Schwimmen bei den Finals in Berlin

Trotz Long Covid: Gold und EM-Norm für Leipziger Talent Timo Sorgius

Timo Sorgius (SSG Leipzig) wird Deutscher Meister über 200 m Freistil.

Timo Sorgius (SSG Leipzig) wird Deutscher Meister über 200 m Freistil.

Berlin. Meister werden ist nicht leicht. Doch Deutscher Meister zu bleiben ist umso schwerer. Der Leipziger Schwimmer Timo Sorgius hat dieses Kunststück am Samstag geschafft. Es war sogar ein goldener Doppelschlag für die SSG im Europasportpark: Favorit David Thomasberger legte über 200 m Schmetterling vor und ließ bei seinem Start-Ziel-Sieg nichts anbrennen. Wenige Minuten später durfte auch Timo Sorgius über 200 m Freistil auf Bahn 4 des Vorlaufschnellsten ran. Der Shootingstar des Vorjahres, der mit 17 Lenzen überraschend seine ersten Männertitel errungen hatte, legte offensiv los und verteidigte seine Führung hauchdünn.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die wenigsten Zuschauer ahnten, was dieser Glücksmoment dem 18-Jährigen bedeutete. Denn die Goldmedaille bei den Finals bedeutet, dass sich der aus Konstanz stammende Rücken- und Kraulspezialist endgültig aus dem Tal der Tränen zurückgekämpft hat. Es war bislang eine Saison zum Vergessen für den Silbermedaillengewinner der Junioren-EM 2021.

Lesen Sie auch

Im LVZ-Gespräch zählte der Schützling von Frank Embacher kurz nach, wie lange er in dieser Saison zum Nichtstun verdammt war. „Da kommen fünf Monate zusammen.“ Damit hat er die Hälfte des geplanten Pensums verpasst. Im Sommer 2021 hatte er das erste Mal Corona, anschließend fiel er mit Long-Covid-Symptomen aus und wurde ein Fall für die Wissenschaft: Am Sportinstitut IAT nahm er an einer Covid-19-Studie teil. „Im Oktober und November ging gar nichts mehr, da tat im Wasser jeder Meter weh“, erinnert er sich. Als es im Winter etwas besser ging, kam er aus dem Trainingslager in Ägypten erneut mit Corona zurück, ehe ihn im Frühjahr eine Angina ausbremste.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Dachteschon, der ganze Vorteil ist wieder weg“

„Seit April konnte ich endlich wieder kontinuierlich trainieren, richtig aufwärts ging es erst Anfang Juni im Trainingslager in Griechenland.“ Er tankte Selbstvertrauen. Doch würden Kraft und Stehvermögen bei den Finals in Berlin reichen? Immerhin hatte sich Timo Sorgius vorgenommen, vor dem allerletzten Abfahrtsignal noch auf den EM-Zug nach Rom aufzuspringen. Und wie ihm das gelang: In 1:48,31 min steigerte er seine Bestzeit um drei Zehntel und unterbot die EM-Norm für U21-Athleten. Damit stehen die Chancen gut, dass er im Olympiabecken von Rom im Einzel und in der Staffel ran darf.

In Berlin hatte er den bereits für Rom qualifizierten Poul Zellmann aus Hannover als Gradmesser auf der Nachbarbahn. „Ich hatte einen schönen Vorsprung, als ich bei der 100-Meter-Wende die Wand nicht richtig erwischt habe. Da dachte ich schon, der ganze Vorteil ist wieder weg.“ Doch erst am Ende kam es zum Kopf-an-Kopf-Duell. Sorgius nahm den Kopf ins Wasser, verzichtete auf den letzten Metern auf Atemzüge, schmiss den Arm nach vorn an die Wand und siegte mit sechs Hundertsteln Vorsprung. Gestern sicherte er sich noch Silber über 100 m Freistil und damit den kompletten Medaillensatz.

Schmetterling David Thomasberger war mit seinem Sieg, aber noch nicht mit der Zeit zufrieden. Da soll bis zur EM noch was kommen. Für Brust-Titelverteidiger Yannis Willim reichte es diesmal zu Bronze. Eine reichere Medaillenausbeute neben den fünf Plaketten der SSG verhinderte die Corona-Erkrankung von Rückenspezialist Marek Ulrich. Dennoch: Die Leipziger wollen in der ewigen Stadt Rom zu dritt glänzen.

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen