Fußball-Regionalliga

Kann Lok Leipzig das „konzentrierte und eklige Zweikampfverhalten“ beibehalten?

Julian Weigel (Mitte) zeigte beim 4:2 gegen Hertha BSC II ein ansprechendes Pflichtspiel-Debüt für Lok.

Julian Weigel (Mitte) zeigte beim 4:2 gegen Hertha BSC II ein ansprechendes Pflichtspiel-Debüt für Lok.

Leipzig. Der erbarmungslose Liga-Alltag hat in Probstheida schnell Einzug gehalten. Nach dem 4:2-Auftaktsieg gegen Hertha BSC II ist vor der ersten schweren Auswärtshürde. Mit ausschweifenden Bauchpinseleien wurde sich beim 1. FC Lok nicht lange aufgehalten, die (berechtigten) Lobeshymnen wichen sogleich nüchterner Auswertung und Vorbereitung auf die Berliner Viktoria, die an diesem Freitag (19 Uhr) auf die Truppe von Chefanalytiker Almedin Civa wartet.

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Civa sparte nach dem 4:2 nicht mit Komplimenten für seine Truppe. Er sah in Hertha die „wohl spielstärkste Mannschaft der Liga“, war hin und weg, mit welchem Eifer seine Elf dagegenhielt: „Das war ein vielversprechender Auftakt, vor allem der Einsatz hat gestimmt.“ Auch für das Zugpferd im vordersten Drittel, Djamal Ziane, hatte er lobende Worte parat: „Er musste sich gegen Top-Verteidiger beweisen, hat als Zielspieler die Bälle gut prallen lassen. Das hat er überragend umgesetzt.“

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Doch gegen die spiel- und dribbelstarken Berliner Bubis wurde auch die ein oder andere Ungereimtheit im Lok-Spiel aufgedeckt. Civa schnappte sich also umgehend die Filmrolle des MDR, verfatzte sich mit aufgeklemmtem Monokel ins Kaminzimmer und begann mit der akribischen Nachbereitung. Seine bedauernswerten Spieler durften sich am Dienstag in der resultierenden Videoanalyse die Leviten lesen lassen. Wer presste wann zu früh? Wer verließ allzu stürmisch den sicheren Hafen der Viererkette, offenbarte so kreuzgefährliche Lücken?

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Für solch eine schonungslose Kritik bedarf es Spieler mit stoischer Ruhe, Fähigkeit zur Selbstkritik und einer Aufmerksamkeitsspanne, die weit über die nächste Insta-Story hinausgehen kann. Welch glückliche Fügung, dass es bei der Loksche ein Füllhorn solcher Charaktere gibt, wissbegierige Youngster, die Civas Ausführungen wie ein Schwamm aufsaugen sind gepaart mit Altvorderen, die jegliche Verfehlungen eh schon selbst entdeckt hatten.

Piplica-Einsatz fraglich

Beispielsweise muss noch an der Feinabstimmung zwischen Außen- und Innenverteidigern gefeilt werden. Gerade gegen wieselflinke Flügelflitzer, die auch mal nach innen ziehen können, muss die Kette schneller geschlossen werden, Übergabe besser kommuniziert werden. Es gab natürlich auch Positives zu berichten. Civa lobte das „konzentrierte und eklige Zweikampfverhalten“ sowie das in vielerlei Ansätzen erkennbare „Umschaltspiel hinter die gegnerische Kette“.

Mentalität und Kampfgeist verliefen also schon kongruent zu des Trainers Vorstellungen. Genau jene Qualitäten werden sicher auch gegen Viktoria Berlin einer erneuten Prüfung unterzogen werden. Der Drittliga-Absteiger befindet sich zwar zwangsweise im Umbruch – 17 Zugänge stehen den 22 Abgängen gegenüber – doch das Zeug zur Euphoriekeule hat die Truppe des jungen und frisch aus der U-19 beförderten Neu-Trainers Semih Keskin allemal.

Ob der angeschlagene Zak-Paulo Piplica am Freitag schon wieder seine Zerstörungskraft ins Leipziger Mittelfeld einbringen kann, ist fraglich. Freilich gibt es Optionen, schon gegen Hertha hat Debütant Julian Weigel gezeigt, dass er den obersten Aufräum-Beauftragten adäquat ersetzen kann. Beim jungen Außenverteidiger Eunsoo Gong wird es ein Wettlauf mit der Zeit. Deutsche Behörden mahlen wohl langsamer als südkoreanische, seine Spielgenehmigung muss noch abgestempelt werden.

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