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Warum Sport das Größte im Leben ist – und ein eigenes Abo braucht

Ein Moment der sich beim kleinen Guido Schäfer eingebrannt hat: Der FC Bayern München wird Europapokalsieger 1973/1974. Hinten von links: Georg Schwarzenbeck, Franz Roth, Paul Breitner, Rainer Zobel, Johnny Hansen, Gerd Müller, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß. Vorn: Der große Unbekannte, Sepp Maier, Jupp Kapellmann, Conny Torstensson.

Ein Moment der sich beim kleinen Guido Schäfer eingebrannt hat: Der FC Bayern München wird Europapokalsieger 1973/1974. Hinten von links: Georg Schwarzenbeck, Franz Roth, Paul Breitner, Rainer Zobel, Johnny Hansen, Gerd Müller, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß. Vorn: Der große Unbekannte, Sepp Maier, Jupp Kapellmann, Conny Torstensson.

Leipzig. Wer das Deutsche Fußball-Museum in Dortmund nicht mindestens fünfmal besucht hat, hat den Fußball nie geliebt. Legendäre Pokale. Trikots mit geschnürtem Kragen. Torwandhandschuhe von Sepp Maier, dem Erfinder der Torwarthandschuhe. Werbeplakate von anno dazumal. Vergilbte Eintrittskarten. Das berühmte Belga-Kraut, das der berühmte Ernst Happel gequarzt hat und der dazugehörige Swarovski-Aschenbecher im XXL-Format.

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Im Erdgeschoss des Museums hat Happel die Gesprächsgrundlage seines Lebens hinterlassen: „Ein Tag ohne Fußball ist ein verlorener Tag.“ Ich stimme dem „Wödmasta“ und Hasardeur, der mit sechs Mannschaften 18 Titel geholt hat und seiner Elfriede nicht immer vollumfänglich treu war, vollumfänglich zu.

Die Katze von Antzing

Meine bis heute anhaltende Liebe zum Fußball erwacht mit acht und geht so: Schulschluss, Ranzen in die Ecke, kicken. Feld, Wald, Wiese, Wäscheplatz, Ganzkörper-Schürfwunden, Glückseligkeit. Mit neun darf ich mit den Erwachsenen Fußball im Fernsehen gucken. Am 17. Mai 1974 spielt Bayern München gegen Atlético Madrid. Ich merke an den Aufgeregtheiten im rauchgeschwängerten Wohnzimmer, dass das ein wichtiges Spiel ist. Der Reporter sagt, dass der berühmteste spanische Verein nicht Atlético, sondern Real Madrid ist.

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Ich frage in die Runde: „Warum liegen die Bayern gegen den zweitberühmtesten spanischen Verein 0:1 zurück?“ Stille. Dann fällt das 1:1, die Erwachsenen jubeln und der Reporter ruft: „Schwarzenbeck! Schwarzenbeck! Schwarzenbeck!“ Danach bekommt jeder ein Glas Lambrusco. Rund ums Wiederholungsspiel erfahre ich, dass Schwarzenbeck eine Art Leibeigener von Franz Beckenbauer ist und nie Tore schießt. Nach dem 4:0 gegen Atlético darf Beckenbauer den Pokal zuerst stemmen. Danach kommt Sepp Maier, der Torwart. Den nennt der Reporter „Katze von Antzing“.

Ich mag Katzen. Und den Mann mit den dünnen Beinen mag ich auch. Bei unseren täglichen Fußballspielen bin ich fortan die Katze von Antzing und zeitgleich Kommentator. Die Reportersprache gefällt mir, die Bayern gefallen mir. Als Deutschland 1974 Weltmeister wird, zähle ich sechs Bayern-Spieler. Wahrscheinlich spielt der Bundeskanzler auch bei den Bayern oder steht vor einer Vertragsunterschrift. Das noch vor der WM verstörend auf mich wirkende Liedgut „Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt“ ist jetzt Musik in meinen Ohren. Wie ich später erfahre, scheffeln Jack White und seine Wiegeschritt-Interpreten ganz schön viel Kohle mit der Platte. Eine davon steht ewig bei uns im Regal.

Guido Schäfer mit Reiner Calmund – beide trafen sich in Leipzig zu einem Interview.

Guido Schäfer mit Reiner Calmund – beide trafen sich in Leipzig zu einem Interview.

