Fußball – Regionalliga Nordost

1. FC Lok Leipzig sauer über Spielverlegung beim Berliner AK: „Eine Farce!“

Lok Leipzig-Coach Almedin Civa muss sich auf das Sportliche konzentrieren – dafür fanden der Sportvorstand und die Geschäftsführung deutliche Worte für die Spielverlegung.

Lok Leipzig-Coach Almedin Civa muss sich auf das Sportliche konzentrieren – dafür fanden der Sportvorstand und die Geschäftsführung deutliche Worte für die Spielverlegung.

Leipzig. Für Fans der Regionalliga Nordost gehören Spielabsagen in den Wintermonaten einfach dazu. Bei Minusgraden, Schnee und Eis sind die wenigsten Plätze bespielbar, das wissen Vereine, Spieler, Zuschauer. Doch ob das abgesagte Samstags-Spiel zwischen Lok Leipzig und dem Berliner AK dieser Kategorie zugehört, da sind sich Fans und Verantwortliche nicht so sicher. Denn auf Drängen des Berliner Senats war die Partie im Berliner Poststadion bereits am Donnerstag abgesagt worden – reichlich zwei Tage vor dem Anpfiff. Der Platz sei in einem schlechten Zustand, wetterbedingt nicht bespielbar. Im blau-gelben Lager sorgten diese Begleitumstände für Unmut. Der Nachholtermin wurde auf Mittwoch um 19 Uhr terminiert.

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Vize-Präsident und Sportvorstand Torsten Kracht formulierte klare und deutliche Worte: „Die Spielabsage ist eine Farce, das muss man so deutlich sagen und dazu stehe ich auch. Das man an einem Donnerstagabend, 48 Stunden vor dem Duell, so ein Spiel absagt, habe ich überhaupt noch nie erlebt, das grenzt schon an Unsportlichkeit. Ich bin mehr als sauer!“ Sowohl der Zeitpunkt als auch die fragwürdigen Gründe für die Verschiebung auf Mittwoch werfen Fragen auf: „Angeblich ist das Wetter schuld gewesen, aber alle Vorhersagen haben Trockenheit und 7 Grad prognostiziert. Am Freitag spielen zudem zwei Berliner Klubs mit Lichtenberg und Viktoria ohne Probleme. Das ist eine Unverschämtheit seitens der Berliner, dieses Spiel in meinen Augen scheinheilig abzusagen.“ Bilder vom offensichtlich ganz soliden Zustand des Rasens in Berlin machten schnell im Internet die Runde, Lok-Präsident Thomas Löwe überzeugte sich höchstpersönlich von den vernünftigen Bedingungen in Berlin, reiste am Spieltag mit Kind und Kegel zum bereits gebuchten Erlebnis-Wochenende in der Hauptstadt an.

Drei Punkte für die sportliche Gerechtigkeit

Auch der Geschäftsführer der Loksche, Alexander Voigt stellt die Absage auf kurzem Dienstweg überdeutlich in Frage: „Uns passt die Absage überhaupt nicht, weil wir jetzt unnötiger Weise eine Englische Woche reingeschoben bekommen – zumal die Wetter-Begründung in unseren Augen mehr als zweifelhaft ist.“ Gemeinhin ist man dennoch froh, baldmöglichst einen Termin für den Nachholer gefunden zu haben, dann zählen nur noch sportliche Aspekte, alle Gaunereien und Mauscheleien werden keine Rolle mehr spielen. Torsten Kracht hat einen frommen Wunsch: „Wir wollten zeitnah spielen, um im Rhythmus zu bleiben und die Halbserie ordentlich bis zum 17. Dezember zu beenden. Für die Mannschaft und vor allem die Fans tut mir das leid, da hatten einige natürlich schon ihre Planungen in Richtung Berlin gemacht. Aber wir müssen nun eine Reaktion zeigen und am Mittwoch drei Punkte aus Berlin mitnehmen – das wäre dann die sportliche Gerechtigkeit.“

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Und die wäre für die Leipziger auch bitter nötig. Zuletzt gab es für die Loksche zwei Regionalliga-Niederlagen am Stück, gegen Lichtenberg verdiente man sich auch nicht mehr, gegen Meuselwitz hingegen war man das klar bessere Team – der Fußballgott war zu diesem Zeitpunkt wohl schon nach Katar gereist und überließ dem Praktikanten die Spielgestaltung. Dieses zweifelhafte Kunststück brachten die Blau-Gelben unter der zweieinhalbjährigen Ägide Almedin Civas überhaupt erst einmal fertig, als man am Ende der vergangenen Saison sogar drei Pleiten in Folge einstecken musste (Lichtenberg, Hertha II, BSG Chemie). Solche Statistiken zeigen immer wieder, auf welch' hohem Niveau der Klub mittlerweile agiert, eine echte Ergebniskrise gab es trotz der Qualität der Regionalliga bislang nicht. In vielen spielerischen Statistiken (Passqualität, Ballbesitz) rangiert Lok unter den besten Teams der Staffel. Daher will auch Almedin Civa nichts wissen von einer Überhöhung negativer Episoden, sein Blick ist stets auf das große Ganze ausgerichtet: "Ich weiß natürlich, wie die Medien und das Umfeld reagieren nach zwei solchen Spielen. Das ist bei jedem Klub dasselbe, es gibt nur zwei Extreme. Aber wir lassen uns die ganze Arbeit vorher nicht kaputt machen."

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Vielleicht kommt in der jetzigen Situation ein Gegner wie der Berliner AK gerade recht, um aufkeimender Kritik direkt einen Stock in die Speichen zu werfen. Der kriselnde Spitzenklub der Regionalliga Nordost leistete sich zuletzt ebenfalls eine kleinere Schaffenspause, holte aus den vergangenen drei Spielen lediglich einen Zähler. Der Vorsprung auf die versammelte Konkurrenz schmolz wie ein Schneemann im März auf ein mageres Pünktchen zusammen, am vergangenen (spielfreien) Wochenende wurde man gar von Rot-Weiß Erfurt vom Platz an der Sonne verdrängt.

Für den 1. FC Lok besitzt der Dezember richtungsweisende Eigenschaften, in vier anstehenden Topspielen muss die junge Mannschaft das Seminar Reife und Ruhe 101 im Schnellkurs ablegen – Aufschieben der Prüfungen unmöglich. Zum nächsten Heimspiel gegen den Chemnitzer FC am 4. Dezember erwartet die Fans zudem ein frisch geteerter Gehweg hinter der Tribüne – vorbei die Zeiten, in denen man bei der Halbzeitverköstigung auf Grobschotter jederzeit einen Bänderriss oder eine Sprunggelenksverletzung fürchten musste. Ein Schritt nach dem anderen – zunächst muss am Mittwoch ein Sieg her. Für ausreichend Spannung wurde gesorgt.

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