. Aber über das ganze Spiel hinweg gesehen, haben sie immer geführt und uns viele, viele Probleme gemacht. Wir haben keine Ruhe und keine Struktur in unser Spiel bekommen. Wir haben es Leipzig in bestimmten Phasen mit leichten Ballverlusten auch zu einfach gemacht."

Lucas Krzikalla: "Wir wissen alle, dass die Spiele knapp sein können, da müssen wir die Bälle trotzdem frei Schnauze reinwerfen. Wenn man zu viel überlegt, geht es schief. Wir haben heute wieder bewiesen, dass wir nie aufgeben. Die Emotionalität der Zuschauer hat sich auf uns übertragen."

Karsten Günther: "Wir haben eine Wahnsinnsleistung unserer Mannschaft gesehen und vom Publikum. Und wir hatten 30 Prozent weniger Personal wegen Krankheit und haben das Event trotzdem super gewuppt."

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