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Fußball

Pokalfinale zwischen RB Leipzig und Freiburg: Es winkt Unsterblichkeit

Nur gucken, nicht anfassen: Bei der Pressekonferenz haben Peter Gulacsi (r.) und Domenico Tedesco den Pokal im Blick. Am Samstag wollen sie ihn in den Himmel recken.

Nur gucken, nicht anfassen: Bei der Pressekonferenz haben Peter Gulacsi (r.) und Domenico Tedesco den Pokal im Blick. Am Samstag wollen sie ihn in den Himmel recken.

Berlin. Trainer-Wechsel? Gehören zur lasterhaften Kickerei, sind untrennbar miteinander verwoben. Wie Dick und Doof, Moby und Dick und Sodom und Gomorra. Ab und an mündet die Erneuerung des schwächsten Gliedes der Kette in beiderseitigem Gefallen. Dann fallen sich Club-Chef und Cheftrainer in die Arme, flüstern Liebesbotschaften, wissen, dass es gut war, ist und vielleicht noch besser wird. Eine derartige Szene war nach dem 2:1-Sieg der Roten Bullen im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Union Berlin zu beobachten. RB-Chef Oliver Mintzlaff griff sich Coach Domenico Tedesco. Man schaute sich an und erinnerte aneinander wortlos an den kalten Dezember 2021, als RB fast keine Punkte und Tedesco gar keinen Job hatte. Als man ja zueinander sagte und mit viel Rhythmus im Blut ins Abendrot ritt, ja glitt.

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Das Trainer-Thema

Folge der Dezember-Eheschließung: Die Saison 2021/2022 ist schon jetzt die beste der RB-Geschichte und könnte heldenhafte Züge annehmen. Am Sonnabend, 20 Uhr, stehen sich RB Leipzig und der SC Freiburg im DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion gegenüber. Die Sieger dürfen sporthistorische Unsterblichkeit für sich reklamieren, die Verlierer werden weiterhin ein auskömmliches Leben führen und von Pötten träumen.

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Kurz vorm medialen Vorspiel, das von den Cheftrainern Christian Streich, 56, und Domenico Tedesco, 36, und ihren Kapitänen Christian Günter, 29, und Peter Gulacsi, 32, mit Leben gefüllt wurde, ploppten zwei Breaking News auf. Breaking News sind keine neuen Brechmittel, sondern Neuigkeiten, bahnbrechende. Erste News: Gerhard Schröder, 78, nimmt seinen Hut beim russischen Ölkonzern Rosneft. Zweitens: Borussia Dortmund und Marco Rose, 45, trennen sich im beiderseitigen Einvernehmen. Nein, der fußballaffine „Acker“ Schröder wird nicht der zehnte BVB-Coach in den vergangenen acht Jahren. Und, ja, man kann beiderseitiges Einvernehmen auch Entlassung nennen.

Mit dem Wissen von heute bzw. gestern bleibt festzuhalten, dass die Trainerwechsel vom Sommer 2021 (fast ausnahmslos) Schüsse in den Ofen waren.

Der BVB hat für den Leipziger Marco Rose fünf Millionen Euro in die Hand genommen und damit sich, die Gladbacher und Rose nicht glücklicher gemacht. Die Gladbacher haben sieben Millionen Euro rausgetan, um Adi Hütter aus Frankfurt loszueisen. Dieser Tage trennte man sich: einvernehmlich oder so.

„Wahnsinn für mich und sehr überraschend“

Wolfsburg? Hat Mark van Bommel und Florian Kohfeldt verschlissen.

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RB? Hat über 20 Millionen Euro für Julian Nagelsmann eingesackt und setzte erst aufs falsche, dann aufs richtige Pferd.

Die Bayern? Fragen sich, ob der zehnte Titel hintereinander auch zu zehnt und ohne Trainer herumgekommen wäre.

Nur die Frankfurter Europapokal-Helden sind mit ihrem Oliver Glasner rundum glücklich.

Tedesco zum Rose-Aus: „Das ist Wahnsinn für mich und sehr überraschend.“ Streich: „Ich kann mich dem Kollegen nur anschließen.“

Das Pokalfinale elektrisiert die halbe Fußball-Welt und wird einen Gewinner hervorbringen, der noch nichts Großes gewonnen hat. Wobei man den zweimaligen Sachsenpokal-Sieg der Roten Bullen und Streichs Triple beim Junioren-Vereinspokal mit dem SCF durchaus nicht kleinreden sollte. Alles zu seiner Zeit, in seiner Liga und Altersklasse.

„Der Hunger ist extrem groß“

Im Hier und Jetzt geht es um den leibhaftigen DFB-Pokal. Und um gegenseitige Wertschätzung. Für Tedesco hat sich der SC zu einem „deutschen Topverein“ gemausert. „Das ist kein kleiner Verein mehr.“ Streich lobt den Weg der Roten Bullen nach dem gemeinsamen Aufstieg 2016 und sagt zum Werdegang seines Herzensvereins (SC, nicht RB!) „Wir haben in der Vergangenheit ein paar Sachen gemacht, die nicht ganz falsch waren.“ Die Freiburger Nachwuchsförderung ist in der Liga führend, das Einkaufsnetz immer wieder mit Kickern bestückt, die (noch) keiner kennt. Als Tedesco Trainer bei Spartak Moskau war, gab es Besuch aus Freiburg, der intime Kenntnisse über die russische Liga und Tedescos Kader hatte. Wir halten fest: Der SC Freiburg ist blickig und glänzend aufgestellt. Und: Streichs Fußballer können mit dem Ball etwas anfangen, haben aber auch einen prall gefüllten Werkzeugkasten, wenn es gegen den Ball geht.

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Eine Überlieferung aus der 534-jährigen DFB-Pokal-Geschichte geht übrigens so: Ein Finale spielt man nicht, man gewinnt es. Ein Pokalsieg wäre demnach wie, Herr Streich? „Toll! Wir brauchen die bestmögliche Leistung. Wenn wir nicht gewinnen, geht die Welt auch nicht unter.“ Und für Sie, Herr Tedesco? „Natürlich wollen wir den Pott!“ Podiumsnachbar Gulacsi: „Wir wollen eine erfolgreiche Rückrunde krönen. Der Hunger ist extrem groß. Wir werden alles geben, bis ans Maximum gehen. Wir wissen, was der Titelgewinn dem Verein, der Stadt und der Region bedeutet.“

RB hat alle Mann an Bord, die Busreise zum Hotel Waldorf Astoria dauerte entspannte zweieinhalb Stunden. Wer läuft auf? Angeliño hat sich in Bielefeld nach seiner Auswechslung suboptimal benommen, könnte seinen Platz an Benny Henrichs oder Marcel Halstenberg verlieren. Josko Gvardiol war im körperlichen Tief, hat in Halstenberg einen fitten Konkurrenten. Sprinter Lukas Klostermann soll auf der rechten Seite den Freiburger Dampfmacher Günter nicht nur bei Mondschein begegnen.

Emil Forsberg, Held des Halbfinal-Erfolges gegen Union, wird spielen. Früher oder später oder gleich.

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