Rehasport – Ferry Porsche Challenge

„Alles rollt“ in Leipzig: Das steckt hinter dem Projekt der Parasportler

Parasportler Nico Kappel (rechts) überreichte den ersten Preis der Ferry Porsche Challenge an Simone Zimmermann (Dritte von links) und Rollstuhlbasketballer Sebastian Radke (mitte).

Parasportler Nico Kappel (rechts) überreichte den ersten Preis der Ferry Porsche Challenge an Simone Zimmermann (Dritte von links) und Rollstuhlbasketballer Sebastian Radke (mitte).

Leipzig. Die Trophäe der Ferry Porsche Challenge soll beim Leipziger Behinderten- und Rehasportverein künftig das Büro schmücken. Die zweite Vorsitzende Simone Zimmermann und Rollstuhlbasketballer Sebastian Radke hatten den ersten Preis der Sportwagen-Stiftung am Montagabend in Stuttgart entgegengenommen und dürfen sich über 75.000 Euro freuen. Mit ihrem Projekt „Alles rollt – vielfältig und bunt“ hatten die Leipziger die Jury überzeugen können. Aber was steckt dahinter?

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„Unser Verein hat mehrere Rollstuhlgruppen sowohl im Sport- als auch im Reha-Bereich. Dieses Programm wollen wir langfristig erweitern“, erzählt Zimmermann, die als Trainerin die Para-Leichtathletik und die Kinder-Rolli-Mobi-Gruppe betreut. Ein Prozess, der nicht von heute auf morgen vollzogen werden kann. „Es ist ein fortlaufendes Projekt“, beschreibt es die 54-Jährige. Denn Rollstuhlrugby, Rollstuhlbasketball und Rennrollstuhlfahren sind sehr kostspielig. Für ein einziges Sportgerät wird eine mittlere vierstellige Summe gebraucht. „Einen Teil des Preisgelds wollen wir in Sport-Rollstühle investieren, um Anfängern den Einstieg zu ermöglichen“, sagt Zimmermann. So könne jede und jeder die Disziplinen einfach mal ausprobieren und müsse nicht gleich in ein eigenes Gerät investieren.

Das Gros der 75.000 Euro soll jedoch in einen neuen Mannschaftsbus fließen. „Der Bus soll so umgebaut werden, dass er sowohl von Prothesenträgern als auch von Rollstuhlfahrern mit Handgas genutzt werden kann. Das ist technisch möglich, kostet aber sehr viel Geld“, so die Trainerin. Mit dem neuen Gefährt könnten die Mannschaften dann eigenständig zu Auswärtsspielen reisen, auch ohne einen „Fußgänger“ dabei zu haben.

„Es ist ein fortlaufendes Projekt“

Und noch etwas steht auf der To-Do-Liste: In den nächsten Monaten will der Verein präsenter werden, Imagevideos drehen und die Para-Sportarten in Leipzig bekannter machen. „Wir wollen zeigen, dass nicht nur Menschen mit Handicap bei uns im Verein Sport treiben können, sondern auch jeder andere bei uns im Rollstuhlsport mitmachen kann.“

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Ähnliche Ziele hat auch der Gehörlosen SV, der mit seinem Projekt „Bildung im Gehörlosensport – Die Hilfe zur Selbsthilfe“ den Sonderpreis der Stiftung im Wert von 50.000 Euro erhielt. Für den Leipziger Verein mit knapp über 100 Mitgliedern steht Integration an erster Stelle. Mit zahlreichen Vereinen gibt es bereits Kooperationen und viele Sportlerinnen und Sportler sind in Mannschaften anderer Klubs aktiv. Doch diese Integration ist mühsam und trifft immer wieder auf große Barrieren, wie Vorstandmitglied Robin Melior weiß. „Im Sport gibt es einen klaren Mangel an Dozenten, die Gebärdensprache sprechen“, bringt der 39-Jährige die Problematik auf den Punkt. Die naheliegende Lösung sind Dolmetscher, doch dafür fehle meist das Geld.

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Als Sportkoordinator des Gehörlosen-Sportverbandes Sachsen wirbt Melior bereits seit Jahren bei der Poltik für Unterstützung, stößt jedoch meist auf Ablehnung. Nun kommt die Unterstützung von der Ferry Porsche Stiftung. „Nach viele Niederlagen ist das ein ganz wichtiger Sieg für uns“, so Melior.

Mit dem Projekt soll genau dieser Mangel an Dozenten bekämpft werden und in Sachsen ein Pilotprojekt gestartet werden, dass Trainerinnen und Trainer in Lehrgängen in der Gebärdensprache schult. Diese Übungsleiter könnten im nächsten Schritt Einheiten in den verschiedenen Abteilungen bei Vereinen für Gehörlose leiten, aber vor allem Gehörlose im regulären Training in anderen Vereinen integrieren. „Es soll in beide Richtung gehen. Wir wollen den Gehörlosen zum Hörenden bringen und den Hörenden zum Gehörlosen.“

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