Fußball 3. Liga

Mission Wiederaufstieg 2. Liga: Wie gut sind Dresden und Aue gerüstet?

In der vergangenen Saison trafen Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue in der 2. Bundesliga aufeinander.

In der vergangenen Saison trafen Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue in der 2. Bundesliga aufeinander.

Sachsen. Im Gleichschritt haben Dynamo Dresden und der FC Erzgebirge Aue in der vergangenen Saison die 2. Bundesliga als Absteiger verlassen. Was blieb, waren nur jeweils eine Hand voll Spieler und die Hoffnung, nach der Aufarbeitung der Gründe für den Absturz mit neuem Personal den sofortigen Wiederaufstieg anzupeilen. Jetzt sollen einige Fragen vor dem Saisonstart am kommenden Wochenende beantwortet werden.

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Sieht man die Handschrift des neuen Trainers schon?

Dynamo Dresden:  Sportchef Ralf Becker hat die Verpflichtung von Markus Anfang, der nach dem Bekanntwerden seiner Impfpassfälschung im November 2021 immer noch mit den Folgen konfrontiert ist, gegen alle Widerstände durchgesetzt. Rein fachlich ist die Verpflichtung des 48-Jährigen für den Zweitligaabsteiger ein absoluter Coup. Seine Handschrift ist klar zu erkennen. Die Defensivkette der Dresdner gehört zweifelsohne zu den besten der Liga. Im Übergang zum Offensivspiel verfügen die Dresdner über viel Tempo und Trickreichtum. Da drei der insgesamt sieben Testspiele jedoch ohne eigenen Torerfolg endeten, zeigt sich, dass in puncto Kaltschnäuzigkeit noch Luft nach oben ist.

FC Erzgebirge Aue:  Timo Rost war der Wunschkandidat der Clubführung für die Nachfolge des ursprünglich nur noch als Sportdirektor vorgesehenen, mittlerweile aber entlassenen Pavel Dotchev. Erst nachdem Rost mit seinem bisherigen Club SpVgg Bayreuth den Drittliga-Aufstieg geschafft hatte, wurde der 43-Jährige auch offiziell vorgestellt. Sein neues Team baute Rost fast ausschließlich mit Spielern zusammen, die er aus der Vergangenheit kannte. "Mir ist wichtig, in der Kaderplanung zu wissen, welchen Kicker bekomme ich", sagte Rost. Die Spielweise ist dann auch auf das Personal zugeschnitten. Es geht direkt nach vorn, große Schnörkel sah man eher nicht in den Vorbereitungsspielen. Allerdings offenbarte die Deckung auch noch die eine oder andere Lücke.

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Wie eingespielt ist das Team nach dem personellen Umbruch?

Dynamo Dresden:  Insgesamt 19 Profis haben den Verein nach dem Abstieg verlassen. Elf Neuzugänge wurden verpflichtet, zudem gehören aktuell vier vormals verliehene sowie vier Nachwuchsspieler zum aktuellen Kader. Der ist mit 29 Akteuren aufgebläht, da Anfang eigentlich mit 24-27 Spielern arbeiten wollte. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Dynamo noch nach punktuellen Verstärkungen sucht, zeitgleich aber auch das ein oder andere Talent abgibt. In den Testspielen wurde viel probiert, eine klare Startformation ist aber noch nicht zu erkennen. Der Zweikampf im Tor scheint nach wie vor offen, Sven Müller und Stefan Drljaca haben sich gleichermaßen beweisen können. Auch im Mittelfeld und auf den offensiven Außenbahnen scheint die Entscheidung noch nicht gefallen. Nichtsdestotrotz steht das Grundgerüst.

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FC Erzgebirge Aue:  Die Auer ersetzten die 16 Abgänge nach dem Zweitliga-Abstieg 1:1 mit 16 neuen Spielern, von denen kaum einer höher als Liga drei spielte. Rost probierte in den Testspielen viel, wer am besten zu welchem Mitspieler passt. Beim 2:2 gegen Greuther Fürth II sah die Startformation schon so aus, als ob es auch die für das Auftaktspiel am Sonntag beim SC Freiburg II sein könnte. In der Elf standen nur noch drei Kicker, die auch in der 2. Bundesliga das Auer Trikot trugen. Und diese Mannschaft zeigte vor allem offensiv bereits eine hohe Qualität. Mit einer Ausnahme: Die vielen Großchancen wurden nicht ansatzweise effektiv genutzt. Rost betonte aber immer: "Es gibt bei uns nicht die erste Elf."

