Newsletter „Direktabnahme“

Das war die Woche mit RB Leipzig: Lautloser Eberl-Start, ehrlicher Schlager

Ein herzliches Hallo aus der Sportredaktion,

Andy Brehme, Weltmeister von 1990, meinte Anfang dieser Woche im Interview mit meinem Kollegen Guido Schäfer, ein Turnier gehe erst mit dem Achtelfinale richtig los. So gesehen hat die WM in Katar für einige RB-Profis nie richtig begonnen. Denn für drei der sieben Leipziger Kicker endet das Gastspiel im Wüstenstaat bereits nach der Gruppenphase. Yussuf Poulsen schied mit seinen Dänen überraschend aus, ohne einmal den Rasen betreten zu haben. Er blieb in allen drei Partien ohne Einsatzzeit. Auch David Raum und Lukas Klostermann mussten am Freitag ihre Koffer packen. Der 4:2-Sieg am Vorabend gegen Costa Rica reichte nicht für‘s Weiterkommen, weil Japan im Parallelspiel einen 2:1-Erfolg gegen Spanien holte. Am frühen Nachmittag hob der Flieger mit dem DFB-Team Richtung Deutschland ab. Dann beginnt für das RB-Duo der Weihnachtsurlaub.

Bevor ihre Leipziger Teamkollegen ebenfalls ein paar freie Tage genießen können, stand am Freitagnachmittag ein letztes Testspiel auf dem Plan. Der dänische Erstligist AC Horsens war am Cottaweg zu Gast. 2:1 (1:1) hieß es am Ende nach 90 winterlichen Minuten. Amadou Haidara und Benjamin Henrichs besorgten die Tore für die Gastgeber. Willi Orban (Infekt), Hugo Novoa (Augenoperation) und Marcel Halstenberg (Knieprobleme) standen nicht auf dem Platz.

Einer der Zaungäste beim Test war Max Eberl. Seit Donnerstag ist RB Leipzigs neuer Geschäftsführer Sport ganz offiziell im Amt. Und wird, anders als die Kicker, nun nicht direkt in den Urlaub entschwinden. Der 49-Jährige hat eine nicht allzu kurze To-Do-Liste. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Cottaweg kennenzulernen ist da vermutlich die kleinste (wenn auch wichtige) Aufgabe. Andere sind da schon größer. Die Kaderentwicklung gehört dazu. Die Leistungen der RB-Kicker in den vergangenen Wochen und Monaten haben Begehrlichkeiten geweckt. Christopher Nkunku ist ebenso heiß umworben wie Dani Olmo. Konrad Laimer wird wohl gehen. Josko Gvardiol begeistert gerade Fußball-Fans in aller Welt mit seinen Auftritten im kroatischen Trikot bei der WM. Auch an seinen Diensten dürfte das Interesse außerhalb Leipzigs weiter steigen. Abdou Diallo wiederum, derzeit nur leihweise ein Roter Bulle, empfiehlt sich für eine feste Verpflichtung. Satte zwölf RB-Kicker sind wiederum auf Leihbasis bei anderen Clubs aktiv. Auch ihre Zukunft muss geklärt werden. Max Eberl stehen demnach intensive Wochen bevor.

Sportdirektor Max Eberl schaute sich am Freitag den Test von RB gegen Horsens an - und war witterungsgerecht warm eingepackt.

Sportdirektor Max Eberl schaute sich am Freitag den Test von RB gegen Horsens an - und war witterungsgerecht warm eingepackt.

Mein persönliches Highlight in dieser RB-Woche war das Gespräch, das Guido Schäfer mit Xaver Schlager geführt hat. Warum? Weil sich da einer geäußert hat, der sich selbst nicht so wichtig nimmt - obwohl er sich aus meiner Sicht durchaus wichtiger nehmen könnte. Schlager kam im Sommer mit reichlich Vorschusslorbeeren gedacht vom VfL Wolfsburg nach LE - und landete unter Domenico Tedesco direkt auf der Bank. Der Coach begründete diese dauerhafte Entscheidung mit Fitnessnachteilen. Worte, die im Rückblick wie Hohn wirken, entpuppte sich der Österreicher doch - als er dann endlich doch losgelassen wurde - als Dauerläufer und -arbeiter, in Ausdauer und Leidensfähigkeit seinen Kollegen Willi Orban und Konrad Laimer nicht unähnlich. Der soll nicht fit gewesen sein?

