Bundesliga

Stühlerücken in der Chefetage: Florian Scholz verlässt RB Leipzig

Florian Scholz verlässt RB Leipzig.

Florian Scholz verlässt RB Leipzig.

Leipzig. Prominentes Stühlerücken bei RB Leipzig: Florian Scholz, seit 2015 beim Verein und zuletzt Kaufmännischer Leiter Sport, zieht sich aus der ersten Reihe zurück, übernimmt in Kürze im Konzern einen hoch angebundenen Posten als Berater. Zu den Klienten des glänzend vernetzten 43-Jährigen werden im neuen Amt Red-Bull-CEO Oliver Mintzlaff und die vom Brause-Giganten unterstützten Fußball-Clubs aus Salzburg, New York, Brasilien und Leipzig gehören. Scholz wandelt hauptamtlich in Matthias Sammers nebenberuflichen Spuren. Ohne Sammer wird beim BVB keine Bemme geschmiert, kein Schraubstollen, wohl aber der eine oder andere Übungsleiter gewechselt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der gebürtige Hamburger Scholz spricht via Presseaussendung von einer „Wunschlösung“ nach „einer wunderschönen Reise“ auf dem RB-Weg zu Anerkennung und Größe. „Ich wünsche allen Beteiligten das richtige Händchen und weitere Erfolge.“ Möglicherweise wird sich der zweifache Familienvater auch räumlich verändern, die neue Aufgabe ist nicht an einen Ort gebunden. Salzburg? Hamburg?

Umkehrschluss aus der Scholz-Veränderung: RB-Manager Max Eberl braucht in seiner Führungscrew einen Ersatzmann mit Stammspieler-Qualitäten. Weil sich nicht nur Eberl gerne mit bekannten und bewährten Kräften umgibt, könnte die Akte Rouven Schröder zur Wiedervorlage kommen. Eberl wollte Schröder einst nach Gladbach holen. Gegen einen neuerlichen (und erfolgreichen) Versuch spricht: Schröder ist erst Ende Oktober von der Schalker Kommandobrücke gestiegen. Leer und verbraucht. Eberls Spezi befindet sich nach wie vor im Erholungsmodus. Ein zeitnahes Miteinander ist eher unwahrscheinlich.

„Offensiv, attraktiv, erfolgreich“

Juli 2015, hier kommt Scholz! Als Florian Scholz 35-jährig die Chefredaktion der Sport Bild verlässt, um die Hauptabteilung Kommunikation bei RB zu übernehmen, lecken die Roten Bullen die Wunden aus der Zweitliga-Saison 2014/15 mit indiskutablen vierzehn bzw. neun Punkten Rückstand auf die finanziell weit schlechter gestellten Aufsteiger Ingolstadt und Darmstadt. Die öffentlichen Besprechungen kulminieren in der süßsauren Feststellung, dass Erfolg, Image und Beliebtheitswerte nicht käuflich sind und es in Leipzig an Identifikation, Herzblut und Volksnähe fehlt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Es war einer der ersten öffentlichen Auftritte von Florian Scholz bei RB Leipzig: die Vorstellung von Atinc Nukan (l.) am 3. Juli 2015 gemeinsam mit Ralf Rangnick (M.).

Es war einer der ersten öffentlichen Auftritte von Florian Scholz bei RB Leipzig: die Vorstellung von Atinc Nukan (l.) am 3. Juli 2015 gemeinsam mit Ralf Rangnick (M.).

Tiefdruckgebiet Cottaweg: Die Roten Bullen hängen im Sommer 2015 durch wie eine Bogenlampe im Zetkin-Park. Sie brauchen unbedingt Erleuchtung, frische Winde, Ideen - und auch stressresistente Fußballer.

