Debatte um Priorisierung

Gasknappheit: Handwerk ruft Bürger zum Energiesparen auf

21.06.2022, Mecklenburg-Vorpommern, Lubmin: Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 und der Übernahmestation der Ferngasleitung OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung). Der Generalsekretär des Handwerkerverbandes ZDH, Holger Schwannecke, hält bei einer Gasnotlage das Abschalten zuerst von Freizeitangeboten für angemessen.

Berlin. Der Generalsekretär des Handwerkerverbandes ZDH, Holger Schwannecke, hält bei einer Gasnotlage das Abschalten zuerst von Freizeitangeboten für angemessen. Alle müssten sich fragen, auf was sie zu verzichten bereit wären, damit „andere, wichtige Elemente in den Wertschöpfungsketten weiter mit Gas versorgt werden können“, sagte Schwannecke den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Donnerstag.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Dass hier möglicherweise zunächst Produkte und Angebote von Freizeitaktivitäten als erstes „vom Netz“ genommen werden sollen, halte ich für angemessen in einer solchen Ausnahmelage und angesichts des Ziels, sicherzustellen, dass die Produktion und die Dienstleistungen für die Daseinsvorsorge aufrechterhalten werden können.“

Alarmstufe bei Gas: Was bedeutet das für die Verbraucher?

Erdgas ist noch überall verfügbar, wenn auch zu stark gestiegenen Preisen. Doch mit Blick auf den Winter ist die Bundesregierung äußerst besorgt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zuvor hatte der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, gesagt, im Falle einer Gasmangellage seien „Produkte und Angebote, die in den Freizeit und Wohlfühlbereich fallen, eher nachrangig“. Müller hatte zudem dazu aufgerufen, dass sich Handwerker stark auf Heizungen und Warmwasserversorgung konzentrieren sollten. Haus- und Wohnungsbesitzer sollten ihre Gasbrennwertkessel und Heizungen überprüfen und effizient einstellen lassen.

Netzagentur rät zum Energiesparen - Privathaushalte werden priorisiert

In einzelnen Bundesländer hat sich in der Priorisierungsdebatte auch die Industrie zu Wort gemeldet. Im Südwesten ruft die Industriekammer die Bürger nun etwa zum Sparen auf. „Jeder, der spart, hilft“, sagte der Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Stefan Roell, der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Es nütze nichts, wenn private Haushalte genügend Wärme hätten, dafür aber Arbeitsplätze nicht mehr da seien. „Wenn uns in der Industrie das Gas insgesamt abgestellt wird, dann reden wir nicht über Tausende, sondern Hunderttausende Arbeitsplätze“, sagte Roell.

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat Privathaushalte und Industrie zum sparsamen Umgang mit Gas aufgefordert. Jeder eingesparte Kubikmeter Gas helfe, angesichts der unsicheren Belieferungsaussichten in den kommenden Monaten die Versorgungssicherheit in Deutschland zu erhöhen, sagte Müller am Mittwoch bei einem Besuch auf dem Gelände des größten Erdgasspeichers in Deutschland im niedersächsischen Rehden bei Diepholz. „Wir appellieren an alle privaten Haushalte, jetzt schon zu überlegen, wo kann man im Herbst selbst Gas einsparen.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Wer wann die Gasheizung abdrehen muss, regelt grundsätzlich der dreistufige Gasnotfallplan. Dieser sieht eine Priorisierung vor. Demnach werden Privathaushalte bevorzugt behandelt. Das heißt: Zuerst muss bei einer Gaskrise die Industrie Anlagen abschalten, erst als letztes wären die Privathaushalte an der Reihe.

RND/dpa/hyd

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.