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Osteoporose: die Risikofaktoren – und was kann man dagegen tun?

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Chefarzt Sören Schoen rät unter anderem zu Bewegung und Sport als Vorsorge bei Osteoporose. Foto: C. Schenker

Es gibt in Deutschland statistisch circa sechs Millionen an Osteoporose erkrankte Menschen. An Osteoporose kann jeder leiden – es ist die häufigste Knochenerkrankung im Alter. Dachte man früher, dass davon nur Frauen betroffen seien, weiß man es heute besser: 30 bis 40 Prozent aller Frauen über 60, aber auch 20 bis 30 Prozent aller Männer erkranken daran.Dr. Dr. Sören Schoen, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, spezielle Unfallchirurgie und Sportmedizin am Klinikum Altenburger Land spricht hier an dieser Stelle über Ursachen der Erkrankung, Behandlungsmöglichkeiten und darüber, was man selbst gegen Osteoporose tun kann.

Im Gespräch mit Chefarzt Dr. Dr. Sören Schoen vom Klinikum Altenburger Land

Herr Dr. Schoen, was versteht der Mediziner unter einer Osteoporose?

Der Begriff Osteoporose („poröser Knochen“) bezeichnet eine chronische Erkrankung des gesamten Skeletts. Der deutsche Begriff „Knochenschwund“ beschreibt es sehr treffend. Durch Verminderung des Kalksalzgehaltes im Knochen kommt es zu einer Ausdünnung und Verringerung der eigentlichen Knochenstruktur.

Betrifft die Osteoporose alle Menschen oder nur die ältere Generation?

Wie auch anderes Körpergewebe (z.B. Knorpel) unterliegt die Knochenstruktur einem permanenten Prozess von Knochenaufbau und Knochenabbau. Hier spielen zwei Zelltypen eine Rolle, die Osteoblasten für den Aufbau und die Osteoklasten für den Abbau, welche immer im Gleichgewicht zueinander sind. Dadurch kann sich der Knochen mit seiner Festigkeit an verschiedene Belastungsanforderungen anpassen.

Diese zwei Zelltypen werden maßgeblich über Hormone gesteuert. Im 4. Lebensjahrzehnt verschiebt sich dieses Gleichgewicht zugunsten des Knochenabbaus, sodass dann diese Erkrankung entstehen kann. Dazu kommt auch maßgeblich der Einfluss von Aktivität und Ernährung im Leben.

Ist die Erkrankung an
Osteoporose gefährlich?

Ab einem gewissen Grad ja. Da die Krankheit lange Zeit symptomlos ist, wird sie oft unterschätzt. Wenn die Knochendichte unter einen kritischen Wert fällt, treten unter Belastung auch Schmerzen auf und vor allem kann der geschwächte Knochen nicht mehr auf die Belastungsanforderung reagieren. Hier können dann bereits Einwirkungen mit niedriger Energie zum Brechen des Knochens führen.

Bei höhergradiger Osteoporose reicht z. B. manchmal schon die geringe axiale Stauchung der Wirbelsäule beim Treppen hinabsteigen, um den geschwächten Knochen zusammenrutschen zu lassen.

Das betrifft also alle Knochen des Körpers?

Es gibt einige charakteristische Stellen am Körper, die bei Osteoporose gehäuft betroffen sind, so zum Beispiel die Wirbelsäule, der Schenkelhals, der Oberarmkopf, das Handgelenk oder auch der Beckenring. Hier können plötzlich auftretende Schmerzen auf einen Bruch hinweisen, ohne dass zuvor ein eigentlicher Unfall stattgefunden hat.

Wie kann den Patienten geholfen werden?

In der Unfallchirurgie behandeln wir Knochenbrüche mit speziellen Implantaten. Orthopädisch kann die Verankerung künstlicher Gelenke helfen. Die Wirbelsäulenbehandlung hat hier ebenfalls einen hohen Stellenwert, wenn medikamentöse oder physikalische Therapien keine zufriedenstellenden Ergebnisse erbrachten. Mittlerweile stehen bei frischen und schmerzhaften Frakturen heute operative Methoden zur Aufrichtung des Wirbels zur Verfügung.

Kann ich im Älterwerden auch selbst etwas gegen Osteoporose tun oder ist man der Erkrankung wehrlos ausgeliefert?

Einige Faktoren beeinflussen die Entstehung der Osteoporose. Der hormonellen Veränderung im Körper ist selbst wenig entgegenzusetzen, aber man soll die Belastungsanforderung durch Bewegung und Sport aufrechterhalten. Man kann die Lebensumstände beeinflussen und gewisse Risikofaktoren ausklammern. Es ist erwiesen, dass eine ausgewogene Ernährung mit Kalzium und Vitamin D sowie die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Untergewicht einen günstigen Einfluss haben.

Wenn das alles nicht hilft?

Dann kann Ihnen Ihr behandelnder Arzt nach einer Knochendichtemessung helfen. Der Zusammenhang der Knochendichte und das damit verbundene Risiko eines Knochenbruches sind gut dokumentiert. Außerdem ist es die beste Methode, einen Therapieerfolg festzustellen. Entsprechend des Ergebnisses der Knochendichtemessung wird der Arzt Ihnen Medikamente, sogenannten Bisphosphonate, verordnen.

Was raten Sie Betroffenen?

Man soll immer daran denken, dass ein plötzlicher Schmerz an den vorgenannten Körperstellen bei Vorliegen einer Osteoporose ein Knochenbruch sein kann, der mit modernen OP-Methoden rasch stabilisiert werden sollte.

Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr, zu stürzen. Nehmen Sie Kurse zur Sturzvorbeugung wahr, denn wer nicht stürzt, bricht sich auch nichts. Vermeiden sie Stolperfallen. Ein Faltblatt, wie Sie weitere Gefahren erkennen und vermeiden, erhalten Sie im Klinikum Altenburger Land.

Pflegezimmer zu Hause: Raum sollte nicht zu klein sein

Nicht immer haben Angehörige die Wahl, welches Zimmer im Haus oder in der Wohnung zum Pflegezimmer werden soll. Falls doch, sollten sie sich für einen Raum entscheiden, der im Erdgeschoss liegt und gut erreichbar ist. Darauf weist Ines Böhm vom Deutschen Roten Kreuz hin. Sie empfiehlt: „Das Pflegezimmer sollte möglichst nah an der Familie liegen.“ Das mache es für die pflegebedürftige Person deutlich einfacher, am Familienleben teilzuhaben. Auch Bad und Küche sollten nicht zu weit entfernt sein. Das Zimmer wenn möglich nicht kleiner als 15 Quadratmeter sein. „Schließlich soll das Pflegebett darin so stehen können,dass es für die Betreuung von drei Seiten zugänglich ist“, so Ines Böhm. dpa