Welche Neuen übernehmen Führungsaufgaben?

Dynamo Dresden: In erster Linie sind Kapitän Tim Knipping und der gebürtige Dresdner Stefan Kutschke mit den Führungsaufgaben betraut. Yannick Stark, der sich im Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:2) einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen hatte, findet allmählich zu alter Stärke zurück und konnte die Achse aus dem Mittelfeld heraus komplettieren. Die vergangene Spielzeit hat aber eindrucksvoll gezeigt, dass die Meinungsführung auf dem Platz mehr als drei Schultern braucht. Gerade wenn die sportlichen Ergebnisse ausbleiben, müssen auch Neuzugänge und Youngster in die Bresche springen. Das funktioniert aber nur, wenn deren Meinungen schon vorher gehört und aufgegriffen werden.

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FC Erzgebirge Aue: Spieler, die ein Team führen können, haben die "Veilchen" einige. Allen voran die Auer Urgesteine Martin Männel und Dimitrij Nazarov. Mit dem ehemaligen Dresdner und Wolfsburger Profi Marvin Stefaniak, mit Elias Huth, aber auch mit Steffen Nkansah oder Korbinian Burger haben die Auer erfahrene Spieler geholt, die den Ton angeben können, auf und neben dem Platz Kommandos geben. Es wird interessant sein zu sehen, wer wirklich das Heft des Handelns in die Hand nimmt, vor allem auch dann, wenn es nicht wie gewünscht läuft. In der Abstiegssaison fehlte es an mannschaftlicher Geschlossenheit und an Leaderfiguren, die von allen auch akzeptiert wurden.

Wie ist die Stimmung im Verein grundsätzlich nach dem Abstieg und vor der Saison?

Dynamo Dresden: Gemischt. Die Elbestädter stecken irgendwo zwischen neuem Mut und dem starren Verharren in alten Mustern. Die Unterstützung der Fans ist – gemessen an den Dauerkartenverkäufen – für Dynamo-Verhältnisse ausbaufähig. Mannschaft und Vereinsführung haben in den vergangenen Monaten viel Kredit verspielt. Diesen gilt es nun zurückzuerobern, da das heimische Stadion nur so wieder zu der Festung gemacht werden kann, die es einst war. Intern schwelen immer noch kleinere Brandherde, die bei ausbleibenden Ergebnissen zur Bedrohung werden könnten.

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FC Erzgebirge Aue: Hört man sich im Lößnitztal um, dann herrscht Aufbruchstimmung. Die Fans haben den Abstieg verziehen, scheinen auch mit den vielen Neuen zufrieden zu sein. Generell ist man aber noch nicht ganz mit der Analyse der völlig verkorksten Saison fertig. Die Mitgliederversammlung jedenfalls offenbarte, dass es doch noch Baustellen gibt, dass man auch in der Führungsetage untereinander noch nicht alles geklärt und damit abgehakt hat. Die neue Mannschaft aber ist bereit, die meisten Kicker hatten mit dem Abstieg ohnehin nichts zu tun und können unbelastet die neuen Aufgaben angehen.

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Wie lautet die Prognose?

Dynamo Dresden: Die SGD dürfte aufgrund der Breite des Kaders und der Entwicklungsmöglichkeiten, die dieser bietet, eine gute Rolle im oberen Tabellendrittel spielen. Ob es wie in der Saison 2020/21 erneut mit dem direkten Wiederaufstieg klappt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Schwung und Selbstvertrauen sich die Mannschaft in den ersten Partien erarbeiten kann. Ein Platz unter den Top drei ist durchaus möglich, keinesfalls aber eine logische Konsequenz.

FC Erzgebirge Aue: Rost hat einen breiten, interessanten Kader zur Verfügung. Allerdings muss dieser, genau wie der Trainer, das harte Geschäft 3. Liga erst einmal kennenlernen. Sollte der direkte Wiederaufstieg gelingen, wäre das sicherlich eine Überraschung.

Von Gerald Fritsche Lucas Böhme

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