Das Verhältnis Tedesco-Schlager gehört zu den ungelösten Fragen der Amtszeit des Coach, die im Herbst frühzeitig endete. Immer wieder gab es Stimmen, die zu wissen meinten, Tedescos Entscheidung gegen den 25-Jährigen sei vor allem darin begründet, dass CEO Oliver Mintzlaff den Kicker ohne Zustimmung des Trainers von den Wölfen loseiste. War der Bankplatz für Schlager also eine Art Protest? Das bleibt unklar. Bemerkenswert ist dagegen, wie der Mittelfeldmann mit der Zurückweisung umging.

Der Trainer hat sich eben für andere entschieden. Das ist sein gutes Recht. Ich konzentriere mich auf Dinge, die ich beeinflussen kann.

Xaver Schlager über Domenico Tedesco

Schlager ackerte. „Es gab nie einen Moment, in dem ich dachte: Alles schlecht, ich spiele nicht, was mach‘ ich hier? Ich habe das getan, was getan werden musste. Ich bin dran geblieben, habe im Training hart gearbeitet, um für den Tag X bereit zu sein. Alles andere bringt nichts“, sagt er im Interview. Tedesco trägt er nichts nach - keine Selbstverständlichkeit in einem Geschäft, das zwar Mannschaftssport heißt, aber (viel zu) oft von Egoismen geprägt ist.

Habt ein entspanntes Wochenende und genießt den 2. Advent!

Eure Antje Henselin-Rudolph

Leiterin Sport Desk

 

Lese-Empfehlungen:

  • RB-Kicker im Außeneinsatz: Zwölf Mann sind mehr als Einer zu viel. Es sind genau zwölf Kicker, die derzeit zwar bei RB unter Vertrag stehen, aber auf Leihbasis in der Fremde kicken. Wie läuft es für sie? Und wie stehen die Chancen auf eine Rückkehr? Benjamin Post weiß mehr.
  • Der, der Größe zeigt: Kann man sich in einen Fußballer, bei dem die Stutzen auf halb acht hängen, schockverlieben? In einen Mann, der sich selbst als Fachkraft fürs Grobe bezeichnet und gerne eklig ist? Ja, kann man. Wenn er Xaver Schlager heißt. Guido Schäfer hat mit dem Österreicher gesprochen.
  • Er ist da: 1. Januar oder doch schon 1. November? Nein, es ist die Goldene Mitte. Max Eberl hat seinen Job als Geschäftsführer Sport bei RB angetreten und muss nun erst einmal sein neues Arbeitsumfeld kennenlernen. So verliefen seine ersten Stunden am Cottaweg.
  • Lernkurve Leipzig: Politische Bildung gehört (auch) ins Stadion. Davon ist das Team von „Lernkurve Leipzig“ überzeugt – und hat gemeinsam mit RB Leipzig und weiteren Partnern die Red Bull Arena zu einem von 25 Lernorten in Deutschland entwickelt. Alle Infos zum Projekt gibt‘s hier.
 

