Unternehmen in der Zwickmühle

BASF: Warum der Chemieriese in Russland weiterhin Geschäfte macht

Das Gelände von BASF in Ludwigshafen.

Das Gelände von BASF in Ludwigshafen.

Immer mehr Unternehmen stellen wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine ihre Geschäfte in Russland ein. Unter den internationalen Unternehmen haben Pepsico, Coca-Cola, Starbucks und McDonald‘s ihre Geschäfte in Russland eingeschränkt oder komplett eingestellt. Unter den deutschen Unternehmen haben Adidas, Obi und VW mit ihrer Russland-Aktivität dasselbe getan.

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Aber es gibt auch Unternehmen, die weiterhin Geschäfte in dem Land machen. Etwa der Schokoladenhersteller Ritter Sport. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg verkauft weiter Schokolade in Russland und muss sich dafür viel Kritik anhören. „Quadratisch. Praktisch. Blut.“, schrieb der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk bei Twitter in Anspielung auf den Werbeslogan von Ritter Sport.

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Ritter Sport rechtfertigte sich: Ein Schokoladenstopp hätte „ernsthaften Auswirkungen“ für das mittelständische Unternehmen. „Wir haben uns die Entscheidung, weiter Schokolade für den russischen Markt zu liefern, auch nicht leicht gemacht“, erklärt Ritter Sport auf RND-Nachfrage. Bei einem Stopp der Lieferungen nach Russland müsste jedoch die Produktion in Deutschland und Österreich deutlich heruntergefahren werden. „Davon betroffen wären letztlich auch die Kakaobauern in Westafrika, Mittel- und Südamerika.“

BASF: gefährliche Nebeneffekte bei Ausstieg aus Russland

BASF ist ein weiterer deutscher Großkonzern, der noch immer in Russland vertreten ist. Auf Anfrage des RND begründet das Unternehmen die Entscheidung: „Ein vollkommenes Abschneiden von Russland kann gefährliche Nebeneffekte haben, insbesondere für die Nahrungsmittelproduktion“, so ein Konzernsprecher. Zum Beispiel berge der Krieg das Risiko, „eine weltweite Nahrungsmittelkrise auszulösen“. Russland sei gemeinsam mit der Ukraine die „Kornkammer der Welt“. Etwa ein Zehntel der weltweiten Weizenproduktion komme aus Russland.

BASF habe sich daher entschieden, „keine neuen Geschäfte mehr in Russland und Belarus“ zu machen. Doch „eine Ausnahme bilden Produkte zur Unterstützung der Nahrungsmittelproduktion“. Dabei folge man dem Primat der Politik. „Das Ziel der Politik ist es nicht, die russische Zivilbevölkerung zu treffen.“ Allerdings halten Experten diese Begründung für fraglich. Schließlich ist das Ziel von Sanktionen auch, durch Druck auf die Bevölkerung die Opposition im Land zu stärken.

BASF rechtfertige sich außerdem mit den Worten: „Wir halten uns an alle von der Politik eingesetzten Sanktionen und geltenden rechtlichen Bestimmungen.“ Das Unternehmen erklärte, in Russland seine Verantwortung ernst zu nehmen, „nicht nur für die 700 Mitarbeitenden, sondern auch für die Chemieanlagen vor Ort“. Der Konzern argumentiert:

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Es ist einfach, in einer Burgerfiliale in Moskau das Licht abzudrehen. Bei hochkomplexen Chemieanlagen geht das nicht so leicht. Solche Anlagen müssen weiterhin von BASF-Fachleuten beaufsichtigt und instand gehalten werden, um Risiken zu vermeiden.

BASF-Sprecher

Nach eigenen Angaben ist BASF nach eigenen Angaben seit mehr als 145 Jahren in Russland aktiv. Im vergangenen Jahr machten die Geschäfte dort ein Prozent des Konzernumsatzes aus. „In Russland hergestellte oder importierte Produkte werden vor allem an Kunden in Landwirtschaft, Gesundheit und Pflege, Automobil- und Bauwirtschaft verkauft.“ Doch seit Beginn des Krieges sei der Verkauf rückläufig.

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Dilemma für Unternehmen

Für Unternehmen ist die Entscheidung schwierig, ob sie sich aus Russland zurückziehen sollen oder nicht. Immer wieder argumentieren Firmen damit, dass sie die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizinprodukten sicherstellen wollen. „Wir sind mitverantwortlich für die Grundversorgung der Menschen und möchten ihnen weiterhin einen fairen und sicheren Zugang zu Lebensmitteln sicherstellen“, sagte Globus-Geschäftsführer Matthias Bruch dem RND. Der Konzern betreibt weiterhin zahlreiche Supermärkte in Russland mit etwa 10.000 Beschäftigten.

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Ähnlich argumentiert der Düsseldorfer Konzern Henkel. Er verkauft auch jetzt Haushalts- und Hygieneprodukte in Russland, weil ein Stopp „weitreichende Konsequenzen“ habe, auch für die Beschäftigten vor Ort.

Ritter Sport hat derweil zugesichert, den Gewinn aus dem laufenden Russland-Geschäft an humanitäre Hilfs­organisationen zu spenden. In einem Post in dem sozialen Netzwerk Instagram teilte das Unternehmen am vergangenen Donnerstag mit, es verurteile die grausame Aggression der russischen Armee in der Ukraine aufs Schärfste.

Auch BASF versicherte auf RND-Anfrage, „dem Deutschen Roten Kreuz eine Million Euro an Soforthilfe“ zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wolle man den Betrag einer laufenden Mitarbeiterspendenaktion verdoppeln.

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