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Fußball

Lok-Stürmer Ziane nach Derby-Eigentor: „Hängt mir mehrere Tage nach“

„Vor ein paar Wochen hätte ich den reingemacht.“ Lok-Stürmer Djamal Ziane (r.) scheitert im Derby per Kopf an Chemie-Torwart Benjamin Bellot.

„Vor ein paar Wochen hätte ich den reingemacht.“ Lok-Stürmer Djamal Ziane (r.) scheitert im Derby per Kopf an Chemie-Torwart Benjamin Bellot.

Leipzig.Ein hitziges, verlorenes und leider auch handfestes Leipziger Stadtderby liegt hinter dem 1. FC Lok. Im Nachgang gab es eine Menge Diskussionsstoff. Viel Zeit, die Enttäuschung der 1:2-Niederlage zu den Akten zu legen, blieb nicht. Trainer Almedin Civa übte sich am Donnerstag trotz sichtlichen Grolls in überwiegend positiven Erklärungsversuchen: "Es ist natürlich immer blöd, ein Derby zu verlieren. Dennoch bin ich der Meinung, wir haben alles gegeben und unglücklich verloren."

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Dass der Fußball ein erbarmungsloser Ergebnissport ist, weiß Civa trotz nicht erst seit dieser Woche: „Am Ende stehen die null Punkte, wir müssen das hinnehmen und für die weitere Entwicklung aus unseren Fehlern lernen – gerade in der Defensive.“ Die Entwicklung der Mannschaft innerhalb seiner Spielphilosophie, welche der Trainer seit Wochen gebetsmühlenartig auf einem stetig aufsteigenden Ast wähnt, ist ihm das Allerwichtigste. Weil der Sport bisweilen Gefallen daran findet, tragische Geschichten zu produzieren, musste mit Djamal Ziane ausgerechnet einer der Erfahrensten im Leipziger Team mit seinem ungelenken Eigentor die wohl bitterste Kröte des Nachmittags schlucken.

„Ich verliere nie, entweder ich gewinne, oder ich lerne“

Auch Tage danach wirkt der Stürmer noch immer etwas in sich gekehrt, wohlwissend um die Tragik des Moments, als der Ball nach einer Ecke und einem leichten Schubser seines Gegenspielers im eigenen Tornetz einschlug: "Meiner Meinung nach wurde ich vorher gefoult, dabei bleibe ich, aber es hilft jetzt kein Hadern mehr. Ich habe noch nie ein Eigentor geschossen und nun ausgerechnet gegen die BSG Chemie, das wurmt mich natürlich sehr." Die Mannschaft habe laut eigener Aussage prächtig auf den Rückschlag reagiert, auch Ziane spürte keinen mentalen Bruch: "Im Spiel muss es direkt weitergehen, da hat man nur wenig Zeit, darüber nachzudenken. Aber ich bin auch ehrlich, bei mir hängt so etwas noch mehrere Tage nach. Es ist nicht so, dass man gar keinen Fuß mehr vor den anderen bekommt, aber man wird an den Folgetagen noch sehr oft mit einem solchen Moment konfrontiert."

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Wie eng Jubel und Trauer beisammen liegen, zeigte sich im ganzen Spiel der Blau-Gelben. Noch ein paar Minuten zuvor stand Ziane hoch in der Luft und hatte die Chance, das Derby per Kopf in ruhigeres Fahrwasser zu lenken, scheiterte nur knapp an Chemie-Keeper Benjamin Bellot: „Vor einem Monat hätte ich den wohl noch locker reingemacht, zur Zeit ist es aber leider nicht so.“ Dankbar zeigte sich Ziane angesichts der nicht enden wollenden Unterstützung seitens der Fans, die ihre Mannen nach Spielschluss mit aufmunternden Worten und Gesten bedachten: „Nach dem Spiel waren wir in der Kurve und da ist kein einziges böses Wort gefallen. Ich denke, die Leute haben gesehen, dass wir alles probiert haben und unglücklich verloren haben.“

Nun bleibt noch ein Spiel, um die so Gelobten im heimischen Bruno-Plache Stadion ein letztes Mal mit Gegenliebe zu versorgen. Am Sonntag (13 Uhr) geht es im Schlussakt dieser Saison gegen den FSV Luckenwalde. Ziane und seine Gefolgschaft wollen sich „noch einmal straffen, um den Fans einen schönen Abschluss einer eigentlich guten Saison zu bescheren.“ Und wenn im schlimmsten Fall wieder nicht gewonnen werden kann, dann muss Almedin Civa eben erneut den inneren Nelson Mandela entdecken, der einst sprach: „Ich verliere nie, entweder ich gewinne, oder ich lerne.“

Von Georg Meyer

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