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Der Grabgarten: Ein Ort für die Lebenden

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EIN FRIEDHOF IST AUCH EIN ORT zum Verweilen, ein ruhiger Platz für eine Pause vom Alltag. Foto: Christin Klose/dpa

Christoph Killgus gibt in seinem Buch Tipps zur liebevollen GRABGESTALTUNG

Christoph Killgus, Christiane James: ,,Gräber persönlich gestalten, Liebevolle Ideen für pflegeleichte Grabgärten. Foto: Verlag Eugen Ulmer
Christoph Killgus, Christiane James: ,,Gräber persönlich gestalten, Liebevolle Ideen für pflegeleichte Grabgärten. Foto: Verlag Eugen Ulmer

Gräber sind in der ersten Zeit nach dem Tod eines geliebten Menschen vor allem ein Ort für die eigene Trauer. Doch man kann den Friedhof und das Familiengrab auch anders begreifen: Nicht als Ort für die Toten, sondern für die Lebenden. Das Grab kann ein kleiner Garten sein, den man sich schön macht und wo man auch mal eine Auszeit vom Alltag findet. Daher spricht Christoph Killgus gegenüber der Deutschen Presse-Agentur auch Grabgarten.

,,Während ein großer Garten, den man vielleicht erbt, auch mal zur Last wird, weil er viel Arbeit macht, kann so ein kleines Beet etwas Leistbares sein. Und etwas, was Freude machen kann", sagt der Buchautor und Gartenbau-Ingenieur aus Filderstadt. Er rät in seinem Buch ,,Gräber persönlich gestalten" sogar dazu, Obst und Gemüse darauf anzubauen.

Nachrichten-Steine für die Verstorbenen

Ist das nicht makaber? Ganz im Gegenteil, findet Killgus. Denn die Pflege einer Grabfläche ist vor allem Trauerarbeit. "Das gilt in ganz besonderer Weise in der ersten Zeit nach dem Todesfall." Da sei es für viele hilfreich, mit einer großen Regelmäßigkeit zum Grab zu gehen und sich dem, der gestorben ist, verbunden zu fühlen, so Killgus. Man verbringt beim Gärtnern dort Zeit mit sich selbst, kann nachdenken, darf weinen.

KINDERGRÄBER WERDEN OFT viel persönlicher und fröhlicher gestaltet. Warum nicht auch die von Erwachsenen? Foto: Ina Fassbender/dpa
KINDERGRÄBER WERDEN OFT viel persönlicher und fröhlicher gestaltet. Warum nicht auch die von Erwachsenen? Foto: Ina Fassbender/dpa

Zugleich ist die Grünpflege am Grab eine mechanisch einfache Arbeit. Man kann dabei leicht seinen Gedanken nachhängen. Und man bekomme das Gefühl, man mache für den, der gegangen ist, noch etwas Schönes, so Killgus. "Das sind alles kleine Dinge, die dem helfen, der in der Trauerphase ist." Daher können auch persönliche Gegenstände oder gar Nachrichten zum Beispiel auf Steinen auf dem Grab hilfreich sein. Darüber findet eine Art Kommunikation mit den Toten statt. Killgus rät, sich Kindergräber als Beispiel zu nehmen. Anders als bei den Ruhestätten für Erwachsene werden sie oft viel farbenfroher, fröhlicher und mit persönlichen Gegenständen gestaltet. Das kann tröstlich wirken.

Das Fußballlogo aus Pflanzen

Ein dezenterer Weg zu mehr Intimität mit dem Verstorbenen kann die Bepflanzung sein. Christoph Killgus rät, das Grab mit dem zu bepflanzen, was sie gerne haben oder was sie in ganz persönlicher Weise an den Verstorbenen erinnert. Vielleicht ein Rosenstrauch, der dem geliebten Strauch im Vorgarten der toten Oma gleicht. Oder auch Gemüse für den begeisterten Hobbygärtner. Oder das Logo des Lieblingsvereins mit Pflanzen nachgestalten.

Auch Friedhofsgärtner gestalten immer häufiger Gräber mit persönlicher Note, berichtet André Burmester, Mitglied im Bund deutscher Friedhofsgärtner aus Burg. Selbst einen Mini-Seerosen-Teich hat er schon in einem Grab angelegt. Aber diese Entwicklung sei noch zaghaft.

Friedhöfe als Parkersatz

Dabei kann für Trauernde mit diesem sehr individuellen Umgang mit einem Grab ausgerechnet der Friedhof zu dem Ort werden, der wieder ins Leben führt, ist Killgus überzeugt. „Friedhöfe sind ja oft wunderbare Parks und Grünanlagen - und Orte der Ruhe. Meistens bieten sie Bänke", sagt Killgus. ,,Man kann so für eine Pause auf den Friedhof gehen. Entweder man sitzt einfach nur da, genießt das grüne Umfeld."