Nach Stromio-Aus: Kunden zahlen drauf, Anwälte bereiten Klagen vor

Strom kommt weiter aus der Steckdose: Die LSW sieht sich personell stark genug aufgestellt, um Ausfälle durch Krankheiten oder Quarantäne kompensieren zu können.

Stromio hat den Stecker gezogen, die Grundversorger mussten einspringen.

Hannover. Ehemalige Kunden des Stromdiscounters Stromio kommen vom Regen in die Traufe. Nachdem das Unternehmen vor Weihnachten die Lieferungen eingestellt hat, sind sie in der Grundversorgung anderer Anbieter gelandet – und zahlen dort nicht nur mehr als bisher, sondern auch deutlich mehr als andere Kunden beim gleichen Versorger. Denn oft werden für die neuen Kunden eigene, zum Teil doppelt so teure Tarife geschaffen.

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Gerichte dürften deshalb bald viel zu tun bekommen: Anwälte bereiten Schadensersatzklagen gegen Stromio und die dazugehörigen Firmen vor. Gleichzeitig wollen Verbraucherzentralen gegen die teuren Grundversorger vor Gericht ziehen. Die Grundversorgung sei „ein soziales Netz für alle Verbraucher“, sagt Holger Schneidewindt, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie könne nicht mit zwei verschiedenen Preisschildern für Alt- und Neukunden versehen werden.

Stromio mit Sitz im nordrhein-westfälischen Kaarst, bisher einer der größten Energiediscounter in Deutschland, hat im Dezember alle Verträge gekündigt, weil stark gestiegene Einkaufspreise an der Strombörse die Billigangebote unmöglich gemacht hatten.

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Discounter verlieren ihr Geschäftsmodell

Die Discounter lebten jahrelang davon, dass sie kurzfristig zu niedrigen Preisen einkauften und so die großen Versorger unterboten, die ihren Bedarf längerfristig und damit teurer decken. Seit Strom und Gas sprunghaft teurer wurden, funktioniert das nicht mehr. Im Gegensatz zu anderen Anbietern ist Stromio aber nicht pleite.

Der Stromversorger Stromio GmbH hat seine Zentrale in Kaarst.

Der Stromversorger Stromio GmbH hat seine Zentrale in Kaarst.

Hunderttausende Kundinnen und Kunden werden nun automatisch von ihrem lokalen Grundversorger, oft den Stadtwerken, beliefert, und die stehen vor dem gleichen Problem wie Stromio: Der für die neuen Kunden benötigte Strom muss teuer zugekauft werden. Damit wollen die Unternehmen aber nicht ihre Bestandskunden belasten, sondern nur die Neukunden.

Doppelter Preis für Neukunden

So haben nach Zählung des Vergleichsportals Check24 bisher 344 Stromanbieter die Preise für Neukunden in der Grundversorgung erhöht – um durchschnittlich 97 Prozent. Bei Gas sind die Aufschläge noch höher. Dagegen kommen Altkunden, die in der Grundversorgung jahrelang vergleichsweise viel bezahlt haben, jetzt günstiger weg. Diesen Unterschied dürfe es nicht geben, sagt Verbraucherschützer Schneidewindt: Es könne nicht sein, dass eine Kundin doppelt so viel zahle wie eine andere, nur weil sie später in die Grundversorgung aufgenommen wurde.

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Abmahnungen gegen drei Versorger

Die Grundversorgung – geregelt im Energiewirtschaftsgesetz – sei als Sicherheitsnetz gedacht. Das werde gerade für Menschen mit geringem Einkommen gebraucht, die nicht als Schnäppchenjäger sondern gezwungenermaßen beim Discounter gelandet seien, sagt Schneidewindt. Die Verbraucherzentrale hat deshalb die drei Grundversorger Rheinenergie, Stadtwerke Gütersloh und WSW in Wuppertal abgemahnt und fordert von ihnen die Gleichbehandlung der Kunden. Schneidewindt rechnet mit Klagen in einigen Tagen.

Mit einigen Geschädigten bereiten wir bereits Klagen vor.

Marek van Hattem

Rechtsanwalt

Marek van Hattem, Rechtsanwalt der Kölner Kanzlei Himmelreither, macht unterdessen von der anderen Seite Druck: Wenn die einstigen Stromio-Kunden nun erhebliche Mehrkosten haben, müsse Stromio Schadensersatz leisten. „Mit einigen Geschädigten bereiten wir bereits Klagen vor“, sagte van Hattem dem RND.

Die Kündigungen durch den Discounter seien unwirksam, Stromio müsse zu den vereinbarten Konditionen liefern – oder Mehrkosten ersetzen. Die Betroffenheit bei den Kunden sei groß: „Wir hatten innerhalb einer Woche rund 250 schriftliche Anfragen von Kunden, ein Servicetext im Internet ist inzwischen 100.000-mal angeklickt worden.“

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