Podcast der Woche

Das WM-Aus macht auch vor Meigl und Guido nicht Halt. Die berühmt-berüchtigten Podcastler gehen allerdings höchst unterschiedlich mit dem K.o in der ersten Runde um. Während Meigls Ansatz mit dem Auszug der verwöhnten Stars aus ihren 600-Quadratmeter-Hotelsuiten und dem Einzug in Jugendherbergen zu tun hat, hält Schäfer das wärmende Miteinander in Gruppen-Schlafsäcken plus gemeinsamem abendlichen Starren ins Lagerfeuer für wenig zielführend. Vorschlag des Mainzer Patina-Paten in Richtung WM-Loser: „Geht in Euch, aber streichelt dem Typen, den ihr da trefft, nicht die Fontanelle, sondern verpasst ihm eine Kopfnuss. Das macht wach!“ Meigl, dereinst selbst abschlussstark beim Geigeln im Rosental, moniert, dass Hansi Flick den einzigen Mann, dem vorm Tor nicht das Beinkleid flattert, nicht kicken lässt. Niclas Füllkrug. Guido versteht nicht, weshalb die DFB-Fußballer zwischen den Spielen ihre Ehe-Frauen trafen. Als Franz Beckenbauer während der 90er WM seinen Männern nach dem Halbfinaleinzug sagte, dass die Spielerfrauen ins Teamhotel kommen dürfen, meldete sich Lothar Matthäus zu Wort. „Franz, nein, danke, wir sind hier zum Kicken, nicht zum ,äh, Händchenhalten.“ Konsequenzen aus dem japanischen 2:1 gegen Dani Olmo und Gefolge? Ja, Hoffmann/Schäfer haben ihren Spanien-Urlaub in die Tonne gekloppt, essen nie mehr Paella und trinken Sangria nur unter Androhung physischer Gewalt. Podcast Nummer 116 wird befruchtet durch Anrufe bei Ansgar Brinkmann, Alexander Zorniger und Jürgen Zielinski. Einer der Experten sagt: „Thomas Müller hört auf, manche hätten besser nie angefangen.“ Ja, reinhören lohnt!

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Foto der Woche

Josko Gvardiol schmiss sich in jeden Schuss und stemmte sich mit allen Kräften gegen die Urgewalt des belgischen Sturmriesen Romelu Lukaku. Mit Erfolg, am Ende stand bei Kroatien wieder hinten die Null und der Einzug ins WM-Achtelfinale, wo am Montag Deutschland-Schreck Japan wartet. "Er ist der beste Verteidiger der Welt", schwärmte Nationaltrainer Zlatko Dalic über den Kicker von RB Leipzig und fügte nach dem 0:0 gegen Belgien am Donnerstag hinzu: "Er ist erst 20. Wenn er jetzt noch nicht die Nummer 1 sein sollte, dann wird er es werden."

Klar ist: Maskenmann Gvardiol lehrt die gegnerischen Stürmer in Katar das Fürchten. Und wird mit jeder gelungenen Aktion wertvoller. Vor allem nach dem Auftritt gegen Belgien überschlugen sich die Kommentare in den (sozialen) Medien. Eine Lobeshymne jagte die nächste.

Josko Gvardiol schmiss sich in jeden Schuss und stemmte sich mit allen Kräften gegen die Urgewalt des belgischen Sturmriesen Romelu Lukaku. Mit Erfolg, am Ende stand bei Kroatien wieder hinten die Null und der Einzug ins WM-Achtelfinale, wo am Montag Deutschland-Schreck Japan wartet. "Er ist der beste Verteidiger der Welt", schwärmte Nationaltrainer Zlatko Dalic über den Kicker von RB Leipzig und fügte nach dem 0:0 gegen Belgien am Donnerstag hinzu: "Er ist erst 20. Wenn er jetzt noch nicht die Nummer 1 sein sollte, dann wird er es werden." Klar ist: Maskenmann Gvardiol lehrt die gegnerischen Stürmer in Katar das Fürchten. Und wird mit jeder gelungenen Aktion wertvoller. Vor allem nach dem Auftritt gegen Belgien überschlugen sich die Kommentare in den (sozialen) Medien. Eine Lobeshymne jagte die nächste.

 

Und sonst so?

Seit dem Sommer gehört er fest zum Profi-Kader von RB Leipzig. Nun gab es den ersten Profi-Vertrag für Sanoussy Ba. Der 18-Jährige unterzeichnete in dieser Woche ein bis Juni 2025 datiertes Arbeitspapier. Der U19-Nationalspieler, auf Außen zu Hause, genießt die Wertschätzung von Coach Marco Rose. „Sanoussy ist ein guter und talentierter Junge. Es macht Spaß, mit ihm zusammenzuarbeiten“, so der Trainer. „Er hat eine herausragende Dynamik, ist beidfüßig und flexibel einsetzbar.“ Ba selbst ist sehr stolz auf diesen nächsten Schritt.

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