Das deutsche Jobwunder und kein Ende

„In erster Linie fehlen dabei beruflich Qualifizierte“: Auto-Produktion bei Porsche.

„In erster Linie fehlen dabei beruflich Qualifizierte“: Auto-Produktion bei Porsche.

Berlin. Der Boom auf dem deutschen Arbeitsmarkt nimmt kein Ende. Die Stimmung in der Wirtschaft ist gut, die Konjunkturerwartungen sind nach wie vor stabil – und der Arbeitsmarkt vermeldete Ende Mai eine Arbeitslosenquote von nur noch 5,6 Prozent. Bayern meldete eine Quote von 3,0 Prozent – und damit Vollbeschäftigung. Experten zufolge ist damit allerdings der Höhepunkt des deutschen Jobwunders noch immer nicht erreicht.

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Einer neuen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zufolge sollen in diesem Jahr in der deutschen Wirtschaft rund 500.000 neue Jobs entstehen. Mit 130.000 neuen Beschäftigten werden danach in keiner anderen Branche so viele neue Arbeitsverhältnisse geschaffen wie bei den Gesundheitsdienstleistern wie Krankenhäusern und Pflegeheimen. Angetrieben werde die Nachfrage durch die alternde Gesellschaft sowie ein immer größeres Gesundheitsbewusstsein, heißt es in der DIHK-Analyse.

Ähnlich viele neue Stellen wie in der Gesundheitsbranche entstehen der Studie zufolge voraussichtlich in den unternehmensbezogenen Dienstleistungen wie Werbeagenturen und Marktforschung. 100.000 neue Stellen sollen im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe geschaffen werden.

Auch der Bildungssektor legt der Umfrage zufolge voraussichtlich mit 50.000 neuen Stellen zu. „Die Bildungswirtschaft profitiert vom hohen Weiterbildungsbedarf im Zuge der Digitalisierung sowie durch den Qualifizierungsbedarf von Geflüchteten“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der „Rheinischen Post“. Der aktuelle Bauboom durch die niedrigen Zinsen und den hohen Bedarf an Wohnraum führe zudem zu einem Plus von 35.000 Arbeitsplätzen im Baugewerbe.

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Der Stellenzuwachs führt zunehmend zu Problemen, da entsprechend qualifizierte Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr verfügbar sind. Erstmals sehe jeder zweite Betrieb seine Geschäftsentwicklung durch den Fachkräftemangel gefährdet, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben. Deshalb falle das Beschäftigungsplus nicht in allen Branchen so groß aus wie 2016.

Im Gastgewerbe, bei Gesundheits- ebenso wie bei Bildungsdienstleistern berichteten rund drei Viertel der Betriebe von entsprechenden Engpässen; im Tiefbau zeigten sich mittlerweile vier von fünf Unternehmen besorgt, nicht die erforderlichen Arbeitskräfte zu finden. „In erster Linie fehlen dabei beruflich Qualifizierte“, betonte Wansleben, „daher ist eine Stärkung der dualen Ausbildung besonders wichtig. Um Beschäftigungspotenziale zu heben, muss außerdem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessert werden – insbesondere durch Kinderbetreuungsangebote auch in den Randzeiten des Tages.“

Von dsc/epd/RND

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