Fußball

Im Olymp angekommen: Ex-RB-Coach Alexander Zorniger ist Meister in Zypern

Alexander Zorniger (Mitte) feiert mit Beniamino Molinari (li., Co-Trainer) und Jurek Rohrberg (re., Performance Coach, die rechte Hand von Zorniger) und Apollon Limassol den nationalen Titel.

Alexander Zorniger (Mitte) feiert mit Beniamino Molinari (li., Co-Trainer) und Jurek Rohrberg (re., Performance Coach, die rechte Hand von Zorniger) und Apollon Limassol den nationalen Titel.

Limassol/Leipzig. Als der 44-jährige Alexander Zorniger im Sommer 2012 das Trainer-Amt beiRB Leipzigübernahm, wurde schnell klar: Wenn seine Fußballer ihm bedingungslos folgen, ist der Aufstieg in die dritte Liga nur eine logische Konsequenz. Dieses Selbstverständnis hat Zorniger. Der gebürtige Schwabe, der sich bei Journalisten schon mal nach deren Ausbildung erkundigte, war bis dato nur Insidern ein Begriff. Jahrgangs-Bester beim Fußball-Lehrer-Lehrgang 2012, ließ im kleinen Großaspach großartigen Hochgeschwindigkeits-Fußball spielen, zweifelt zuallerletzt an sich selbst. Zorniger schwamm in dem kleinen Teich, in dem RB-Boss Ralf Rangnick nach einem Nachfolger für Peter Pacult fischte.

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Zwei schöne Aufstiege (2013 und 2014) und eine nicht ganz so schöne Trennung (2015) später blieb festzuhalten: Alles richtig gemacht! Zorniger zog am 2. Juni 2013 unterm Lotter Autobahnkreuz das Tor zur weiten Fußball-Welt auf und 2015 weiter. Nach Stuttgart, dann nach Bröndby. Er wurde mit den Kopenhagenern Pokalsieger, heuerte nach einer schöpferischen Pause 2021 bei Apollon Limassol an. Mission: Titel!

„Sie vergessen Schwäbisch Gmünd und Großaspach“

Zorniger, 54, lieferte und führte sein Team mit einem 4:1-Derby-Sieg gegen Aris Limassol (mit dem Ex-Auer Coach Aleksey Shpilevski) zur ersten zypriotischen Meisterschaft seit langen 16 Jahren. Es folgte eine rauschhafte Nacht und mediale Elogen auf jenen nicht gerade handzahmen Deutschen, dem sie diesen Erfolg nicht zugetraut hatten. Zorniger firmiert in Limassol ab sofort als Held, wird überall erkannt, kann aktuell nur zu ausgesuchten Zeiten mit seiner Frau Kristina und den beiden Kindern in die geliebten Strand-Restaurants.

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Überglücklich: Die Fans von Apollon Limassol.

Überglücklich: Die Fans von Apollon Limassol.

Anruf beim Meister-Trainer, morgens um acht. Zorniger: „Schon wach oder noch wach?“ Man kennt sich. Und mag sich. Jedenfalls ein bisschen. Ist der Anti-Alkoholiker während der tagelangen Festivitäten bei seiner Grapefruit-Schorle geblieben? „Ja, natürlich. Aber ich habe unserem 80-jährigen Platzwart versprochen, dass wir demnächst mit einem Bier anstoßen.“ Ein kleines Bier für zwei ausgewachsene Männer. Mittenmang waren Zweifel am Titel aufgekommen. Wie schon so oft in den vergangenen Jahren bei Apollon, als selbsterfüllende Prophezeiungen regelmäßig wahr wurden und die Meisterschaft kosteten. „Unser größtes Problem waren die Misserfolge der Vergangenheit“, sagt Zorniger, der mit seinen leitenden Kräften den Club ins Hier und Heute holte, den Glauben an den Erfolg vorlebte. Zorniger: „Ein Trainer hat nie alle Karten in der Hand.“ Aber er muss gut mischen können.

Die Aufstiege mit RB, der Pokalsieg mit Bröndby, die Meisterschaft im heißen und heißblütigen Limassol. Hat er eine persönliche Reihenfolge? Hat er nicht. Und überhaupt: „Sie vergessen Schwäbisch Gmünd und Großaspach.“ Wir lernen: Erfolg fühlt sich in jeder Liga und in jedem Wettbewerb gleich gut an. Jedenfalls bei Alexander Zorniger.

„Drücke aber natürlich RB die Daumen“

Am Sonntag wird nach dem letzten Spiel gegen Larnaka die Trophäe überreicht. „Pokal, Schale, ich weiß nicht, was wir überreicht bekommen.“ Apollon startet durch den Titel in der dritten Runde der Qualifikation für die Champions-League. Für die Fans des neuen Meisters ist klar: Es geht auf geradem Weg in die Gruppenphase. Die Familie Zorniger fährt jetzt erstmal in den Urlaub, nach Kopenhagen. Dort wurden die beiden Kinder der Zornigers geboren, steht noch mehr als ein Koffer.

Irgendwann wird Zyperns Trainer des Jahres, dessen Vertrag bis Sommer 2023 läuft, dem Anhang erklären müssen, dass die Gruppenphase in der Königsklasse Lichtjahre entfernt ist.

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Letzte Frage: Wer holt den DFB-Pokal, Herr Zorniger? „Ich schätze den SC Freiburg sehr, drücke aber natürlich RB die Daumen.“ Ein Tipp? Nein, kein Tipp. Ist was für Journalisten, sagt er, nicht für ihn. So ist er. Und bleibt er.

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