Ja, meine erste große Liebe heißt Bayern München und Sepp Maier. Erster Liebesbeweis: Anmeldung beim TV Haßloch, als Torwart, 1974. Bei einem Spiel halte ich Ausschau nach vierblättrigen Kleeblättern, kassiere ein vermeidbares Tor und einen unvermeidbaren Einlauf meines Trainers. Ich werde Stürmer, genauer gesagt: Gerd Müller.

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Die neue und einzig wahre Liebe: Mainz 05

Meine Bayern gewinnen mit dem Bomber der Nation zwischen 1974 und 1976 dreimal den Landesmeisterpokal, ich werde zum intimen Bayern-Kenner. Katsche Schwarzenbeck verkauft dem Club Radiergummis und Lineale. Karl-Heinz Rummenigge hat rote Wangen wie der Hausmeister in unserer West-Platte. Uli Hoeneß hat ein Knieproblem, Paul Breitner ein Frisurproblem, Gerd Müller ein Figurproblem. Franz Beckenbauer wirbt für Hairmatic, der alsbald auch bei meinen Haaren zum Einsatz kommt. Ja, schmerzhaft.

Mitte der 80er-Jahre biegt eine neue und einzig wahre Liebe um die Ecke: Mainz 05. Wir steigen 1988 in die zweite Liga auf, nutzen zu sechst eine verkeimte Badewanne als Entmüdungsbecken, haben viel Spaß, wenig Erfolg. Herrliche Zeiten, vor allem vor und nach den Spielen. Geld? Gott gibt es und nimmt es. Bin mit null D-Mark rein in die Karriere und mit null raus. Mein Kumpel Ansgar Brinkmann toppt die Nummer, geht mit Miesen in die Fußball-Rente.

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Als Journalist habe ich von 1997 an wieder mehr Zeit für meine Ex, den FC Bayern. Otto Rehhagel bin ich mal mit Block und Stift hinterher gerannt, auf ein Statement hoffend. „Herr Rehhagel, haben Sie kurz Zeit?“ Er bleibt stehen und gibt mir ein Autogramm. Erfolgreicher war die Anbahnung mit Günter Netzer, der mir im Bayerischen Bahnhof nie gekannte Einblicke in sein Leben gab, mich junger Mann nannte und auf die Frage, wohin der Text zur Autorisierung gemailt werde soll, sagte: „Schreiben Sie, was ich Ihnen erzählt habe, junger Mann.“

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Guido Schäfer und mehr für 4,99 Euro im Monat

Jack White und seine Wiegeschrittler hatten recht, Fußball ist unser und mein Leben. Und was, bitteschön, soll eigentlich die schönste Nebensache der Welt sein, wenn die zweitschönste der Fußball ist? Und genau deshalb gibt es jetzt bei der LVZ etwas, was wir so noch nie gemacht haben: Alle Fußball- und Sportfreunde können das Schönste im Leben jetzt abonnieren. Übersetzt: Guido Schäfer gibt es ab jetzt im Angebot für 4,99 Euro im Monat. Aber keine Sorge, auch alle anderen Abonnentinnen und Abonnenten haben weiterhin wie gewohnt Zugriff auf die Sportberichterstattung in ihrer LVZ.

Kickt immer noch gern selbst, zumindest ab und zu: Guido Schäfer (M.) mit Tim Sebastian (l.), dem damaligen RB-Trainer Jesse Marsch (2.v.r.) und Lok-Sportvordstand Torsten Kracht (r.) beim Benefiz-Fußballturnier der Elternhilfe für krebskranke Kinder2021.

Kickt immer noch gern selbst, zumindest ab und zu: Guido Schäfer (M.) mit Tim Sebastian (l.), dem damaligen RB-Trainer Jesse Marsch (2.v.r.) und Lok-Sportvordstand Torsten Kracht (r.) beim Benefiz-Fußballturnier der Elternhilfe für krebskranke Kinder2021.

Ich war gerade übrigens zum sechsten Mal im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund. Schauen, nix anfassen. Leider. So muss es sein, wenn ein ausgehungerter Labrador in der Metzgerei seine Nase an der verglasten Fleischtheke platt drückt. Prominenter Frischling im Museum: Der DFB-Pokal mit der Gravur „RB Leipzig“. Wer das Deutsche Fußball-Museum in Dortmund nicht mindestens fünfmal besucht hat, hat den Fußball nie geliebt. Legendäre Pokale. Trikots mit geschnürtem Kragen. Torwandhandschuhe von Sepp Maier, dem Erfinder der Torwarthandschuhe. Werbeplakate von anno dazumal. Vergilbte Eintrittskarten...

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