Inflation galoppiert, EZB wartet ab

EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Berlin. Im Oktober hat die Teuerung abermals kräftig an Fahrt gewonnen. Die Verbraucherpreise legten um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Basis vorläufiger Daten mitteilte. Eine Teuerungsrate in dieser Höhe hatten die Statistiker zuletzt im Oktober 1993 gemessen, als die deutsche Wirtschaft vom „Wiedervereinigungsboom“ profitierte. Im September dieses Jahres hatte die Inflation noch bei 4,1 Prozent gelegen, im August bei 3,9 Prozent.

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Vor allem die stark gestiegenen Energiepreise treiben die Inflation. Im Oktober mussten Verbraucher im Schnitt 18,6 Prozent mehr als vor einem Jahr für Strom, Sprit, Heizöl und Erdgas bezahlen. Allerdings waren die Energiepreise im Corona-Jahr 2020 stark eingebrochen. Zeitweise hatte die Inflationsrate sogar im negativen Bereich gelegen, weshalb die extremen Preissprünge dieser Tage zum Teil Aufholeffekte sind.

Auch ein statistischer Sondereffekt spielt eine Rolle. Um die Konjunktur anzukurbeln, hatte die Bundesregierung in der Krise des Jahres 2020 vorübergehend die Mehrwertsteuer gesenkt. Die Rücknahme der temporären Senkung führt jetzt zu höheren Preisen und damit zu höheren Inflationsraten. Weltweite Lieferengpässe bei Rohstoffen, Vorprodukten und Verbrauchsgütern treiben die Preise zusätzlich in die Höhe.

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Ökonominnen und Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflationsrate bis Ende des Jahres durchaus noch auf mehr als 5 Prozent steigen könnte. Im kommenden Jahr allerdings soll sie nach allgemeiner Erwartung wieder sinken – etwa weil der Effekt der Mehrwertsteuersenkung und -anhebung dann wegfällt und sich die globalen Lieferketten wieder stabilisiert haben könnten.

73 Prozent der Deutschen sehen die Inflation kritisch

Die Beruhigungen der Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verfangen bei den meisten Bundesbürgern nicht. Rund 73 Prozent sehen die Inflationsentwicklung bereits kritisch, hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in einer Umfrage ermittelt.

Die anziehende Teuerung sei gefährlich, warnte DSGV-Präsident Helmut Schleweis. „Sie sollte nicht als vorübergehender Effekt nach der Corona-Krise verharmlost werden.“ Deshalb müsse die EZB im Dezember die Weichen für einen Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik stellen.

Bislang allerdings hält die EZB an ihrer lockeren Geldpolitik eisern fest. Der Rat der EZB beschloss bei seiner Sitzung am Donnerstag, den Leitzins für den Euroraum weiterhin bei null Prozent zu belassen. Die Währungshüter gehen nach wie vor davon aus, dass es sich bei der aktuell hohen Inflationsrate um ein vorübergehendes Phänomen handelt.

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Die Geldpolitik der EZB hat eine mittelfristige Inflationsrate von etwa 2 Prozent pro Jahr zum Ziel. Kurzzeitig allerdings akzeptiert die Notenbank auch niedrigere und höhere Inflationsraten.

Immerhin: Bei den milliardenschweren Anleihekäufen deutet sich ein Ende an. Zwar hat der EZB-Rat am Donnerstag beschlossen, das Corona-Krisenprogramm PEPP bis mindestens März 2022 und notfalls auch darüber hinaus fortzuführen. Bei der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag aber sagte Zentralbank­präsidentin Christine Lagarde, dass das Programm aus ihrer Sicht im ersten Quartal des kommenden Jahres enden werde.

„Zu diesem Zeitpunkt erwarte ich, dass PEPP abgeschlossen und zu einem Ende kommen wird im März 2022“, so Lagarde wörtlich. „Ob wir den ganzen Kaufrahmen oder nicht nutzen, wird zu sehen sein.“

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