E-Paper
Anzeige
Bauen, Wohnen und Sanieren

Wie sich mangelhaftes Material erkennen lässt

Wie sich mangelhaftes Material erkennen lässt Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Auf vielen Baustellen herrscht im Moment Materialmangel. Foto: Jens Schierenbeck/dpa-mag

Viele Baustoffe sind zuletzt teurer geworden und teilweise nicht leicht zu bekommen. Der Verband Privater Bauherren (VPB) beobachtet vor diesem Hintergrund, dass auf Baustellen mangels Alternativen zum Teil falsche, nicht zugelassene Produkte verwendet werden – eher aus Unwissenheit der Beteiligten. Was unabsichtlich geschieht, könne für Bauherren jedoch ärgerliche Folgen haben, warnt der VPB. Es drohten Schäden am Bau, wenn Produkte nicht die von ihnen geforderten notwendigen Eigenschaften besitzen.

Der Verband Privater Bauherren (VPB) gibt einige wichtige Tipps für Häuslebauer

Viele Materialien ähneln sich

Die VPB-Sachverständigen stoßen bei Baustellenbesuchen nach eigenen Angaben immer wieder auf solche Fehler, besonders bei der Abdichtung von Häusern. Viele Handwerker prüften nicht, was sie einbauen, und viele Materialien ähnelten sich, heißt es vom Verband. Lediglich auf der Verpackung und dem technischen Merkblatt sei der Anwendungsbereich erläutert.

„Unsere Innungs- und Verbandsbetriebe sind gut informiert und wissen, welche Produkte sie einsetzen können“, entgegnet Ilona Klein den Vorwürfen. Sie ist Pressesprecherin des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe – der Dachorganisation von rund 35 000 Handwerksbetrieben im Bauwesen. „Es mag schon sein, dass es das eine oder andere schwarze Schaf unter den nicht-organisierten Betrieben gibt. Das kann man nie ausschließen.“

Laien erkennen solche Mängel an der Baustelle ihres Eigenheims oft erst, wenn es zu spät ist oder die Folgen offensichtlich sind. Und erst recht können sie nicht immer einschätzen, ob das auf der Baustelle bereitstehende Material das richtige ist. Bauherren haben aber die gleichen Möglichkeiten wie die Profis, die korrekte Verwendung nachzuvollziehen: Die Informationen auf der Verpackung und in dem technischen Merkblatt nachlesen.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) empfiehlt, auf lokal bekannte Firmen zu setzen, denn die könnten sich Qualitätsmängel gar nicht leisten. „Bauherren, die auf der sicheren Seite sein wollen, sollten regional ansässige Betriebe, die in den lokalen Innungen organisiert sind, beauftragen“, so ZDB-Sprecherin Ilona Klein. „Die sind nicht nur besser informiert, sondern in der Region bekannt und haben einen Ruf zu verlieren.“

Häufig können private Bauherren auch auf das Wissen eines Sachverständigen bauen, dem die Mängel bei der Abnahme einzelner Arbeitsschritte oder der finalen Bauabnahme auffallen. Dafür muss man allerdings extra Gelder beim Hausbau für das Honorar der Bauberater einplanen. Es gibt in Deutschland mehrere Vereinigungen von Sachverständigen, etwa den Bauherren-Schutzbund, den Verband Privater Bauherren, den Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau sowie die Verbraucherzentralen. Auch die Architektenkammern der Bundesländer vermitteln Sachverständige. DPA-MAG

Zinsen für Baudarlehen steigen rapide an

Für viele Leute dürfte der Traum von den eigenen vier Wänden nicht mehr leistbar sein

Die Niedrigzinsphase scheint sich dem Ende zuzuneigen. Seit einigen Wochen steigen die Zinsen für Baudarlehen rapide an.

Wer jetzt eine Wohnung kauft, muss für die Darlehensrückzahlung mehrere hundert Euro pro Monat mehr bezahlen als noch Anfang des Jahres. Eine immowelt Analyse zeigt für die 14 größten deutsche Städte, wie stark sich die Annuitätenrate beim Kauf einer 80 Quadratmeter großen Bestandswohnungen erhöht hat. Am stärksten ist der Einfluss in den teuersten Städten. Bei Angebotspreisen von aktuell 764.000 Euro für eine 80- Quadratmeter-Wohnung in München und einer Tilgungsrate von 2,5 Prozent belief sich die monatliche Belastung Anfang des Jahres auf 2470 Euro. Im Januar wurden 10-jährige Baudarlehen allerdings noch zu einem Zinssatz von 1,38 Prozent angeboten. Nur rund drei Monate später liegt dieser bereits bei 2,05 Prozent.

Das hat Folgen: Die Annuität erhöht sich auf 2900 Euro, also 430 Euro mehr pro Monat. Für viele Deutsche dürfte der Traum von den eigenen vier Wänden dadurch nicht mehr leistbar sein. Denn aufgrund der hohen Kaufpreise waren bereits in der Vergangenheit viele Finanzierungen mit wenig finanziellem Spielraum angelegt.

In München sind die Mehrkosten am größten, da Immobilien mit Abstand am teuersten sind. Doch auch in den anderen Städten müssen Käufer jetzt deutlich mehr bezahlen. Wohnungskäufer in Hamburg mussten Anfang des Jahres noch 1730 Euro für die eigene Wohnung zahlen, aktuell sind es schon 2030 Euro. Das sind monatliche Mehrkosten von 300 Euro. In Frankfurt fallen inzwischen 1980 Euro monatlich an, was zusätzliche Kosten von 290 Euro sind. Auch in Stuttgart (250 Euro), Köln (240 Euro), Düsseldorf (230 Euro) und Berlin (220 Euro) steigt die Belastung deutlich.

Es ist möglich, dass die Zinsen noch stärker steigen – vor allem dann, wenn die Europäische Zentralbank zusätzlich den Leitzins anheben sollte. So ist im Laufe des Jahres ein Zinssatz von 3 Prozent für Darlehen mit 10 Jahren Sollzinsbindung durchaus denkbar. Falls dieses Szenario eintritt, erhöht sich die Annuitätenrate nochmals deutlich.

Für Käufer in München würde das Mehrkosten von 1030 Euro pro Monat im Vergleich zum Januar dieses Jahres bedeuten. In Hamburg (720 Euro), Frankfurt (700 Euro) und Stuttgart (610 Euro) würde die Belastung auch stark steigen.

Bei monatlichen Kosten von über 2000 Euro oder gar über 3000 Euro im Fall von München dürfte die Nachfrage deutlich nachlassen. Denn immer weniger Deutsche können sich dann die hohen Kaufpreise gepaart mit den hohen Zinszahlungen leisten. Auch wer in der Vergangenheit gekauft und eine Anschlussfinanzierung benötigt, steht möglicherweise vor finanziellen Schwierigkeiten. Wie stark der Einfluss der gestiegenen Zinsen auf die Immobilienpreise letztlich ist, bleibt abzuwarten. Es sind verschiedene Möglichkeiten denkbar: So könnte es sein, dass die Kaufpreise auf ein Plateau zusteuern und letztlich stagnieren. Je nachdem wie stark die Nachfrage aufgrund der mangelnden Finanzierbarkeit zurückgeht, kann es aber auch zu sinkenden Preise kommen. Besonders dann, wenn viele Anschlussfinanzierungen nicht mehr leistbar sind und Objekte verkauft werden müssen. Datenbasis für die Berechnung der Kaufpreise waren auf immowelt.de inserierte Angebote in den 14 deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern, die im Januar, Februar und März (Stichtag 22. März) 2022 angeboten wurden. ots