Fußball-Regionalliga Nordost

Moral gezeigt: Chemie Leipzig in Luckenwalde mit zwei Gesichtern

Flutlichtspiel in Luckenwalde: Die BSG Chemie Leipzig erkämpft sich trotz 0:2-Rückstand und in Unterzahl noch einen Punkt.

Flutlichtspiel in Luckenwalde: Die BSG Chemie Leipzig erkämpft sich trotz 0:2-Rückstand und in Unterzahl noch einen Punkt.

Luckenwalde. Es war jene Szene in der 38. Minute, in der auch der hartgesottenste Chemie-Enthusiast den Glauben an das Gute verloren haben muss. Beim Stand von 2:0 für Luckenwalde tankt sich Einsiedel auf der linken Seite durch, Florian Brügmann und Denis Mast stören nicht energisch genug. Paul Horschig geht zwar hin, kann die Eingabe vor das Chemie-Tor auch nicht verhindern. Torwart Benny Bellot erwischt den Ball auch nicht, und hinten zeigt zwar Alex Bury seinem Mitspieler Philipp Wendt an, dass er auf den heraneilenden Luckenwalder Chemie-Schreck Daniel Becker achten soll, doch ernsthaft stören mag den Goalgetter der Gastgeber, der schon das 1:0 erzielt hatte, niemand. So kommt Becker frei zum Schuss, verfehlt aber das eigentlich sichere 3:0 und damit die wahrscheinliche Entscheidung. Wer in diesem Moment nicht an die beiden 0:5- und 3:5-Debakel der letzten Jahre an gleicher Stelle dachte, musste Stahlseile anstelle von Nerven haben.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dies war eine der Schlüsselszenen im Spiel, derer es einige gab. Die erste Halbzeit war schlicht schlecht, da bekamen die Leutzscher keinen Zugriff auf die Gegenspieler, eigene Angriffe waren Mangelware, zu ungenau und langsam spielte man nach vorn. Die Fans sahen das exakte Gegenteil von dem, was ihre eigene Elf hätte spielen sollen. Männlich-hart, konzentriert, einfach. Luckenwalde brachte auf den Rasen, was man erwarten konnte und garnierte das mit zwei Toren. Beim ersten reagierte Bellot erst gar nicht, auch Horschig störte Torschütze Becker nicht ernsthaft. Beim 2:0 leistete sich Philipp Harant einen Bock, als er sich zunächst verschätzte, dann strauchelte und den Torschützen Plumpe nicht mehr stoppen konnte. Gut, dass dann Schluss war mit Hälfte eins.

Lesen Sie auch

Und dann passierte, wofür Chemie eigentlich immer gut ist: es stand eine ganz andere Mannschaft auf dem Rasen. Was auch immer in der Kabine besprochen wurde: es half. Jetzt ging es plötzlich leidenschaftlicher zu, Zweikämpfe wurden gewonnen, besser nach vorn gespielt. Lucas Sureks geniale Flanke in den Strafraum spitzelte Manassé Eshele zum Anschlusstor in die Maschen – der dritte Treffer im dritten Spiel für den Ex-Mainzer. Nun kamen die Gastgeber etwas durcheinander, spielten Slapstick. Janik Mäder schnappte sich den Ball und in Gerd-Müller-Manier schoss er den Ausgleich. Damit belohnte sich der aus Cottbus gekommene Stürmer mit seinem ersten Treffer im Chemie-Trikot. Und wieder so ein denkwürdiger Moment. 65 Minuten sind gespielt, der eben eingewechselte Florian Kirstein nimmt Fahrt auf, genial bedient von Bury. Seine Eingabe verwertet Eshele nicht, den Nachschuss bekommt er selbst nicht unter. Da war das 3:2 für Chemie doch fast schon gefallen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Wir wissen um unsere Qualitäten“

Am Ende Hektik, hartes Einsteigen auf beiden Seiten, Gelb-Rot für Bury und glatt Rot für Luckenwaldes Flath. Warum der Kapitän (!) seinen Platzverweis nach heimtückischem Foul an Surek von hinten auch noch mit Unverständnis quittierte, werden wir wohl nie erfahren. Fakt ist, dass Chemie eine stoische Ruhe und bewundernswerte Moral an den Tag legte, die den ersten Punkt retteten.

Warum es zwei so verschiedene Halbzeiten gab, konnte sich letzten Endes niemand so recht erklären. „Wir wissen um unsere Qualitäten, und in der zweiten Halbzeit hat man gesehen, wie man sauber Fußball spielen kann“, erklärte Chemiecoach Miro Jagatic. „In Hälfte zwei haben wir ein ganz anderes Gesicht gezeigt“, gab Torschütze Eshele zu Protokoll. Für das kommende Heimspiel gegen Lichtenberg (Sonntag, 13 Uhr) auf alle Fälle ein mutmachender Fakt.

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen