Fußball – Sachsenpokal

Chemie und Lok vor Derby: „Könnte ein Finale sein, aber das interessiert die Loskugeln nicht“

Die Cheftrainer Almedin Civa (links/Lok) und Miroslav Jagatic (rechts/Chemie) kennen sich seit drei Jahrzehnten. Am Sonntag ruht die Freundschaft.

Die Cheftrainer Almedin Civa (links/Lok) und Miroslav Jagatic (rechts/Chemie) kennen sich seit drei Jahrzehnten. Am Sonntag ruht die Freundschaft.

Leipzig. Wenn sich die Fans beider Vereine an ihren Trainern ein Beispiel nehmen, wird es am Sonntag (16 Uhr) im Alfred-Kunze-Sportpark ein friedliches Pokal-Derby. Vor dem Drittrunden-Match im Sachsenpokal drückten die Trainer Miroslav Jagatic (46/BSG Chemie) und Almedin Civa (50/1. FC Lok) bei der Pressekonferenz am Donnerstag ihren gegenseitigen Respekt aus. Beide kennen und schätzen sich seit drei Jahrzehnten. Jagatic erinnerte sich an ihre erste Begegnung: „Das war bei TeBe Berlin. Ich war 14, Alme spielte im Männerbereich. Wir jungen Spieler haben ihn alle gemocht und zu ihm aufgeblickt. Unsere Familien kommen beide aus dem ehemaligen Jugoslawien. Ich schätze ihn als Trainer, Sportsmann und bodenständigen Menschen.“

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Civa ergänzte: „Wenn man in derselben Stadt aufwächst, sieht man sich immer wieder, dann ist Berlin wie ein Dorf. Miro ist früher als ich ins Trainergeschäft eingestiegen, jetzt schließt sich der Kreis vor einem solchen Derby. Er ist wie ich ein direkter Mensch, der ausspricht, was er denkt. Es müsste eine ganze Menge passieren, dass wir uns nicht mehr die Hand geben. Aber das wird nicht passieren.“ Am Sonntag wird die Freundschaft für 90 oder 120 Minuten ruhen, beide wollen das Drittrunden-Aus mit ihrem Team verhindern.

Lok ohne Eglseder – Chemie mit Rückenwind

Vor zwölf Monaten scheiterte Lok eben in jener Runde bei Oberligist Bautzen. „Das war selbstverschuldet“, sagt der Lok-Coach. Zu einigen Ausfällen sei eine Rote Karte hinzugekommen, die heute noch nachwirkt. Denn Mike Eglseder sitzt am Sonntag sein zweites Pokalspiel Sperre ab. Civa zu den Lehren aus Bautzen: „Ich vergesse meine Spiele selten, lerne aus Siegen und Niederlagen, aber am Sonntag ist es ein ganz anderes Spiel. Ich bin nicht dafür bekannt, etwas anders oder besonders zu machen. Wir müssen unsere Stärken auf den Platz bringen.“ Viele würden sich fragen: Warum muss das Derby schon in der dritten Runde sein? Civa meint: „Man kann aber auch sagen: Es ist doch geil, dass es in der dritten Runde so ein Spiel gibt. Das wäre auch ein Spiel fürs Finale, aber das interessiert die Kugeln nicht. Wir haben das Duell angenommen.“ Da diesmal drei Drittligisten im Wettbewerb vertreten sind, wäre es für Lok und Chemie vermessen zu sagen: Wir hauen alle weg.

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Die Jagatic-Elf stand zuletzt im Finale in Chemnitz – und verlor. Der Chemie-Coach meint: „Für Vize kannste dir gar nichts kaufen, die anderen feiern und du stehst da wie Pik-Sieben. Es wäre respektlos zu denken, wir kommen wieder ins Finale. Auch unterklassige Mannschaften können im Pokal über sich hinauswachsen. Es ist schwer, in dem Wettbewerb weit zu kommen. Wir brauchen am Sonntag einen Sahne-Tag, es gibt aber keinen Schalter, den man umlegen kann. Den Schalter würde Alme auch bedienen, dann hätten wir viele Teams im Finale.“ Die Saisonbilanz hänge jedenfalls nicht von dem einen Pokal-Derby ab.