Sportdirektor Ralf Rangnick liest dem Cheftrainer Rangnick diverse Wünsche von den Lippen ab, holt grimmig-brustbehaarte Typen wie Peter Gulacsi, Marcel Sabitzer, Stefan Ilsanker, Davie Selke, Marcel Halstenberg und Willi Orban. Rangnick sagt mit Blick auf den teuersten Kader des Unterhauses, dass es keine Alternative zum Aufstieg gibt. Scholz sagt, dass Spielweise und Öffentlichkeitsarbeit Hand in Hand gehen werden: „Offensiv, attraktiv, erfolgreich.“

Steigende Beliebtheitswerte

RB steigt auf - sportlich und in Sachen öffentlicher Wahrnehmung. Unter Medienprofi Scholz öffnet sich die Auster RB, stehen Homestorys und Führungen durch die heiligen Hallen am Cottaweg nicht mehr auf dem Index, finden soziale Medien Widerhall, wird keine TV-Einladung ausgeschlagen, werden Themen gesetzt und nicht wiedergekäut.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Lesen Sie auch

Erfolg und neue Freunde: Vize-Meisterschaft, Dauergast in der Champions League und bei Presse/Funk/Fernsehen, der Pokalsieg ohne Begegnungsschal - Erfolg macht sexy und Sex sells. 2015 hat RB bei Facebook und Co. 100.000 Verfolger (Follower), aktuell sind es über sechs Millionen. In Beliebtheitsumfragen (die möglicherweise einen Bogen um Probstheida, Leutzsch, Dortmund und St. Pauli machen) landen die Rasenballer regelmäßig im Spitzenfeld der Liga.

Auf der Überholspur: Scholz, Intimus von Club-Chef Oliver Mintzlaff, ist omnipräsent, macht Karriere, übernimmt zwischenzeitlich das Marketing, stößt im Sommer 2020 in die Chefetage des Sports vor. Boss Mintzlaff erfindet das Dreigestirn Markus Krösche/Christopher Vivell/Florian Scholz. Ansage von oben: Jeder möge das Seine zum von oben (Mintzlaff) moderierten und nach außen vertretenem Gesamtkunstwerk beitragen.

RB-Gesicht wird sich weiter verändern

Selbstlosigkeit schlägt in dieser neuen Konstellation nicht immer und überall Ego. Es gibt Auseinandersetzungen um Kompetenzen, Ausrichtungen, Entscheidungen. Als sich Krösche gegen einen Weggang von Julian Nagelsmann zu den Bayern ausspricht, trennen sich die Wege im April 2021 vorfristig. Vivell und Scholz werden alsbald von Frank Aehlig unterstützt. Mintzlaff: „Wir wollen Franks Expertise, Erfahrung und sein Netzwerk nutzen.“ Sie bleiben auch ohne direkten Krösche-Nachfolger in der Spur, legen 2021/22 die erfolgreichste Saison der (nicht vorhandenen) Historie hin.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Verstehen sich bestens: Oliver Mintzlaff (l.) und Florian Scholz. Beim Getränkekonzern Red Bull sind die nun wieder vereint.

Verstehen sich bestens: Oliver Mintzlaff (l.) und Florian Scholz. Beim Getränkekonzern Red Bull sind die nun wieder vereint.

Dellen gehören dazu: Mintzlaff setzt mit Jesse Marsch für Nagelsmann aufs falsche Pferd, korrigiert seinen Fehler, holt im Dezember 2021 Domenico Tedesco, installiert im ausgehenden 2022 das Duo Marco Rose/Max Eberl und verabschiedet sich im November 2022 aus dem operativen RB-Geschäft.

Das Leben ist Veränderung: Rangnick ist weg, Mintzlaff de facto ebenfalls. Jetzt verlässt auch Scholz nach knapp acht Jahren die erste Reihe. Weitere verdiente Helden der Arbeit werden folgen. Auch Fußballer, die der Sportdirektor Rangnick dem Trainer Rangnick anno 2015 gekauft hat. Zum Dienstantritt des Florian Scholz.

Mehr aus Sport in Sachsen

 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen