Handball

Nach Coming-Out: SC DHfK Leipzigs Lucas Krzikalla bekommt positives Echo

SC DHfK Leipzigs Lucas Krzikalla hatte sein Coming-out.

SC DHfK Leipzigs Lucas Krzikalla hatte sein Coming-out.

Leipzig. Ein Thema geht durch die Decke. Das am Samstag in verschiedenen Medien erfolgte Coming-out des Leipziger DHfK-Handballers Lucas Krzikalla ("Ich bin schwul") hat innerhalb von drei Tagen bei Facebook und Instagram mehr als 10.000 Kommentare und rund 350.000 "Likes" hervorgerufen. Allein in den Social-Media-Auftritten der "Tagesschau" wurden 4500 – meist positive – Reaktionen geschrieben. Ein solches überregionales Interesse haben die Leipziger Bundesliga-Handballer bislang nicht annähernd mit ihrem Bundesliga-Aufstieg, dem Final4 im Pokal oder der Corona-Brandrede ihres Managers Karsten Günther verzeichnet.

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Den Freund offen vorstellen

In der einfühlsamen 14-minütigen MDR-Dokumentation „Aus der Deckung“ kommen unter anderem Lucas Krzikallas Lebensgefährte Chris und Bruder Julian Krzikalla zu Wort. Der vertritt die Meinung: „Man sollte sich in Lucas’ Situation weder verstellen noch rechtfertigen. Es ist an der Zeit: Das Thema gehört an die Öffentlichkeit.“ Ehe Lucas Krzikalla (28) bei seinem schrittweisen Coming-out zunächst mit Mutter und Bruder redete, habe er ein, zwei Schnäpse getrunken, um Mut zu fassen. Von der Mannschaft sagte er zunächst Ex-Kapitän Alen Milosevic, dass die Jungs ihn nicht mehr nach einer Freundin fragen müssten. „Milo“ befürchtet nun viele negative Kommentare.

Doch gibt es die tatsächlich? Im Netz ist die Meinung nur in einem Punkt geteilt: Gehört das Thema überhaupt an die Öffentlichkeit? Ist es im Jahr 2022 nicht eine völlig normale Sache, dass es in allen Bereichen der Gesellschaft auch gleichgeschlechtliche Paare gibt? Ein Teil der Netzgemeinde meint: Heterosexuelle Profis müssten sich auch nicht outen, wenn sie eine Freundin haben.

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Anlass für den Schritt sei für Lucas Krzikalla gewesen, „dass ich meinen Freund nicht länger verstecken will“. Doch er habe noch aus zwei anderen Gründen die öffentliche Bühne gesucht. Er wollte mit Klischees aufräumen. Handball stehe für Körperkontakt und männliche Werte: „Warum sollen diese nicht für mich gelten?“ Und er wollte anderen Mut machen, die in einer ähnlichen Situation sind und noch nicht offen damit umgehen.

Der aus Großenhain bei Dresden stammende Profi selbst hatte im Sport keine Vorbilder, als ihm vor rund sieben Jahren bewusst wurde, dass er sich von Männern angezogen fühlt. Im Gegensatz zum Frauensport, wo das Thema Homosexualität längst kein Tabu ist, gibt es in den deutschen Profiligen der Männer kaum Beispiele. Allein der für Berlin spielende Volleyballer Benjamin Patch (28) ging offen mit dem Thema um. Der extrovertierte Amerikaner gehört auch neben dem Parkett zu den schillernden Figuren der Liga. Krzikalla sieht sich seit Samstag in seinem Schritt bestätigt. Er widerspricht ausdrücklich Philipp Lahm, der Profis vom Coming-out während der Karriere abrät.

„Wollen mehr bieten als Entertainment und Spitzensport“

DHfK-Manager Günther habe anfangs nicht gewusst, ob er Lucas, den er seit zwölf Jahren kennt, darauf ansprechen soll, als dieser ab und an mit seinem Partner auftauchte. „Ich habe mich gefragt: Wie kann ich Lucas eine Brücke bauen, dass er das Thema nicht mit sich rumschleppen muss.“ Irgendwann fasste sich Günther ein Herz und sagte zu dem Linkshänder: „Dein Partner ist bei uns als Gast gern gesehen, ihn kannst du immer auf die Gästeliste setzen.“ Dies sei ein befreiender Moment gewesen, nachdem sich beide in den Armen lagen.

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Eines ist Günther wichtig: „Wir wollen mehr bieten als Entertainment und Spitzensport. Wir wollen Vorbild sein. Toleranz gegenüber der persönlichen Lebenseinstellung ist für uns ein großer Wert.“ Der Verein fertigte eine neue Autogrammkarte für seinen Rechtsaußen an: Seit Samstag ist darauf der Name des DHfK-Profis in Regenbogenfarben eingefärbt.

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