Sanktionen zeigen erste Wirkung

Kommt jetzt die Staatspleite? Russland hat Geld, kann aber nicht zahlen

Der Rubel hat nach dem Angriff auf die Ukraine massiv an Wert verloren, inzwischen hat er sich wieder erholt.

Der Rubel hat nach dem Angriff auf die Ukraine massiv an Wert verloren, inzwischen hat er sich wieder erholt.

Die internationalen Sanktionen schränken Russlands finanziellen Spielraum immer mehr ein. Erstmals hat die Regierung Zahlungen auf Staatsanleihen in Rubel geleistet – obwohl mit den Gläubigern Dollar vereinbart sind. Auch Unternehmen haben zum Teil Probleme, ausländische Gläubiger zu bedienen. Der Grund ist nicht Geldmangel, sondern die Blockade der entsprechenden Konten durch die USA. Experten erwarten schon länger Zahlungsausfälle.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Russland verfügt über alle nötigen Ressourcen, um seine Auslandsschulden zu bezahlen“, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Das Geld kommt allerdings nicht bei den Gläubigern an, weil das US-Finanzministerium amerikanischen Banken die Abwicklung der Dollarzahlungen untersagt hat.

Die USA, die Europäische Union und Japan haben wegen des russischen Kriegs in der Ukraine umfangreiche Sanktionen gegen russische Geschäftsbanken und auch gegen die Zentralbank verhängt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die Sanktionen zeigen erste Wirkung

Aktuell geht es um knapp 650 Millionen Dollar für die Inhaber zweier Staatsanleihen, die Russland in Europa ausgegeben hat. Sie wurden nun in der Landeswährung Rubel gezahlt, deren Wert seit Jahren verfällt und zuletzt extrem schwankte. Wenn auch die Rubelzahlungen blockiert würden, könne eine „künstliche Bankrottsituation“ entstehen, sagte Peskow.

Der Stahlkonzern Severstal des Oligarchen Alexej Mordaschow blieb Ende März bereits 12 Millionen Dollar Zinsen schuldig, weil sich die Londoner Tochter der US-Bank Citi weigerte, die Zahlung abzuwickeln. Auch die Gläubiger der russischen Eisenbahn warten auf Zinszahlungen für eine Anleihe, die das Staatsunternehmen in der Schweiz ausgegeben hat.

Zukunft der Autoindustrie: Russlands Krieg gegen die Ukraine dämpft Erwartungen

Der Krieg gegen die Ukraine nimmt tiefgreifende Einflüsse auch auf die deutsche Industrie.

Damit zeigt die Blockade der Auslandskonten erste Wirkung. So soll die Regierung gezwungen werden, ihre begrenzten Devisenreserven im Inland für den Schuldendienst zu verwenden – und nicht zur Finanzierung des Krieges. Moskau habe die Wahl zwischen dem langsamen Auszehren der wertvollen Devisenreserven und der Erklärung des Staatsbankrotts, hatte die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden erklärt. Letzteres, den sogenannten Default, will das Land mit der Zahlung in Rubel vermeiden.

Folgen dürften sich in Grenzen halten

„Russland will als zahlungswilliger Schuldner wahrgenommen werden“, sagte Friedrich Heinemann vom ZEW-Forschungsinstitut dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Aktuell hat das Land zwar keine Chance, sich auf den westlichen Finanzmärkten neues Geld zu leihen. Vor allem der Zentralbank gehe es aber offenbar darum, nicht alle Türen auf ewig zuzuschlagen. Auch die Regierung habe kein Interesse daran, offiziell eine Zahlungsunfähigkeit zu erklären. Aus dem gleichen Grund werde auch weiterhin Gas geliefert.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

+++Alle Entwicklungen zu Russlands Krieg im Liveblog+++

Die unmittelbaren Folgen von Zahlungsausfällen würden sich nach Heinemanns Einschätzung in Grenzen halten. Bei westlichen Gläubigern soll ein zweistelliger Milliardenbetrag für Staatsanleihen und die gleiche Größenordnung für Anleihen von Unternehmen offen sein – sehr wenig in den Dimensionen des weltweiten Anleihemarkts.

Auf der anderen Seite komme auch Russland längere Zeit ohne westliche Geldgeber zurecht, weil die Staatsfinanzen bisher solide seien und das Land schon lange vergleichsweise autark lebe, sagte Heinemann. Zudem gibt es mit China, Brasilien und Indien mögliche Kreditgeber, die sich den Sanktionen nicht angeschlossen haben.

Wer hält die Russland-Anleihen jetzt noch?

„Die werden zahlungsfähig bleiben“, glaubt Heinemann, allerdings „auf reduziertem Niveau“. Ohne Zugang zum westlichen Kapitalmarkt werde der allgemeine Lebensstandard in Russland weiter sinken. Bereits die 2014 wegen der Besetzung der Krim verhängten Sanktionen haben das Warenangebot ausgedünnt und den Rubel massiv geschwächt. Nun rechnet der Wirtschaftsforscher mit einem weiteren Schritt nach unten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Unklar ist, wer aktuell noch Russland-Anleihen hält und damit bei einem Ausfall Verluste tragen müsste. In der Vergangenheit lagen diese Papiere vor allem bei Investmentfonds, die die Anleihenmärkte der Welt oder der Schwellenländer abbilden und einen entsprechenden Anteil russischer Papiere im Portfolio hatten. Doch seit russische Papiere nicht mehr in den internationalen Indizes notiert sind, dürften die Fonds ausgestiegen sein.

Käufer könnten Hedgefonds sein, die sich auf ausfallgefährdete Anlagen spezialisiert haben. Sie kaufen jetzt Anleihen zum Beispiel zu einem Viertel des Nennwerts und setzen darauf, dass sich die Lage beruhigt, beziehungsweise Russland seine Schulden am Stichtag begleichen kann. Teilweise wird auch mit Kreditausfallversicherungen spekuliert, die ebenfalls börsennotiert sind. Eine weitere Variante ist der Kauf von Firmenanleihen, um später bei einem Zahlungsausfall das Vermögen der Firmen im Ausland einzuklagen.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen