Eishockey in unsicheren Zeiten

IceFighters Leipzig feiern Saisonauftakt und planen Energiesparmaßnahmen

Die Icefighters Leipzig präsentierten im Rahmen der Saisoneröffnung ihren neuen Kader und verabschiedeten Hannes Albrecht.

Die Icefighters Leipzig präsentierten im Rahmen der Saisoneröffnung ihren neuen Kader und verabschiedeten Hannes Albrecht.

Leipzig. Es ist der 20. August, im Kohlrabizirkus Leipzig liegt bereits das Eis. Bei zeitweise über 30 Grad Außentemperatur hatte der Eishockey-Oberligist in der vergangenen Woche begonnen, die Spielfläche vorzubereiten. Für die Kufen-Cracks längst Routine. Doch in diesem Jahr schweben bei den Leipzigern und all den anderen Eishockey-Clubs der Nation einige Sorgen mit – die steigenden Energiekosten stellen den Sport vor eine große Herausforderung. Bei der Saisoneröffnung der IceFighters an diesem Wochenende rückten diese Sorgen jedoch in den Hintergrund und ein ganz anderes Thema in den Fokus, denn es galt eine wahre Vereinslegende zu verabschieden.

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Eine Minute und vier Sekunden blinkten auf der Stadionuhr. Es waren die letzten 64 Sekunden in der Karriere von Hannes Albrechts. Vor der Schlusssirene erhoben sich Fans und Gäste vor dem Eiskämpfer. Seit November 2021 war klar, dass der Vollblutstürmer verletzungsbedingt nicht mehr angreifen kann. So fegte „Hansi“ am Samstag gemeinsam mit alten Weggefährten und Bekannten in seiner 292. und letzten Icefighters-Partie übers Eis.

Die Gegner: der neu aufgestellte Kader der Eiskämpfer. Das erste Match endete, getreu Albrechts Trikotnummer, 11:11. Ein Fest gab es im Anschluss im Eiszirkus. So manche Fete hatte auch Albrecht mit seinen Kameraden gefeiert. „Die gingen bis acht Uhr. Dann ging es direkt aufs Eis.“ Wie oft es solche Eskapaden gab, verriet er nicht. Nur so viel: „Oft.“ Ob Albrecht außer Dienst für immer dem Eissport fernbleibt? So richtig kann Albrecht nicht verneinen. „Ich habe meine Ausbildung zum Erzieher absolviert.“ Der Aufgabe wolle er erstmal nachgehen.

Eine Legende bei den Icefighters Leipzig: Hannes Albrecht.

Eine Legende bei den Icefighters Leipzig: Hannes Albrecht.

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Nach der Party ist jedoch vor der Pflicht. Für Cheftrainer Sven Gerike und sein Team gibt es viel zu tun. Am Montag beginnt das Team mit harten Trainingseinheiten in Vorbereitung auf die zwölfte Oberliga-Spielzeit. Der Coach fordert Vollgas. „Die Jungs sollen sich wieder daran gewöhnen, dass es glatt unter den Füßen ist.“

Sein Trainer-Gespann um Risto Kurkinen, Roberto Pohle und Nathan Robinson kann auf vier komplette Reihen bauen. Gerike und Co. setzen dabei weiterhin auf einen Mix aus erfahrenen und kampfeslustigen Spielern. Ein Rezept, das sich seit Jahren bewährt habe, so Gerike. Die Verantwortlichen zählen auf Urgesteine wie Florian Eichelkraut und Marvin Miethke, die in ihre elfte und zehnte Saison mit den Eiskämpfern gehen. Junge Wilde verstärken indes den Kader. Dabei mischen sieben Neuzugänge die Reihen auf.

„Für den Nachwuchs ist das eine große Gefahr“

Das definierte Saisonziel: das Heimspielrecht in den Playoffs erspielen. Dabei baut Gerike auf seine stark besetzte Defensive und sein kongeniales Goalie-Duo. Zugleich fordert er ein „bisschen mehr offensives Feuer.“ Pünktlich zum Punktspielbeginn am 23. September will Gerike mit seinen Eiskämpfern in Meisterschaftsform sein.

Gut ein Monat also, um sportlich in Form zu kommen und wirtschaftliche Fragen zu klären. Denn die Sommerpause brachte die Energiekrise mit sich. „Die Probleme haben sich verändert und verlagert“, sagt Gerike. Das Thema der hohen Strom- und Gaspreise steht auch auf der Agenda der Icefighters. Der Coach hofft, dass der Eishockey-Sport trotz der Preisexplosionen durch die Saison komme. „Und wir von Restriktionen verschont bleiben.“ Dass Lösungen gefunden werden müssen, ist Gerike klar. An Energie könne gespart werden. Daran arbeitet derzeit der Verein. Gemeinsam mit der Initiative Team-Sport-Sachsen, die bereits in der Corona-Pandemie eng zusammenhielt, wollen die Sportvereine der Region konkrete Pläne aufstellen.

Alte Weggefährten und der IceFighters-Kader feierten Hannes Albrecht gemeinsam mit den Fans.

Alte Weggefährten und der IceFighters-Kader feierten Hannes Albrecht gemeinsam mit den Fans.

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Auch die Verantwortlichen vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sind besorgt. „Es darf auf keinen Fall sein, dass unsere Sportstätten geschlossen werden. Für den Nachwuchs ist das eine große Gefahr“, sagte DEL-Chef Gernot Tripcke. „Das wäre am völlig falschen Ende gespart. Nirgendwo sonst hat der Sport in den letzten Jahren so gelitten wie in Deutschland. Vor Corona waren wir im Jugendbereich auf einem sehr guten Weg, dann fehlten den 15- bis 17-Jährigen auf einmal monatelang Eiszeiten. Das macht sich jetzt sehr problematisch bemerkbar.“

Ticket-Preise sollen stabil bleiben

Zahlreiche Vereine befürchten, dass besonders der Nachwuchs unter der nächsten Krise leiden könnte. Weitere Monate ohne Training auf dem Eis würden Deutschland im internationalen Vergleich noch weiter zurückwerfen. Immerhin im Profi-Bereich sei der Spielbetrieb wohl vorerst nicht gefährdet. „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Kosten an allen Standorten dramatisch nach oben gehen werden. Energie ist ein knappes Gut, zu Spielausfällen wird es aber nicht kommen“, zeigte sich der Geschäftsführer der Adler Manheim, Matthias Binder, optimistisch.

Die Energiekrise könnte den Sport in Deutschland teilweise verändern. „Der Weltverband und DEB machen sich derzeit sehr viele Gedanken. Bei Neubauten oder Sanierungen ist die Frage, inwieweit man den Strom selbst herstellt und die Hallen damit betreibt“, sagte Tripcke, der zudem mit immer mehr kleinen Eisflächen wie in Nordamerika rechnet: „Die benötigen schon 20 bis 30 Prozent weniger Energie.“ Auch von dicken Eisflächen dürfte man sich verabschieden und den Eismeistern mehr Arbeit verschaffen. „Aber dünneres Eis hat natürlich auch die bessere Energiebilanz“, sagt Tripcke.

Die gute Nachricht für die Fans in Leipzig: Das IceFighters-Team will seinen Anhängern weiterhin die Möglichkeit geben, die Heimspielstätte besuchen zu können und die Ticket-Preise stabil halten. „Wir wollen nicht an der Preisstellschraube drehen“, erklärte Gerike. An einigen anderen Schrauben werden die Eiskämpfer drehen müssen, so viel steht bereits fest.

Von Stephanie Riedel und Tilman Kortenhaus

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