Milliardenprojekt in Hessen: Warum Frankfurts Bahnhof tiefergelegt wird

Nachdem eine Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis gekommen war, dass ein Fernbahntunnel technisch realisierbar ist, sollen künftig täglich mehr als 250 Züge mehr durch einen kilometerlangen Tunnel zum Hauptbahnhof fahren können.

Nachdem eine Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis gekommen war, dass ein Fernbahntunnel technisch realisierbar ist, sollen künftig täglich mehr als 250 Züge mehr durch einen kilometerlangen Tunnel zum Hauptbahnhof fahren können.

Frankfurt am Main. Am Ende seiner Rede geht Enak Ferlemann in die Offensive: „Wir sollten das schneller machen und nicht erst 2030 ins Bauen kommen. Wir sollten alle Reserven herauskitzeln. Auch weil alle mitgehen.“ Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium hat es eilig beim Bau einer Röhre unterhalb der Frankfurter Innenstadt, die er als „Jahrhundertprojekt“ mit europäischen Dimensionen bezeichnet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Am Montag fiel der Startschuss für die konkrete Planung des Fernbahntunnels. 3,6 Milliarden Euro seien „nach heutigem Preisstand“, so DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, für das Bauwerk eingeplant.

Was die Deutsche Bahn geplant hat

Im Vorfeld des Hauptbahnhofs sollen im nächsten Jahrzehnt die Intercity-Express- (ICE) und die künftigen Trans-Europa-Express-Züge auf zwei parallelen Gleisen abtauchen und an einer neuen unterirdischen Station mit vier Bahnsteigen halten. Sie folgen dann in 35 Meter Tiefe unterhalb des Mains dem Lauf desselbigen, um im Osten der Stadt wieder ans Tageslicht zurückzukehren – das Gleiche natürlich in Gegenrichtung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Tunnel sei nötig, denn der Frankfurter Bahnhof sei die „zentrale Mobilitätsdrehscheibe in Deutschland“, so Pofalla. Etwa 60 Prozent des Fernverkehrs hierzulande werden künftig über die Mainmetropole laufen. Und auch Reisende, die beispielsweise von Berlin nach Paris oder von Wien nach Amsterdam unterwegs sein werden, kommen an der sogenannten Bankenstadt nicht vorbei.

Nadelöhr mit Dominoeffekten

Die Bahn hat den Auftrag, bis 2030 den Fernverkehr auf der Schiene zu verdoppeln. Mit der jetzigen Infrastruktur geht das nicht. Der Frankfurter Haltepunkt ist schon heute vielfach überlastet, weil sich auf den überirdischen Gleisen Nah-, Regional- und Fernverkehr gegenseitig behindern.

Hinzu kommt, dass die Züge im Kopfbahnhof „gedreht“ werden müssen. Auch das kostet Zeit. Das Nadelöhr führt häufig zu Verspätungen mit Dominoeffekten – sie machen sich für Bahnfahrer bundesweit bemerkbar.

Mit den zusätzlichen Bahnsteigen im Untergrund soll nun die Kapazität von rund 1250 auf 1500 Züge täglich erweitert werden – also um etwa 20 Prozent. Wodurch sieben bis acht Minuten Fahrzeit eingespart werden. Das hört sich nach wenig an, bringt aber enorme Vorteile: Der frühere CDU-Politiker Pofalla machte darauf aufmerksam, dass der Tunnel als „Kernelement des Deutschland-Taktes“ benötigt werde.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der soll um das Jahr 2030 herum schrittweise eingeführt werden. Zwischen den großen Städten verkehren dann Züge im Abstand von etwa 30 Minuten. Sie kommen an den Bahnhöfen fast gleichzeitig an und fahren kurz hintereinander wieder weiter. Umsteigezeiten werden so minimiert. In der Schweiz funktioniert das seit vielen Jahren. Und das Vorbild für das Frankfurter Projekt ist Zürich, wo es neben dem oberirdischen Kopfbahnhof schon lange eine zweite unterirdische Station gibt.

Auch der Regionalverkehr soll profitieren

Tarek Al-Wazir (Grüne), Hessens Verkehrsminister, machte darauf aufmerksam, dass durch das Tunnelprojekt die ebenfalls dringend notwendigen oberirdischen Ausbauarbeiten am Bahnhof nicht vernachlässigt werden dürften. Mit dem Tieferlegen des Fernverkehrs soll oben mehr Platz für den Regionalverkehr geschaffen werden, der vor allem Berufspendler in die Metropole bringt. Immerhin sind am Bahnhof jeden Tag im Schnitt 500.000 Fahrgäste zugange.

Hauptstadt-Radar

Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Frankfurts Bürgermeister Peter Feldmann (SPD) warnte indes vor Protesten. Allerdings nicht gegen den Tunnelbau, sondern weil es den Leuten damit nicht schnell genug vorangehe.

Insgesamt 19 „Partner“ machen sich für das Bauwerk stark, dazu gehören auch die Umweltorganisation BUND, der Fahrgastverband Pro Bahn und der Flughafenbetreiber Fraport, aber auch die Städte Frankfurt und Offenbach ziehen da an einem Strang (was Seltenheitswert hat). Feldmann sprach am Montag von einem „historischen Moment“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Über den Frankfurter Tiefbahnhof wird seit rund drei Jahrzehnten diskutiert. Lange wurde nach einer Lösung gesucht, um den gesamten Bahnhof unter die Erde zu bringen. Dieses Vorhaben wurde wegen zu hoher Kosten schon 2001 zu den Akten gelegt.

Mehr aus Wirtschaft

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen