Kommentar

Anleger, bitte anschallen!

Die Achterbahn „Big Loop“ im Heide-Park.

Kleinanleger brauchen jetzt gute Nerven.

Das Ergebnis sieht oft ganz harmlos aus. Den Donnerstag, zum Beispiel, beendete der Dax oberhalb von 12.300 Punkten und damit gut ein Prozent höher, als er die Woche begonnen hatte. Ist das Börsenleben also ein langer, ruhiger Fluss? Nun ja: Achterbahnwagen kehren auch dorthin zurück, wo sie losgefahren sind. Aber die Passagiere wirken irgendwie verändert.

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Denkwürdiger Donnerstag

Am Donnerstag, pünktlich um 14.30 Uhr, ließen die US-Inflationsdaten den Index innerhalb einer Stunde um 2,5 Prozent abrutschen. Haarscharf über der 12.000er-Marke kam die abrupte Kehrtwende, und es ging genauso steil wieder aufwärts mit Fortsetzung bis 12.600 zum Handelsstart am Freitagmorgen. Das macht schlanke 5 Prozent Gewinn innerhalb weniger Stunden. Am US-Markt war es das gleiche Bild.

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Am Freitag ging die wilde Fahrt weiter: Von den gerade erreichten Höhen rutschten die Kurse wieder ab. Der Dax beendete den Tag immerhin noch im Plus, aber in den USA ging es zügig ins Minus. Vom Tageshoch bei gut 3700 Punkten rauschte der S&P 500 in wenigen Nachmittagsstunden um rund 3 Prozent abwärts – obwohl die Eröffnung der Berichtssaison durch die US-Großbanken nicht schlecht ausfiel.

Der nächste Schritt der Fed scheint klar

Man kann nun tief in die Analyse von Inflationsdaten und ihren Implikationen einsteigen, aber ehrlich: Das Ausmaß der Schwankungen erklären sie nicht. Ein Preisanstieg von 8,2 Prozent in den USA liegt leicht über den Erwartungen, bedeutet aber erneut einen Rückgang. Die Richtung stimmt also immerhin, aber gleichzeitig gilt nun als ausgemachte Sache, dass die Notenbank Fed Anfang November einen weiteren großen Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte machen wird. Daraus mag nun jeder für die Zukunft lesen, was er oder sie will.

Die wilde Fahrt der Kurse erklärt sich eher daraus, dass mangels eines klaren Bildes aktuell die technischen Faktoren dominieren. Zunächst im wörtlichen Sinn: Ein großer Teil des Handels läuft automatisiert. Das verstärkt Bewegungen nach oben und unten – aber immer nur bis zu bestimmten Marken. Unten sucht der Algorithmus dann den Einstiegskurs, und oben nimmt er Gewinne mit. Wo diese Grenzen verlaufen, definiert wiederum zum großen Teil die Charttechnik – also Prognosen auf Basis des bisherigen Kursverlaufs.

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Viele Shortseller sind unterwegs

Hinzu kommen dann noch Termingeschäfte: Zuletzt wetteten besonders viele Leerverkäufer auf fallende Kurse. Hält sich der Markt besser als gedacht, müssen sie kaufen, um heil aus ihren Geschäften herauszukommen. Auch das lässt die Kurse unvermutet springen.

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Über den Stand der Dinge sagt all das eigentlich nur, dass es keinen Trend gibt und kleine Anlässe große Wirkung haben können. Wer da als Kleinanleger mitspielen will, braucht einen stabilen Magen. Für alle anderen gilt: Kopf einziehen, abwarten.

Stefan Winter ist leitender Wirtschaftsredakteur des RND. Er schreibt an dieser Stelle wöchentlich über Börse, Finanzmarkt, Aufstieg und Fall der Kurse – und über die Unternehmen dahinter.

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