Bescheidenheit vor Derby-Kracher

Der Lok-Trainer sagte zum bisherigen Saisonverlauf in der Regionalliga: „Wir sind auf einem guten Weg, haben elf Punkte und für meinen Geschmack ein paar Tore zu viel bekommen. Wir haben zu Recht in Greifswald verloren, leider gegen den BFC mit einem Mann mehr viele Chancen und zwei Punkte liegen lassen. Die Art und Weise, wie wir nach vorne spielen, das passt schon.“

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Sein Gegenüber will die drei Siege in Folge nicht überbewerten: „Ich bin nicht so euphorisch, denn die Saison ist lang. Wir hatten gerade 70 Minuten lang ein richtig gutes Spiel gegen BAK, am Anfang der Saison aber sehr schwankende Leistungen.“ Ein paar Fehler müsse man den jungen Spielern zugestehen. „Jetzt bin ich guter Dinge, dass wir eine Stabilität reinbringen und in der nächsten Saison die Ernte einfahren. Es freut mich als Trainer, dass wir uns zuletzt nicht nur dem Gegner angepasst, sondern unser Spiel durchgezogen haben.“

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Die Tagesform entscheidet

Gibt es einen Derby-Favoriten? Davon hält Civa nichts. Es sei ein typisches 50:50-Spiel – wenngleich er den Spruch bringt: „Von mir aus können wir der Favorit sein, das nehme ich als Kompliment für unsere Arbeit.“ In der Meisterschaft bekomme man bei Remis einen Punkt, „den kannste an einem schlechten Tag in den letzten Minuten mal mitnehmen“. Das sei am Sonntag nicht möglich. „Wir trainieren unter der Woche, um zu gewinnen – egal, gegen wen wir spielen.“ Lok habe Respekt vor dem Gegner. „Chemie hat eine gute Mannschaft, das wissen wir.“ Namentlich erwähnte er Florian Brügmann, Dennis Mast, Florian Kirstein und Janik Mäder. „Wenn man sich die Namen anguckt, weiß man, warum sie in sechs Spielen zehn Punkte geholt haben.“ Dennoch würden beide Teams von der mannschaftlichen Geschlossenheit leben.

Gemeinsam auf dem Podium: Miroslav Jagatic, BSG-Pressesprecher René Jacobi und Almedin Civa (von links).

Gemeinsam auf dem Podium: Miroslav Jagatic, BSG-Pressesprecher René Jacobi und Almedin Civa (von links).

Jagatic ergänzte: „Es hängt wirklich von der Tagesform ab. Beide werden das Beste raushauen, unser Ziel ist es, eine Runde weiterzukommen.“ Zur Auslosung meinte er: „Manchmal habe ich das Gefühl, wir haben nur Zwickau oder Lok als Pokalgegner. Aber wer ins Finale will, muss so ein Spiel gewinnen.“ Einen Akteur der Blau-Gelben hob er besonders hervor: Sascha Pfeffer. „Was er mit 36 Jahren auf den Platz bringt – auch mit seinen gefährlichen Schüssen – imponiert mir. Ich hoffe, dass er am Sonntag nicht so viel Zielwasser getrunken hat.“

Mit Spaß und Freude

Abschließend meinte Civa: „Die Fußball-Fans sollen mit Spaß und Freude herkommen und ihre Mannschaft unterstützen.“ Auf die besondere Atmosphäre müsse er sein Team nicht einstellen: „Die Spieler haben genug Eigenmotivation – gerade vor einem solchen Derby.“ Jagatic sieht es so: „Statt zu motivieren, musst du als Trainer die Jungs eher erden, damit sie die Automatismen abrufen und sich nicht von der hitzigen Atmosphäre beeinflussen lassen.“

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Ausverkauft ist das Derby seit Donnerstag im Heimbereich. Chemie hat die 4500 Tickets an den Mann gebracht. Bei Lok sind bis Samstag noch 150 der 500 Gäste-Karten zu haben – personalisiert für Vereinsmitglieder.

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