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BALD NUN IST WEIHNACHTSZEIT

,,Bitte keine Tiere als Weihnachtsgeschenk", so die Altenburger Tierschützerin Andrea Rücker

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AUS LANGJÄHRIGER ERFAHRUNG gibt Tierschützerin Andrea Rücker wertvolle Tipps. Foto: Ralf Miehle

Tierschützerin mahnt zu Vernunft und EMPFIEHLT ALTERNATIVEN

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür und so Kinderherz manches träumt gerade in dieser Zeit der allgemeinen Vorfreude von einem niedlichen Geschenk unterm Weihnachtsbaum. Ein kleines Kätzchen oder ein knuffiges Hündchen, das käme gerade recht.

Wer könnte Kindern in der schönsten Zeit des Jahres einen solchen Wunsch abschlagen, noch dazu gerade jetzt, wenn es draußen kalt und ungemütlich ist und viele Tiere dringend ein neues Zuhause suchen. Und es gibt zu all diesen Aspekten noch etliche überzeugende Zusatzargumente: In den Weihnachtsferien bleibt genügend Zeit, um mit dem tierischen Neuzugang zu kuscheln, zu toben oder Gassi zu gehen.

Betrübliche Erfahrungen

„Doch gerade diese zunächst so gut gemeinten Weihnachtsgeschenke, die einmal mit großer Tierliebe begannen, enden leider sehr oft und jedes Jahr im Januar wieder mit dem Gang ins Tierheim“, weiß Tierschützerin Andrea Rücker aus jahrzehntelangen Erfahrungen. Unüberlegte Geschenkideen zum Weihnachtsfest, ob Meerschweinchen, Kaninchen, Vögel oder Hunde und Katzen, für die man sich oft spontan und aus einer Laune heraus entschieden hat, enden sehr oft mit Tränen bei den Kindern und großem Leid für die Tiere. Es gebe viele Überlegungen, die vor der Anschaffung eines Tieres zu beachten sind, rät die Tierschützerin.

Auch an die Zukunft denken

Haben wir genug Zeit für den tierischen Neuzugang in der Familie, können wir die finanziellen Belastungen, wie Hundesteuer, Versicherung, Futter- und Tierarztkosten usw. aufbringen? Wer geht mit dem Hund am Tag Gassi, wenn die Kinder wieder zur Schule müssen und die Eltern arbeiten gehen?

Wer ist bereit täglich die Kaninchen- und Meerschweinchenkäfige zu reinigen? Wer kümmert sich in der Urlaubszeit um das geliebte Tier, wenn es nicht mitgenommen werden kann? Kennen wir die Verhaltensweisen und Bedürfnisse des Tieres und können wir eine artgerechte Unterbringung garantieren? Hat die große Tierliebe auch dann noch Bestand, wenn es in der Ecke der Wohnung ein kleines Malheur gab, weil wir nicht gemerkt haben, dass sich das Tier auch entleeren musste?

„Viele Fragen gibt es zu beantworten, bevor wir uns für oder gegen die Aufnahme eines Tieres entscheiden“, konstatiert Tierschützerin Andrea Rücker. Und sie ergänzt: „In den letzten beiden Jahren wurden leider viele Tiere Opfer von unüberlegten Entscheidungen. Aufgrund von Corona und in Anbetracht der vielen Monate des Stillstandes in unserem Leben haben viele Tierfreunde die Tierheime aufgesucht und sich für einen Hund, Katze, Kaninchen oder Meerschweinchen entschieden.“

Tierheime sind überfüllt

Der normale Alltag jedoch habe gezeigt, dass manche Entscheidungen falsch waren. In vielen Tierheimen wurden in den letzten Wochen vermehrt Hunde und Katzen abgegeben, die spontan während der Pandemie angeschafft worden sind. „Die Tierheime in Deutschland sind überfüllt, aufgrund der derzeitigen Situation ist die Gefahr sehr groß, dass die steigenden Kosten von den Tierschutzvereinen nicht mehr zu stemmen sind.“

Erschwerend käme noch die starke Zunahme von kranken, unterernährten Katzenkindern dazu, welche die Tierpfleger an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen.

Natürlich bringe die Aufnahme von Haustieren vielerlei Positives mit sich. Es ist bekannt, dass Tiere für den Menschen, vor allem aber für Kinder und ältere Menschen treue Begleiter sind, sie teilen mit Herrchen und Frauchen Trauer und Schmerz, sie geben fast bedingungslos Liebe und Dankbarkeit.

„Aber“, so mahnt die Tierschützerin, „sie dürfen niemals dafür benutzt werden, dass sie uns nur über die Coronazeit oder sonstige Krisensituationen hinweg helfen, um sie später, wenn sich unser Leben wieder in geordneten Bahnen befindet, wieder dorthin zu bringen, wo sie herkamen, ins Tierheim. Erst dann, wenn sich alle Familienmitglieder für einen tierischen Mitbewohner entschieden haben und alle offenen Fragen eindeutig geklärt sind, sollte man sich, wenn möglich in einem Tierheim, umschauen.“

Der Neuzugang sollte in aller Ruhe erst nach den Feiertagen ins neue Heim umziehen, die turbulenten Feiertage sind für die Tiere völlig ungeeignet, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Damit erspart man den Tieren unnötigen Stress, Angst und Unsicherheit, die sich sehr schnell mit unsauberen Verhalten zeigen können. Vielleicht hilft es den Kindern, zu Weihnachten ein Buch über das entsprechende Tier zu schenken, es steigert die Vorfreude auf die Zeit nach den Feiertagen, ganz entspannt ein Tier aus einem Tierheim zu sich nach Hause zu holen", hat Andrea Rücker noch einen Tipp parat.

„Dafür wünsche ich Ihnen und Ihren Kindern ein gutes Händchen und ganz viel Freude mit ihrem neuen Familienmitglied. Bitte helfen Sie aber dabei, den Tieren später ein Schicksal hinter Gittern zu ersparen. Sie leiden still und können über ihre Trauer und Enttäuschung nicht reden. Ihnen das zu ersparen, sind wir ihnen schuldig", so die Vorsitzende des Vereins „Hoffnung für Wildenten, Schwäne und Co. e.V.", Andrea Rücker abschließend.