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GESUNDHEITS- UND PFLEGERATGEBER

Gefährliche Mutproben: Wie können Eltern ihr Kind schützen?

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GRUPPENDRUCK UND SEHNSUCHT NACH AUFMERKSAMKEIT: Besonders Jugendliche lassen sich zu gefährlichen Mutproben verleiten. Foto: Fabian Sommer/dpa/dpa-mag

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Den Atem vor laufender ten oder würgen, bis man in Ohnmacht fällt. Das sogenannte Ohnmachtsspiel - auch unter „Blackout Challenge" bekannt - ist ein Beispiel für gefährliche Trends in den sozialen Medien. Aus Sicht des Hamburger Diplom-Psychologen Michael Thiel sind solche Challenges auch Mutproben. Im Interview erklärt der Experte, wie Eltern ihre Kinder schützen können.

Herr Thiel, was verleitet vor allem Heranwachsende zu Mutproben?

Michael Thiel: ,,Gerade bei pubertierenden Jugendlichen geht es darum, zum einen das schwankende Selbstwertgefühl zu erhöhen. Zum anderen geht es darum, dazuzugehören. Gerade Jugendliche haben Sehnsüchte nach Aufmerksamkeit und dem Gefühl, dazuzugehören. Diese Mutproben sind eigentlich Unterwerfungstests: Man unterwirft sich dem Gruppendruck. Der wirklich Mutige würde sich verweigern und deutlich ,,Nein!" sagen."

Sind Mutproben durch soziale Medien wie TikTok gefährlicher geworden?

„Ja, das Ganze hat eine neue Qualität. Die Mutproben sind noch weniger kontrollierbar durch Social Media. Wenn man früher eine Mutprobe gemacht hat, hatte man mit realen Menschen zu tun. Die Gruppe hat wahrscheinlich auch geholfen, wenn etwas schief gegangen ist. Die Challenges heutzutage finden eher separiert statt: Der Jugendliche sitzt allein in seinem Zimmer und fängt an, Ideen zu entwickeln, wie er sich bei Mutproben am besten darstellen kann. Also manipuliert er vielleicht an sich herum oder gefährdet durch absurde Abnehm-Challenges seine Gesundheit."

Wie können Eltern ihre Kinder überhaupt schützen?

,,Ich würde mir wünschen, dass Eltern schon weit vor der Pubertät ihre Kinder dazu anregen, sich mit ihren Fähigkeiten und Talenten zu beschäftigen. Wenn jemand richtig gut im Sport ist und im Verein gefördert wird, kann er dort seine Wettkämpfe, seine Challenges und damit seine Bestätigung finden. Kinder können dort die Quellen des eigenen Selbstwertgefühls finden und zeigen, wie gut sie sind. DPA-MAG