Radsport

Ohne Leipziger Felix Groß geht es nicht: Bahn-Vierer nur WM-Siebter

Der Bahn-Vierer landet bei der WM auf Rang sieben – einige starke Fahrer wie Leipziger Felix Groß hatten gefehlt.

Der Bahn-Vierer landet bei der WM auf Rang sieben – einige starke Fahrer wie Leipziger Felix Groß hatten gefehlt.

St. Quentin-en-Yvelines. Felix Groß lehnte sich relativ entspannt zurück und schaute zusammen mit Bruder Franz am Mittwochabend die TV-Übertragung der Bahnrad-Weltmeisterschaften in St. Quentin-en-Yvelines. Nach 3:52,057 Minuten blieben in der Mannschaftsverfolgung für Tobias Buck-Gramcko (Göttingen), Nicolas Heinrich (Zwickau), Theo Reinhardt (Berlin) und Leon Rohde (Wedel) die Uhren stehen – gut, aber nicht gut genug, um am Donnerstag in den Kampf um die Medaillen einzugreifen. „Die Zeit ist gut, dennoch sind wir seit einiger Zeit bei der Zeit stehengeblieben. Bis zur Weltspitze ist es noch ein großer Sprung“, übermittelte Groß am Tag danach per Kurznachricht.

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„Der Lauf war nicht gleichmäßig genug“, erklärte Bundestrainer Tim Zühlke nach dem Rennen. Eigentlich war eine Zielzeit von 3:50 Minuten angepeilt. „Die haben wir klar verfehlt“, so der Erfurter, der dennoch nicht von einer Stagnation sprechen wollte: „Das wäre zu hart.“ Trotz Platz sieben hält Zühlke für die Olympischen Spiele an gleicher Stelle an seinem vor einem Jahr kühn formulierten Ziel vom kleinen Finale um Bronze fest. 21 Monate bleiben bis zu den olympischen Wettbewerben an gleicher Stelle, einem Vorort von Paris.

Felix Groß bei einem Besuch im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig.

Felix Groß bei einem Besuch im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig.

Seit dem Jahr 2000 wartet der deutsche Männer-Vierer inzwischen auf eine olympische Medaille. In Sydney fuhr das Quartett um Jens Lehmann mit Weltrekord zu Gold. Das letzte Mal Edelmetall bei einer WM gab es vor 20 Jahren – in Kopenhagen gehörte ebenfalls der Leipziger zum erfolgreichen Quartett. Längst hat der Frauen-Vierer den Männern den Rang „abgefahren“. 2021 gab es Olympia-Gold mit Weltrekord-Zeit sowie die WM- und EM-Titel und die Ehrung zur „Mannschaft des Jahres“.

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Team, Nationalmannschaft und Groß sind in Gesprächen

Von ähnlichen Erfolgen sind die Männer ein gutes Stück entfernt. Immerhin: Nachdem die Mannschaft 2008 in Peking und vier Jahre später in London die Olympia-Qualifikation in der Verfolgung verpasste, begann 2012 eine Neuausrichtung und ein Neuaufbau. Fast 20 Sekunden fahren die deutschen Männer schneller als vor zehn Jahren, die Spitze ist aber weiter etwa sechs Sekunden voraus. Die Plätze fünf (2016) und sechs (2021) bei den Spielen in Rio und Tokio sowie beständige Top-8-Platzierungen bei Weltmeisterschaften bestätigen ebenfalls einen Aufwärtstrend, sind aber eben weiterhin nicht der Anspruch.

Felix Groß war im letzten Olympia-Zyklus Stammkraft als Anfahrer im deutschen Vierer, der in Tokio den deutschen Rekord auf 3:48,861 Minuten verbesserte. Kurz danach wechselte Groß als Profi auf die Straße und verdient seitdem als Profi beim World-Tour-Team UAE Emirates sein Geld, was Einsätze auf der Bahn nicht einfacher machte. Schließlich müssen jetzt die Bedürfnisse seines Teams, der Nationalmannschaft und des Sportlers auf einen Nenner gebracht werden. Für die WM in dieser Woche klappte das nicht. „Im Vorfeld hat es Abstimmungsprobleme gegeben, sodass wir uns geeinigt haben, ohne Felix an den Start zu gehen“, erklärte Sportdirektor Patrick Moster diplomatisch und betonte zugleich: „Wir wollen in Paris 2024 um eine Medaille mitfahren. Dieses Ziel können wir aber nur zusammen mit Felix Groß erreichen.“

Mit den ehemaligen Junioren-Weltmeistern Tobias Buck-Gramcko (zurzeit im Auslandssemester) und Nicolas Heinrich (Ausbildung bei der Bundespolizei), der sich im August bei den European Championships in beeindruckender Manier den Europameister-Titel in der Einerverfolgung sicherte, hat Bundestrainer Zühlke erfolgreich zwei Fahrer des Jahrgangs 2001 eingebaut. Mit Theo Reinhardt (32 Jahre) und Leon Rohde (27) waren bei der WM zudem zwei Sportler dabei, die Olympia-Erfahrung haben. Gesetzt für Paris 2024 scheinen derzeit nur Buck-Gramcko und Heinrich. Ein Fahrer mit dem Niveau von Felix Groß stünde dem deutschen Vierer zweifellos gut zu Gesicht. „Felix hat die letzten Jahre gezeigt, was er kann und wäre definitiv eine Verstärkung“, sagte Zühlke. Wie und wann eine Rückkehr von Felix Groß auf die Bahn gelingen kann, konnte in St. Quentin-en-Yvelines indes niemand sagen. Nur so viel ist klar: Team, Nationalmannschaft und Groß sind in Gesprächen. Ausgang offen.

Von Thomas Juschus

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