Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige
BAUEN UND WOHNEN

Nur keine Hektik

So gehen BAUHERREN gelassener mit dem Marktdruck um

Nur keine Hektik Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

WIE SEHEN DIE KONKRETEN WÜNSCHE für das Eigenheim aus? Darüber sollten Paare und Familien vorab sprechen. Foto: Christin Klose/dpa

In den vergangenen Wochen sind die Zinsen für Baukredite kräftig gestiegen. Gleichzeitig bleibt das Angebot an Wohnungen, Eigenheimen und Bauplätzen knapp und die Preise hoch. Wie sollten sich Kaufwillige in so einem Marktumfeld verhalten?

Aus Sorge, leer auszugehen, sollte niemand überstürzt handeln, sagt Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen. Er rät: „Jetzt erst recht in Ruhe umgucken". Bei Immobilien gehe es um viel zu hohe Geldbeträge, um eine Entscheidung übers Knie zu brechen. Übereilte Kaufentschlüsse erhöhten das Risiko eines Fehlgriffs.

Neben Zinsen und Preisen kommt das Verkaufsgeschick von Anbietern wie Maklern und Bauträgern als zusätzlicher Druckfaktor hinzu. Da wird die angeblich letzte Wohnung im Objekt angepriesen und Hinweise auf brennend interessierte Mitbewerber sollen nicht nur das Interesse steigern, sondern auch zum schnellen Zugreifen verlocken. Corinna Merzyn, Hauptgeschäftsführerin des Verbands Privater Bauherren kennt Mittel gegen diese ,,psychologischen Tricks". Dazu gehöre, frühzeitig den Markt zu sondieren. So lasse sich beispielsweise herausfinden, wie schnell vergleichbare Objekte in der Region tatsächlich verkauft würden.

Sachverständige helfen bei Kaufentscheidung

Außerdem sollten Interessenten einen unabhängigen Berater oder Sachverständigen hinzuziehen, um ein objektives Bild von der Immobilie zu erhalten. Das kann Druck rausnehmen und zugleich vor einem Kauf im Überschwang der Gefühle bewahren. Denn sie achten bei Besichtigungen von Bestandsimmobilien auf mögliche Schwachstellen und schätzen das Gesamtvorhaben mit eher kühlem Kopf ein. Denn für sie stellt der Immobilienerwerb im Unterschied zu potenziellen Eigenheimbesitzern keine emotionsgeladene Herzensangelegenheit dar.

Konkreten Wünsche eher formulieren

Das Gefühl, unbedingt zugreifen zu müssen, entsteht allerdings nicht allein durch äußere Einflüsse. Häufig kommt eine hausgemachte Komponente hinzu. ,,Den Menschen fehlt die Klarheit darüber, was sie überhaupt wollen", sagt Detlef Schmidt zur Ursache. Der Unternehmensberater aus der Nähe von Cuxhaven coacht sowohl Verkäufer als auch Käufer von Immobilien. Seine Beobachtung: Familien diskutieren erst nach Besichtigungen über ihre Wünsche, nicht im Vorfeld. Die Folge sei eine lange Suche nach dem passenden Objekt einschließlich stressigen Besichtigungsmarathons. Daraus entwickle sich Druck, endlich etwas finden zu müssen.

Ein Gespräch mit der Hausbank gehört für Corinna Merzyn zudem zwingend zur Klärung der Rahmenbedingungen dazu. Wer eine Bankzusage im Rücken hat, kann schneller zuschlagen. Auch das bringe mehr Ruhe in den Such- und Kaufprozess.