In 4500 Metern Tiefe: Deutschland erforscht den Tiefseebergbau

Ein «Freifall-Lander» an Bord der «Island Pride» vor dem Aussetzen in die Tiefsee. Ein Forscherteam mit deutscher Beteiligung hat am Meeresboden des Pazifiks ein Gerät für den Abbau metallhaltiger Manganknollen getestet.

Ein «Freifall-Lander» an Bord der «Island Pride» vor dem Aussetzen in die Tiefsee. Ein Forscherteam mit deutscher Beteiligung hat am Meeresboden des Pazifiks ein Gerät für den Abbau metallhaltiger Manganknollen getestet.

Hannover. Es klingt nach dem Stoff eines Romans von Jules Verne oder Frank Schätzing: Kilometerweit unter der Wasseroberfläche untersucht Deutschland im Pazifischen Ozean den Meeresboden - als Vorbereitung für einen möglichen Bergbau in der Tiefsee. Denn am Meeresboden lagern Rohstoffe, die für die Industrie wichtig sind. Manganknollen etwa, dunkle Klumpen, die Nickel, Kupfer und Kobalt enthalten. Stoffe, die für Elektrogeräte und den Ausbau erneuerbarer Energien dringend benötigt werden.

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Schon 2011 hat die Bundesregierung den Tiefseebergbau im Nationalen Masterplan Maritime Technologien als Schwerpunktthema identifiziert. Rohstoffe aus der Tiefsee könnten für die globale Wirtschaft von wachsender Bedeutung sein, heißt es darin. Das ist verlockend, denn bisher ist Deutschland bei Metallrohstoffen fast vollständig abhängig von Importen. Das Wirtschaftsministerium sieht zudem „gute Marktaussichten“ für deutsche Meerestechnik-Unternehmen, die die Gewinnung mineralischer Rohstoffe am Meeresboden ermöglichen könnten.

„Schon heute plündert und verschmutzt die Industrie unsere Ozeane, als gäbe es kein Morgen. Sie darf nicht auch noch die Tiefsee durch den Bergbau zerstören.“

Sandra Schöttner ist Meeresbiologin von Greenpeace

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Umweltschützer sorgen sich um Ökosystem im Ozean

Noch ist das eine Zukunftsvision. Doch die Erkundung der Tiefsee ist längst angelaufen, und schon daran regt sich heftige Kritik. Umweltschützer wie Greenpeace protestieren gegen die Pläne. Die Befürchtung: Der Abbau der Rohstoffe könnte das Ökosystem im Ozean nachhaltig durcheinanderwirbeln und schädigen. Vor wenigen Tagen erst befestigten Aktivisten des Greenpeace-Schiffs „Rainbow Warrior“ deshalb am Versorgungskabel eines Tiefseeroboters im Pazifik Transparente mit der Forderung “Stoppt den Tiefseebergbau“.

„Schon heute plündert und verschmutzt die Industrie unsere Ozeane, als gäbe es kein Morgen. Sie darf nicht auch noch die Tiefsee durch den Bergbau zerstören“, sagt Sandra Schöttner, Meeresbiologin von Greenpeace an Bord der „Rainbow Warrior“. Und sie warnt: „Sterben die Meere, verlieren auch wir unsere Lebensgrundlage. Deutschland darf bei dieser ökologischen Katastrophe nicht mitmachen.“

Umweltvorgaben sollen Artenvielfalt schützen

Immerhin: Im Meeres-Masterplan der Bundesregierung heißt es auch, dass aus deutscher Sicht effiziente und umweltverträgliche Verfahren für den Tiefseebergbau anzustreben seien. Entsprechend warben das Umweltbundesamt (UBA) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bereits 2017 auf einem Workshop mit der Internationalen Meeresbodenbehörde dafür, den Tiefseebergbau mit konsequenten Umweltvorgaben zu regulieren, etwa in Form von Schutzgebieten zum Erhalt der Artenvielfalt. Am Meeresboden leben unter anderem Muscheln, Seesterne und Schwämme.

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Rund 30 Lizenzen zur Erkundung von Gebieten mit Manganknollen, Mangankrusten und Massivsulfiden hat die Meeresbodenbehörde mit Sitz in Jamaika seit 2001 bis heute ausgegeben - zwei davon an Deutschland. Im Auftrag der Bundesregierung untersucht die BGR seit 2006 ein Gebiet mit Manganknollen im östlichen Pazifik und seit 2015 eines mit Sulfidvorkommen im südwestlichen Indischen Ozean. Beide sind wirtschaftlich interessant: Die Manganknollen wegen ihres Gehalts an Kupfer, Nickel und Kobalt, die Massivsulfide wegen des Anteils an Kupfer, Zink und Blei, aber auch Gold und Silber.

4500 Meter tiefe Übung im deutschen Bereich

Im deutschen Manganknollen-Gebiet, gelegen zwischen Hawaii und Mexiko, hat die BGR gerade einen wichtigen Gerätetest abgeschlossen. Zum weltweit ersten Mal kam ein Kollektor zum Abbau der Knollen zum Einsatz - in etwa 4500 Metern Tiefe, wo der Druck für menschliche Taucher viel zu hoch wäre. Mitsamt dem Sediment hat das Gerät der belgischen Firma Global Sea Mineral Resources (GSR) dort die Manganknollen angesaugt, beobachtet von zwei Tauchrobotern und ungefähr 40 verschiedenen Sensoren.

Das Ziel der Übung war es, die Umweltauswirkungen des Eingriffs wissenschaftlich bewerten zu können - und so Umweltstandards für den Abbau auf den Weg zu bringen. Denn mit dem sogenannten „Mining Code“ erarbeitet die Meeresbodenbehörde derzeit einen Rechtsrahmen für den Tiefseebergbau. Forscherinnen und Forscher von 29 europäischen Instituten werten die Daten des Gerätetests jetzt entsprechend aus. Die Umweltfolgen des Testlaufs selbst sind nach Einschätzung der BGR trotz des aufgewirbelten Sediments gering. Bergbauprojekte im großen Stil könnten für die Tiefsee und die dort verbreiteten Lebewesen künftig hingegen deutlich weitreichendere Folgen haben.

RND/dpa

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