Fußball-Regionalliga Nordost

Nach Torfestival: Lok Leipzigs Physiotherapeuten mit Schweißperlen auf der Stirn

Lok Leipzigs Sascha Pfeffer wird behandelt.

Lok Leipzigs Sascha Pfeffer wird behandelt.

Leipzig. Nach dem souverän herausgespielten Tor-Festival gegen TeBe Berlin beginnt die Zeit der Analyse und Einordnung in Probstheida. Denn längst nicht alles war Gold, was blau-gelb glänzte. Zudem stehen den Physiotherapeuten schon Schweißperlen auf der Stirn, zahlreiche Wunden schreien nach Labsal.

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Für Resultate wirst du bezahlt – für Ausreden gefeuert. Und die Resultate stimmen beim 1. FC Lok Leipzig zu Saisonbeginn. Mit sieben Punkten aus den ersten drei Partien grüßte man am Samstag sogar kurzzeitig von der Tabellenspitze. Die "Spitzenreiter" - Rufe von den Rängen quittierte der Trainer Almedin Civa allerdings mit nüchterner Professionalität: "Wenn man Pessimist ist, sagt man letzte Woche noch, dass wir nur vier Punkte vom Abstieg entfernt sind. Ich bin zu lange im Geschäft für solche Spielereien. Aber es ist natürlich was Schönes, wenn die Fans sich freuen können, man sieht ja, dass alle um uns herum auch punkten."

Ein Heimsieg gegen das Schlusslicht der Tabelle war fest eingeplant, doch bereits im Vorfeld wiesen die Verantwortlichen auf die drohende Gefahr einer Trotzreaktion hin, mahnten högschde Konzentration an. Offenbar drangen diese Worte problemlos in die akkurat frisierten Köpfe der Protagonisten, die Loksche stürmte aus dem Gatter wie ein Bulle beim Rodeo. Die völlig verdutzten Gäste sahen eine Flanke nach der anderen in das innerste Heiligtum ihres Strafraums segeln, rannten permanent hinterher. Dass die Kugel volle 45 Minuten lang nicht die Berliner Torlinie überqueren konnte, ist ein Treppenwitz des Fußballs. Offenbar irritiert vom gravierenden Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag zogen die Akteure kurzzeitig die Notbremse, nahmen Tempo und Hektik aus dem Spiel, wollten über mehr Ruhe und Kontrolle zum Erfolg kommen. Der Trainer schrubbte beinahe ebenso viele Kilometer, wie seine Mannen, sprang wie ein Derwisch auf und ab. Seine Erklärung zum fahrlässigen Chancenwucher in Halbzeit eins: „Wir haben volle Kontrolle und jede Menge Chancen, jedoch sind wir oft noch zu hektisch. Wir müssen die Ruhe bewahren und nicht immer überhastete Flanken hinein schlagen, wenn der Djamal Ziane da gegen drei Verteidiger steht und es schwer hat.“

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Dieses Vabanquespiel wäre fast noch bestraft worden, als es kurz vor der Pause zu einer seltenen TeBe-Sichtung im Leipziger Strafraum kam. Für den Chef-Ornitologen Civa, der schon alles gesehen und daheim katalogisiert hat, die logische Konsequenz: „Die Phase am Ende der ersten Halbzeit ist typisch! Wir denken, eigentlich müssten wir mit drei Toren führen und dann kommt so ein angeschlagener Gegner und kann alles auf den Kopf stellen. Plötzlich lassen die ein, zwei Leute vorne stehen, spielen den langen Ball und können quer ablegen – solche Konter kannst du in dieser Liga immer fressen.“ Über Arbeitsmangel kann sich der Trainer nicht beklagen, die Entwicklung seiner Mannschaft muss kontinuierlich befeuert werden: „Jede Partie beginnt bei Null. Wir müssen weiter von Spiel zu Spiel lernen, abgekochter werden.“

Medizinische Abteilung im Dauerbetrieb

Das ganze Stadion verfiel beinahe schon in Agonie und zweifelte jegliche irdische Sinnhaftigkeit an, als Pfeffer dem Spuk endlich ein Ende setzte. Verzweiflung ist keine Grube, sondern eine Leiter. Viele scheitern beim Versuch, sie zu erklimmen, nicht so der Kapitän. Mit seinem platzierten Türöffner zauberte er das Lächeln zurück in die Gesichter, hob die Schultern seiner Mitspieler wieder auf Gardemaß. Nach dem Spiel gab er erleichtert zu Protokoll: „Wir wollten unbedingt ein schnelles Tor heute schießen. Das hat nicht geklappt und dann fing es bei uns allen ein bisschen an, im Kopf zu rattern und wir wurden ungeduldig. Mein Tor war natürlich die Erlösung, danach haben wir es cool und souverän runtergespielt.“

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Pfeffer selbst könnte den verdienten Sieg letztlich teuer bezahlt haben, sein notdürftig bandagierter Fuß glich nach seiner Auswechslung eher einem Huf: „Mal schauen, was die Behandlungen ergeben. Ich wollte eigentlich nach dem Schlag weiterlaufen und habe dann ein Stechen gespürt. Ich denke aber, dass die Knochen nicht betroffen sind und es nur eine heftige Schwellung erst einmal ist.“ Die medizinische Abteilung kann sich derzeit nicht fristgerecht ausstechen, viele malade Gliedmaßen müssen geflickt werden, nun muss auch noch ein Bett für Pfeffer gefunden werden. Djamal Ziane hielt 90 Minuten tapfer durch, musste aber beißen. Eric Voufack ist krank – bleibt zu hoffen, dass mit etwas Zwieback und Wadenwickeln wieder Saft in den Astralkörper gelangt. Isa Dogan wird laut Civa „wenn alles normal läuft, gegen Greifswald wieder im Tor stehen. Danach hat er seine Kieferoperation, alles ist abgesprochen mit unseren Torhütern.“

Am kommenden Sonntag steht das Gastspiel an der Küste an, der blau-gelbe Zug rollt quälend lang über die Autobahn nach Greifswald. Dort soll möglichst der nächste Dreier geholt werden. Und wenn nicht, dann hilft zumindest die gute Meeresluft bei der Regeneration diverser Wehwehchen.

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