Ist Hohmann-Dennhardt die doppelte Kronzeugin?

Christine Hohmann-Dennhardt riet offenbar erst Daimler und dann VW zur Flucht nach vorn.

Christine Hohmann-Dennhardt riet offenbar erst Daimler und dann VW zur Flucht nach vorn.

Wolfsburg. Offiziell gibt es noch nicht einmal ein Verfahren: Nur Vorermittlungen hat die Europäische Kommission bisher aufgenommen, weil sich die großen deutschen Autobauer jahrzehntelang über technische Standards, Zulieferkontakte und andere Themen ausgetauscht haben. Doch die Folgen können extrem teuer sein, wenn sich herausstellen sollte, dass dabei Wettbewerbsrecht gebrochen wurde.

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Wer als erster auspackt, kommt glimpflich davon, und so haben sich Volkswagen und Daimler hinter den Kulissen einen Wettlauf um die Rolle des Kronzeugen geliefert – zum Leidwesen von BMW, dem Dritten im Bunde. „Wir waren irritiert“, sagte BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Im Rückblick ist es ein komisches Gefühl, dass wir mit den Wettbewerbern über Zusammenarbeit redeten, während deren Juristen die Zusammenkünfte schon angezeigt hatten bei den Wettbewerbsbehörden.“

BMW könnte der Verlierer des Spiels sein

Die Fachfrau, die beiden Konzernen zur Flucht nach vorn riet, war offenbar die gleiche: Christine Hohmann-Dennhardt war von 2011 bis 2015 im Daimler-Vorstand für Rechtsfragen und ordnungsgemäße Unternehmensführung (Compliance) zuständig. Dort warb VW die bis dahin hoch angesehene Hohmann-Dennhardt ab, damit sie den Wolfsburgern in gleicher Funktion aus dem Diesel-Skandal heraushelfe. Doch man kam nicht miteinander zurecht. Das Ansehen litt, als sie nach nur einem Jahr mit zweistelliger Millionenabfindung bei VW verabschiedet wurde.

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Was ihr Gastspiel wert war, ist noch offen. Die Konzerne halten sich im Kartellverfahren zwar offiziell bedeckt, aber Daimler soll sich in Hohmann-Dennhardts Amtszeit bei der EU-Kommission gemeldet haben, um einem möglichen Bußgeld zu entgehen. In VW-Kreisen wiederum wird bestätigt, dass sie kurz darauf in Wolfsburg die Meldung an Brüssel verfasste. In München hat sie nie gearbeitet, und so könnte BMW der Verlierer dieses Spiels sein: Sollten eines Tages Bußgelder fällig werden, könnte Daimler ungeschoren davonkommen, VW möglicherweise mit Nachlass – und BMW müsste zahlen.

Von stw/RND

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