Motorrad-Trends 2022: Wenig E-Mobilität, aber dafür ein Comeback

Klassischer Look: Auch der Retro-Boom geht mit Maschinen wie der Kawasaki Z650RS weiter.

Stuttgart/Bergisch-Gladbach. Die Freude am Motorradfahren scheint ungebrochen. In den ersten neun Monaten 2021 verkauften die Hersteller rund 60.000 Maschinen mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Damit der Trend 2022 weiter anhält, präsentieren die Motorradmarken seit dem Herbst ihre Neuheiten. Dabei zeigen sich einige Entwicklungen.

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Maik Schwarz vom „Motorrad Magazin MO“ sieht einen Trend zu Enduro-ähnlichen Konzepten, vergleichbar mit den SUVs im Pkw-Bereich, bei den Zweirädern jedoch ohne steigende Fahrzeuggewichte.

„Diese Maschinen sind etwas höher und bieten mehr Federweg und Komfort als konventionelle Straßenmaschinen, setzen aber auf Straßenreifen und sind fürs Gelände nicht geeignet“, sagt Schwarz. Modelle wie BMW F900 XR, Kawasaki Versys und Yamaha Tracer zählen dazu, 2022 folgen Aprilia Tuareg 660 und Husqvarna Norden 901 hinzu.

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E-Motorrad - Boom-Potenzial oder Nische?

Im Gegensatz zu Autos bleiben Elektro-Motorräder eine Nische. „Sie sind noch zu teuer, zu schwer und bieten nur eine geringe Reichweite“, sagt Schwarz. „Dazu dauert das Laden lange. Für Hobbyfahrer, die am Wochenende ein paar hundert Kilometer fahren wollen, passt das nicht zum Nutzerprofil.“ Modelle wie Zero SR, Energica Ego+ und Energica Eva Ribelle RS bieten aber zumindest eine neue Auswahl für E-Motorradfahrer.

Kurzstrecken-Zweiräder wie E-Roller können durchaus Sinn ergeben, wie etwa der BMW CE 04 Scooter. Einen wachsenden Markt sieht der Motorrad-Experte auch bei den Leichtkrafträdern, hervorgerufen durch eine seit 2020 bestehende Führerschein-Neuregelung (B196), die unter gewissen Bedingungen 125-ccm-Motorräder mit dem Pkw-Schein erlaubt.

Modelle der Mittelklasse im Aufwind

Jörg Lohse, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift „Motorrad“, sieht für 2022 drei Motorrad-Trends: starke Mittelklasse, italienische Offensive und Comeback der Sporttourer. Bei Motorrädern der Mittelkasse, also Maschinen zwischen 500 und 800 Kubikzentimeter (ccm) und maximal 95 PS, werde es 2022 ein größeres Angebot geben.

„Interessant sind diese deshalb, weil sie mit dem Führerschein A2 gefahren werden können“, sagt Lohse. Dazu zählt er unter anderem die Triumph Tiger Sport 660, die Kawasaki Z 650 RS und die Honda CB 500-Reihe. Die Kawasaki orientiert sich optisch an die Z-Reihe der 1970er-Jahre, bietet moderne Technik wie LCD-Display, LED-Licht und einen Zweizylindermotor mit 68 PS.

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Italo-Renner und -Tourer

2022 präsentieren zudem viele italienischer Hersteller neue Modelle: Aprilia nach der RS 660 und Tuono 660 die Tuareg 660. Damit bietet Aprilia auf einem Baukasten die Kategorien Sportler, Naked Bike und Adventure Bike. Moto Guzzi hat mit der V100 Mandello erstmals einen wassergekühlten V2 und damit einen neuen 1,0-Liter-Motor mit 115 PS.

Ducati zeigte in den vergangenen Wochen mehrere neue Modelle, wie die Multistrada V2, 800er Urban Motard, 1100er Tribute pro, Multistrada Pikes Peak, Desert X, Panigale V4 und Streetfighter V2 mit 153 PS. „Neben dem 204 PS starken V4-Motor stellt Ducati mit der Streetfighter V2 nun eine moderat motorisierte Maschine auf die Räder, die mehr Nutzen bietet und sich wahrscheinlich einfacher fahren lässt“, sagt Jörg Lohse.

Auch die italienische Marke Benelli verkauft mit der zweizylindrigen TRK 800 mit 77 PS ab 2022 ein Adventure Bike der Mittelklasse – das Segment, auf das sich gerade alle Hersteller stürzen.

Mit der Lucky Explorer stellt der italienische Edelhersteller MV Augusta 2022 gleich zwei neue Adventure-Motorräder vor: das kleinere Modell 5.5 mit 550 ccm aus zwei Zylindern und 48 PS sowie die größere Dreizylinder-Variante 9.5 mit 950 ccm und 123 PS.„MV Augusta geht mit diesen beiden Motorkonzepten und einer ähnlichen Optik der Maschinen einen interessanten Weg – von der Straße rein ins Gelände“, sagt Lohse. Mit der Lucky Explorer 5.5 ist MV Augusta nun auch im umsatzstarken Mittelklasse-Segment vertreten.

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Sportliche Reisemaschinen kommen zurück

„Die in den vergangenen Jahren fast verschwundenen Sporttourer mit starken Motoren und Verkleidung für bequeme und lange Reisen erfahren ein Comeback„, sagt Lohse. Dazu zählen neben der Moto Guzzi V100 Mandello auch Suzuki GSX-S 1000 GT, Honda NT 1100 und Triumph Speed Triple 1200 RR. Bei der Triumph mit einer kleinen Halbverkleidung und einem Scheinwerfer arbeitet ein Dreizylinder mit 180 PS.

Vom deuschen Hersteller BMW erwartet Jörg Lohse im ersten Halbjahr 2022 wenig Neuheiten, bis auf die überarbeitete K-Reihe. „Das wird aber nur die Ruhe vor dem Sturm sein, BMW Motorrad feiert erst 2023 das 100-jährige Bestehen und wird dann viele neue Modelle bringen, wie die nächste GS“, ist er sich sicher.

Retro und Crossover auch 2022

Michael Lenzen sieht 2022 den Trend von Retro-Motorrädern, wie die Kawasaki Z650RS oder Z900RS SE. Dazu werde das Angebot an Mittelklassemotorrädern weiter wachsen und die Sportmaschinen schrumpfen, so der Vorsitzende vom Bundesverband der Motorradfahrer (BvdM). „Auch chinesische Marken werden 2022 mehr Maschinen in Europa anbieten.“ Dazu zählen unter anderem Voge, CFMoto oder Mash.

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Seiner Meinung nach werden Crossover-Motorräder weiter gefragt sein, häufig in der Klasse bis 900 Kubikzentimeter. „Das Wettrüsten nach mehr Leistung und immer schnelleren Maschinen ist nicht mehr zeitgemäß. Bezahlbare Maschinen im mittleren Segment bieten den Piloten ebenso viel Spaß“, sagt er. Zudem habe sich das Bewusstsein für mehr Sicherheit bei vielen Motorradfahrern erhöht, worauf auch vereinzelte Motorradhersteller reagieren.

Einen weiteren Trend sieht Maik Schwarz in der Bluetooth-Connectivity zwischen Cockpit und Smartphone. Im Cockpit reicht dann ein TFT-Display für Pfeil- oder Kartendarstellung, die eigentliche Navigations-Software wird als kostenlose App vom Motorradhersteller auf dem Smartphone gespeichert – das spart Platz im Cockpit oder macht separate Navis überflüssig.

RND/dpa

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