Folgen des Kriegs gegen die Ukraine

Kostenexplosion bei Treibstoffen: Logistiker warnen vor Versorgungsengpässen

Lkw tanken meist Diesel.

Lkw tanken meist Diesel.

Hannover. Die Logistikbranche warnt in immer drastischeren Worten vor den Folgen hoher Treibstoffkosten: „Wenn wir keine Unterstützung bekommen, haben wir in den nächsten Tagen ein gesamtgesellschaftliches Problem“, sagte am Donnerstag Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Spitzenverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Ihm zufolge ist die Versorgung der Bevölkerung mittlerweile massiv gefährdet: „Es ist drastischer als in jeder Situation während der Pandemie“, betonte Engelhardt.

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Was das bedeutet, zeigte sich bei der Pressekonferenz des BGL: Laut Engelhardt gab es keine vorherigen Absprachen, dennoch meldeten sich reihenweise Spediteurinnen und Spediteure mit ihren Sorgen zu Wort. Allesamt sahen sie ihre finanzielle Belastungsgrenze erreicht. Auf ihre Kunden umlegen können sie die Preissteigerungen nicht zeitnah. „Ich habe echt Angst, dass ich nächste Woche die Lkw stehen lassen muss“, schilderte eine um ihre Liquidität besorgte Spediteurin.

„Das dauert zu lange“

Allein war sie damit nicht, dabei ist die Branche schwankende Treibstoffkosten durchaus gewohnt. Doch die regelrechte Preisexplosion in Folge des russischen Kriegs in der Ukraine bringt offenbar etablierte Ausgleichmechanismen an ihre Grenzen. Weit verbreitete Preisgleitklauseln, im Fachjargon Dieselfloater genannt, zeigen laut Engelhardt bestenfalls nach sechs bis acht Wochen Wirkung. „Das dauert zu lange“, sagte Engelhardt und warnte vor Insolvenzen und stillstehenden Liefer-Lkw.

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Er appellierte deshalb an die Bundesregierung, ein Hilfsprogramm aufzulegen: Beim vom BGL geforderten Gewerbediesel würde der Staat den Treibstoff bezuschussen oder zumindest von Energiesteuern befreien, ähnliche Lösungen gibt es beispielsweise in Frankreich bereits. Auch brauche es einen Rettungsschirm für die noch härter getroffenen Nutzer von CNG und LNG – zwei noch vor kurzer Zeit als Brückentechnologie hin zu mehr Klimaschutz angepriesene Treibstoffe, deren Preise zuletzt noch stärker als beim Diesel anzogen.

Temporäre Hilfen gefordert

Zugleich betonte Engelhardt, dass es lediglich um eine temporäre Lösung gehe. Mittelfristig werden ihm zufolge die Kosten auf die Kunden der Speditionen – also etwa Supermärkte – umgelegt. Allzu große Kostensprünge müssen Verbraucherinnen und Verbraucher nach seinen Angaben nicht fürchten: „Am Ende sprechen wir über 0,1 Cent, um die beispielsweise ein Joghurtbecher teurer wird“, so Engelhardt.

Doch kurzfristig versprechen aus Sicht des BGL bereits laufende Gespräche über höhere Frachtraten keine Lösung. „Wir sind auch mit anderen Verbänden im Dialog, aber wir haben keine Zeit mehr“, sagte der Chef des Logistik-Spitzenverbands.

Auch mahnte Engelhardt, dass derzeit keine Alternativen zu hiesigen Speditionen bereitstünden. In Osteuropa mangele es an Fahrern, weil viele von ihnen zum Wehrdienst in die Ukraine zurückkehrten. „Wir haben zum ersten Mal eine Marktumkehr: Erste polnische Unternehmen fragen, ob deutsche Unternehmen Fahrten übernehmen können“, berichtete Engelhardt. Bewältigen können das die hiesigen Unternehmen ihm zufolge aber nicht.

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Wirtschaftsministerium verweist auf KfW

Das Bundeswirtschaftsministerium, das die Hilfsprogramme auflegen könnte, kritisierte Engelhardt scharf: Vier Schreiben an das Haus von Robert Habeck (Grüne) seien unbeantwortet geblieben. Am Donnerstagabend erklärte das Wirtschaftsministerium, den Transportunternehmen noch antworten zu wollen. Man habe aber zuvor in die Ressortabstimmung gehen müssen, so die Sprecherin.

Nach ihren Angaben setzt das Wirtschaftsministerium auf verschiedene Förderkredite für notleidende Speditionen: „Insbesondere der KfW-Schnellkredit kann von Unternehmen mit vorübergehenden Finanzierungsschwierigkeiten in Anspruch genommen werden“. Für die Einführung eines Gewerbediesels sei hingegen das Verkehrsministerium zuständig, so die Sprecherin weiter.

Seitens des Handelsverbands Deutschland (HDE) teilte am Donnerstag ein Sprecher mit, auf absehbare Zeit befürchte der Handel mit Blick auf die Probleme der Speditionen keine leeren Regale.

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